ZDF-Dokumentation: Wenn "islamische und christliche Fundamentalisten" verglichen werden

"Darf man islamische und christliche Fundamentalisten in einer Dokumentation behandeln, ihre Worte und Taten vielleicht sogar miteinander vergleichen?" So lautet die Kernfrage, der die Autoren Elmar Theveßen und Souad Mekhennet in ihrer Reportage "Der große Graben - Religiöse Fundamentalisten auf dem Vormarsch" nachgegangen sind. Ihre Dokumentation lief am Donnerstag im ZDF.

Über "die gefährliche Wechselwirkung zwischen extremen Überzeugungen in Islam und Christentum" wollten ZDF-Terrorexperte Theveßen und die freie Journalistin Mekhennet aufklären – und darüber, inwiefern eine "Radikalisierung der Religionen eine Gefahr für die Demokratie" sei.

"Auf der einen Seite (stehen) Islamisten, die den Islam als dominierende Religion in der Welt etablieren wollen, und auf der anderen christliche Fundamentalisten, die die buchstabengetreue Erfüllung der biblischen Apokalypse und die Vorherrschaft eines Systems herbeisehnen, das zunehmend ebenfalls von religiös-fundamentalistischen Werten geprägt wird", heißt es in der Dokumentation.

"Vergleichbare Strategien, Taktiken und Argumente"

Zu Wort kamen Vertreter des Islam, des Christentums und des Judentums in den USA, Großbritannien, Deutschland und Israel. "Der Islam muss jetzt das Schwert tragen", sagt etwa ein Terrorverdächtiger, gegen den die Bundesanwaltschaft ermittelt, in einem Berliner Restaurant in die Kamera. "Und dann ersteht der Antichrist aus der Europäischen Union", erzählt der US-amerikanische Prediger einer Reisegruppe am Tal von Megiddo in Israel. Er redet von den Juden, denen der größte Holocaust noch bevorstehe - in der letzten großen Schlacht von Armageddon.

Es sind diese und andere "Fundamentalisten" aus Islam und Christentum, die sich "im Kampf der Kulturen gegenseitig bedingen und mit vergleichbaren Strategien, Taktiken und Argumenten das weltpolitische Geschehen für ihre Zwecke beeinflussen, obwohl sie eine Minderheit in den beiden großen Religionen darstellen".

Jedoch, auch das sagen die Autoren ganz deutlich, an einem Punkt unterscheiden sich Islamisten und Christen grundsätzlich: in der Frage der Gewalt. "Die christlichen Fundamentalisten lehnen sie grundsätzlich ab, die islamischen rechtfertigen Terrorakte in Israel, Irak und Afghanistan als Selbstverteidigung."

Was unterscheidet Islamisten und Christen?

Dennoch, Parallelen soll es geben: "Auch die bibeltreuen Christen glauben, dass sie sich selbst verteidigen müssen gegen einen Islam, der ihnen als unreformierbar, gefährlich und gewaltbereit gilt", so die Autoren, die jedoch vergessen zu erwähnen, wie genau diese "Verteidigung" der Christen denn aussieht. Natürlich, nicht gewaltsam, das wird deutlich. Doch wie dann?

Gegenüber Christen – und Islamisten – wird der Vorwurf erhoben, sie alle unterteilten die Welt "in Gut und Böse". Das sei die Wurzel allen Übels, aller Intoleranz und Zornespredigten. Dies sei die "vergleichbare Strategie", die Basis, die Christen und Islamisten eine.

Islamisten jedoch ziehen aus dieser Basis völlig andere Schlüsse, als es Christen tun. Radikale Muslime halten die "christliche Welt" für böse, rechtfertigen Attentate nicht allein mit "Selbstverteidigung", sondern auch mit der Rückeroberung und Bestrafung der westlichen Welt, wie dies Islamisten etwa nach den Attentaten vom 11. September 2001 immer wieder betont haben. Von einer "vergleichbaren Strategie" zwischen Islamisten und Christen kann daher nicht die Rede sein.

Im Gegenteil. Evangelikale Christen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Bibel ernst nehmen, dass sie ihr Bekenntnis zum christlichen Glauben ohne Abstriche äußern. Evangelikale zeichnen sich jedoch nicht allein durch ihren Glauben aus, den Glauben an fundamentale Wahrheiten, wie sie etwa im Apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst sind. Evangelikale richten ihr Handeln immer auch nach dem Gebot der Nächstenliebe aus. Für sie gilt die Wahrheit der Aussagen Jesu genauso wie das bekannte Wort des Apostels Paulus in dessen erstem Brief an die Korinther: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Wahrheit im christlichem Verständnis ist immer verbunden mit dem Respekt und der Achtung vor dem Nächsten. Daher vertreten evangelikale Christen ihre Glaubensüberzeugungen zwar streitbar, aber ohne zu attackieren. Diese Feststellung zu nennen hätte der ZDF-Dokumentation eine größere Ausgewogenheit verliehen. Und den Zuschauern deutlicher gemacht, dass die Frage, ob "man islamische und christliche Fundamentalisten in einer Dokumentation behandeln, ihre Worte und Taten vielleicht sogar miteinander vergleichen" könne, nicht mit einem "Ja" zu beantworten ist.

Von: Andreas Dippel

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