Medienmacher haben das Vertrauen der Bürger verspielt - Zeit, es zurückzugewinnen

Journalisten, kämpft um Vertrauen!

Die Deutschen haben ihren Medien ein mieses Zeugnis in Sachen Vertrauenswürdigkeit ausgestellt. Im diese Woche veröffentlichten Korruptionsbarometer von Transparency International haben die Medien die Note 3,6 bekommen. Vor drei Jahren lag der Wert immerhin noch bei 3,0. Damit ist die deutsche Medienlandschaft in der Wahrnehmung der Bürger fast so schlecht wie die politischen Parteien (3,8). Haben wir Medienmacher das Vertrauen der Bürger leichtfertig verspielt?

Dass unabhängige, glaubwürdige Medien wichtig für Demokratie und Pluralismus sind, ist wohl konsensfähig. Dass ausgerechnet die, deren kritische Berichterstattung helfen soll, auf Missstände aufmerksam zu machen, selbst als korrupt eingeschätzt werden, ist umso alarmierender.

Transparency erklärt den Mangel an Vertrauen mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten und „prekären Arbeitsverhältnissen“ von Journalisten. Das Misstrauen der Bürger ist wohl auch durch Korruptionsskandale jüngster Zeit gewachsen. Da war zum Beispiel der Fall der Ex-NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze, die ihrem Sender selbst geschriebene Drehbücher unter Pseudonym verkaufte. Oder die Korruptionsermittlungen beim Kinderkanal von ARD und ZDF.

Oder höhlen die Redaktionen ihre Pressefreiheit selbst aus? Wolfgang Bok beklagte bereits im Mai im Magazin Cicero, dass es vielen Verlagshäusern und Rundfunkanstalten an der nötigen Distanz fehle: „Gut ist alles, was den Genderrichtlinien entspricht, mit einem blauen Engel bemäntelt ist, ‚mehr soziale Gerechtigkeit‘ verheißt und vor allem ‚gegen rechts‘ klare Kante zeigt.“ All dies sei gut und richtig, trage aber nicht zur Pluralität in den Redaktionen und damit nicht zur Meinungsbildung bei.

Dass Mediennutzer auch eine zu große Nähe zwischen Medien und dem Negativ-Spitzenreiter Politik wahrnehmen, zeigten kritische Kommentare in der Debatte um die Umarmung zwischen Bild-Chef Kai Diekmann und Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Medienkonsumenten sind skeptisch, wenn der Journalismus ein teilnehmender, kein beobachtender zu werden droht.

Wir Medienschaffende sollten diese Signale ernst nehmen. Aufgabe von Journalisten ist es nicht, Besserwisser zu sein, sondern Aufklärer. Wir sollen vorurteilsfrei kritische Fragen stellen, statt ungeprüft Vorurteile, Klischees und Mainstream-Erkenntnisse zu übernehmen. Wir haben nicht die Wahrheit gepachtet, aber die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Das heißt, dass wir uns professionell und nach bestem Wissen und Gewissen an der Wahrheitssuche beteiligen. Dafür müssen wir Rechercheaufwand treiben und schon mal bereit sein, auf Beifall zu verzichten. Höchste Zeit, sich unserer journalistischen Grundsätze zu besinnen, um unsere Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit zu kämpfen und das verloren gegangene Vertrauen wiederzuerlangen. (pro)


Von: Stefanie Ramsperger

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