Warum nur? Der Dalai Lama fasziniert die Massen und Medien

Mehr als 20.000 Menschen sind am Donnerstag in den Wiesbadener Kulturpark gepilgert. Zahlreiche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichten seit zwei Tagen begeistert vom "Event" in der hessischen Hauptstadt. Grund für die Aufregung ist der Besuch des Dalai Lama, der in den säkularen Medien für großes Aufsehen sorgte.

"Triumphaler Auftritt des Dalai Lama im Wiesbadener Kurpark", schreibt die Tageszeitung "Die Welt" heute. "Seine Anziehungskraft bleibt ungebrochen", heißt es in einem ZDF-Bericht. "Die Zahl der Besucher ist so hoch wie noch nie zuvor in einem europäischen Land", liest man in der Zeitung "Rheinische Post". Der Buddhistenführer schafft es erneut, die Medien zu begeistern.

Anlass der Medienhysterie: Der 1989 bereits mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dalai Lama wurde mit dem hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) überreichte ihm außerdem ein Buch mit Tausenden von Glückwunschadressen, die Anhänger zum 70. Geburtstag per Internet überbracht hatten.

In einer Ansprache vor der Menschenmasse ermahnte das Oberhaupt der fernöstlichen Religion, "auf innere Werte zu achten" und sich auf die "Zufriedenheit in uns" zu konzentrieren. Seine Worte begeistern Tausende. Die "buddhistische Lehre" liegt im europäischen Trend zur Individualreligion, den auch die Medien mit Begeisterung aufschnappen.

Es gibt auch kritische Stimmen

Dabei gibt es auch kritische Stimmen zur medial wirksam verbreiteten Theologie des Dalai Lama. Der Unternehmer und engagierte Christ Joachim Loh (Haiger) etwa nannte es in einem Schreiben an den hessischen Ministerpräsidenten einen "Skandal, dass Sie (Roland Koch) als Repräsentant der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands den Repräsentanten des heidnischen Buddhismus tibetischer Prägung in dieser Form würdigen."

Der Dalai Lama stelle in seinen "schönen Reden" im Westen Frieden, Verständigung und Versöhnung in den Vordergrund, billige seinen Landsleuten aber keine Religionsfreiheit zu. Zwar sei Loh dafür, wenn sich Koch für die Befreiung Tibets aus chinesischer Herrschaft einsetze, berichtet die Evangelische Nachrichtenagentur idea weiter. Zugleich bat er den Ministerpräsidenten aber "eindringlich, in Zukunft den Buddhismus auf diese Weise nicht mehr öffentlich zu hofieren."

Auch Wolfgang Baake, Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Wetzlar), mahnte zu einer kritischeren Betrachtung der Lehren des Dalai Lama. "Der hessische Ministerpräsident macht sich – bewusst oder unbewusst – zum Vorreiter des Buddhismus in Deutschland. Wenn sich Koch für die Religionsfreiheit des tibetischen Volkes einsetzen und die friedliche Vorgehensweise des Dalai Lama würdigen will, sollte er sich auch für die verfolgten Christen in buddhistischen Ländern einsetzen", so Wolfgang Baake.

"Die dunklen Seiten des Buddhismus" unbeachtet

Dabei geben den Kritikern auch so manche Berichterstatter und Experten recht. Der Schweizer Theologe Bruno Waldvogel-Frei etwa warnt in seinem Buch "Und der Dalai Lama lächelte" davor, mit dem Buddhismus Stichworte wie "Achtsamkeit" oder "Pazifismus" unkritisch zu assoziieren. Denn sie basieren auf einem oberflächlichen Wissen der meisten Deutschen, die sich für die fernöstliche Religion interessieren. Unbeachtet blieben die "dunklen Seiten des tibetischen Buddhismus", so der Theologe. Dazu gehört etwa die Unterdrückung der Frau oder das Ziel einer Eroberung der westlichen Welt mit der Religion.

Auch in den deutschen Medien finden sich kritische Stimmen. Im vergangenen Jahr wies Redakteur Jochen Buchsteiner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf Gewalt und Kriege in der Geschichte des Buddhismus hin, die sich bis in die Neuzeit ziehen.

Über den Dalai Lama hieß es in dem FAZ-Leitartikel: "Seine Botschaften vom Gewaltverzicht und vom einträchtigen Zusammenleben der Völker und Glaubensgemeinschaften – untermauert durch seine umsichtige Politik als Repräsentant Tibets – haben ihn zu einer Ikone des Guten werden lassen." Befeuert werde der "Fan-Kult durch ein Versprechen, das über seine Person hinausweist: dass der Buddhismus friedlicher sei als andere Religionen". Doch bis in die Neuzeit ziehen sich zahlreiche Kriege hin, die die Geschichte des Buddhismus prägen: "Es waren japanische Shintoisten und Buddhisten, die sich während des Zweiten Weltkriegs den asiatischen Kontinent mit beachtlicher Grausamkeit untertan machten."

Lesen Sie zu dem Thema auch den Beitrag "Faszination Fernost – auch in den Medien" von pro-Autorin Elisabeth Hausen. Bestellen Sie kostenlos den Beitrag in Ausgabe 3/2004 im Christlichen Medienmagazin pro. Telefon: (06441) 915 151, E-Mail: pro@kep.de

Von: Oliver Theiß/KEP

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