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„Können es uns nicht leisten, AfD zu ignorieren“

Wie können Medien junge Menschen für Politik begeistern? Darüber haben Redakteurinnen der wichtigsten jungen Formate im Internet auf der Netzkonferenz Re:publica diskutiert. Uneinig waren sich die Journalisten beim Umgang mit der AfD.
Von Anna Lutz
Charlotte Haunhorst arbeitet bei Jetzt.de und will die AfD in der Berichterstattung nicht ausblenden

Foto: pro/Anna Lutz

Charlotte Haunhorst arbeitet bei Jetzt.de und will die AfD in der Berichterstattung nicht ausblenden

„Junge Leute sind nicht dümmer“, sagt Charlotte Haunhorst von Jetzt, dem Jugendformat der Süddeutschen Zeitung. Im Gegenteil seien sie oft sehr gut informiert und interessierten sich für politische Inhalte. Die Frage sei nur, wie die Themen aufbereitet würden. Statt Nachrichten zu bringen oder sie extra für junge Menschen zu erklären, setze Jetzt deshalb darauf, neue Perspektive zu geben. Denn, so die Erfahrung: Wer jung ist, interessiert sich vor allem für echte Menschen, gerne auch mit anderen Sichtweisen.

Haltung zeigen und Politik einordnen

Gut geklickt würden deshalb zum Beispiel Reportagen über Anhänger der AfD oder Marine le Pen. Nach der Trump-Wahl in den USA habe es ein Umdenken in der Redaktion gegeben: „Wir können es uns nicht leisten, die AfD auszuklammern“, sagt Haunhorst. Die Mitarbeiter bemühten sich, politische Inhalte einzuordnen, ignorierten sie aber nicht.

(v.l.) Charlotte Haunhorst, Katharina Hölter und Marieke Reimann arbeiten bei den wichtigsten Jugendformaten der großen Medien im Netz Foto: pro/Anna Lutz
(v.l.) Charlotte Haunhorst, Katharina Hölter und Marieke Reimann arbeiten bei den wichtigsten Jugendformaten der großen Medien im Netz

Katharina Hölter von der Spiegel-Jugendseite Bento hält es vor allem für wichtig, junge Menschen selbst zu Wort kommen lassen – auch, wenn sie die AfD unterstützen. Aufnehmen und einordnen, lautet ihre Devise.

Anders sieht das Marieke Reimann von Ze.tt, dem jungen Format von Zeit Online. Auch sie will neue Zugänge zu Politik gewährleisten, Inhalte bringen, an denen Leser sich reiben und sich auch einmal trauen, ernste Themen witzig anzugehen. Über die Alternative für Deutschland zum Beispiel bringe sie aber nur einordnende Texte, „damit nicht der Eindruck entsteht, das ist eine normale Partei, die ins Demokratiespektrum der Bundesrepublik gehört”. Im Hinblick auf die Bundestagswahl wolle ihre Redaktion aber vor allem dafür werben, die Stimme überhaupt abzugeben. Junge Menschen sollten wissen: „Egal, was du tust, geh zur Wahl, und du hast schon etwas getan.“ (pro)

Von: al

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