pro-Redakteurin Anna Lutz findet: Die EKD lässt Gott beim Thema Ehe zu kurz kommen

Warum eigentlich noch heiraten?


Liebe Evangelische Kirche in Deutschland,


natürlich werden sich evangelikale Christen über Deine neue Orientierungshilfe zum Thema Familie aufregen, das ist so absehbar wie die Regenbogenfahne auf dem Christopher Street Day. Als gläubige Frischverheiratete stört mich etwas ganz anderes an der Art, wie Du Familie "neu denkst".

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften seien ebensoviel wert wie traditionelle – auch theologisch betrachtet, heißt es in der Orientierungshilfe "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit". Das entspricht keineswegs der offiziellen Sicht der Evangelischen Allianz und anderer freikirchlicher Bünde, wie Michael Diener erklärt, wenn er nun von einer vollkommen inakzeptablen hermeneutischen und theologischen Einseitigkeit spricht. Nun bin ich kein Theologe, dafür aber gläubig und frisch verheiratet. Und jenseits der Frage, ob eine Homo-Partnerschaft meiner Beziehung nun gleichwertig ist oder nicht, steht für mich eines fest: Eine Kirche, die die Ehe dermaßen herabwürdigt, wie dies in der nun veröffentlichten Orientierungshilfe geschieht, spricht nicht für mich.

Die Ehe, so sagst Du, liebe EKD, sei kein Sakrament, nicht von Jesus selbst eingesetzt und damit keine absolute Ordnung. „In einem Traugottesdienst feiern wir mit dem Paar, mit Freunden und Familie, dass die beiden ‚sich getraut’, sich den gemeinsamen Weg zugetraut und ihr Leben anvertraut haben, und bitten um Gottes Segen für diese Entscheidung und die gemeinsame Zukunft – nicht mehr, aber auch nicht weniger.” Nicht mehr? Wirklich? Als ich und mein Mann im vergangenen Jahr heirateten, da versprachen wir uns, den anderen mehr zu lieben als uns selbst. Wir taten das in dem Bewusstsein, dass das menschlich im Grunde unmöglich ist, aber in dem festen Vertrauen darauf, dass Gott die Idee zur Ehe hatte, dass er der Stifter dieses Gedankens ist, und dass er uns deshalb helfen wird, diesem Ideal näher zu kommen. Wir haben an diesem Hochzeitstag nicht gefeiert, dass wir uns „getraut” haben, etwas zu tun, was so viele nicht mehr wagen. Wir haben Gott gefeiert, der uns zu einem Ehepaar hat werden lassen und der uns helfen wird, dass wir es hoffentlich bis zum Ende unseres Lebens bleiben.

Eine Kirche, die die Ehe als „nicht mehr” als das Wagnis zum gemeinsamen Weg bezeichnet, muss sich fragen: Warum sollten Menschen denn überhaupt noch heiraten? Den gemeinsamen Weg wagen, das kann jeder freilich auch ohne das Ja-Wort vor dem Altar. Mir jedenfalls hätte diese Idee nicht gereicht. Warum also, liebe EKD, ist die Ehe heute noch ein Gewinn? Ich warte auf eine Orientierungshilfe zu diesem Thema. (pro)

Von: Anna Lutz

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