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Kleine Frau mit großer Berufung

Herausragende Persönlichkeiten wie Lady Diana, US Präsident Roland Reagan und Papst Johannes Paul II. pflegten mit ihr Freundschaften. Doch auf die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit legte diese kleine, nur 1,61 Meter große Frau keinen Wert, denn ihre ganze Liebe galt den Ausgestoßenen und Kranken in den Slums von Kalkutta. Sie heißt Agnes Gonxha Bojaxhiu, doch kaum jemand kennt sie unter diesem Namen. Mutter Teresa wäre am heutigen Donnerstag hundert Jahre alt geworden.
Von PRO

Foto: Evert Odekerken (Wikipedia)

Mutter Teresa wird am 26. August 1910 in der albanischen Stadt Skopje geboren. Sie wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Gastfreundschaft und Nächstenliebe spielen in ihrer Familie, besonders bei ihrer Mutter Drane, eine wichtige Rolle. Agnes lernt schon von der frühesten Kindheit an, wie sie Nächstenliebe in die Tat umsetzen kann. Der Glaube ist ein weiterer wesentlicher Teil des Alltags in der Familie. Agnes genießt eine streng katholische Erziehung, obwohl sie eine staatliche Schule besucht. So werden die zwei wichtigen Grundsteine gelegt, die ihr weiteres Leben bestimmen sollen: unerschütterlicher Glaube und bedingungslose Nächstenliebe.

Als sie achtzehn Jahre alt ist, steht für sie fest, dass sie ihr Leben Gott weihen will. Sie hat auch schon eine konkrete Berufung: Den Armen in Indien möchte sie die Liebe Jesu schenken. Diese Liebe, die sie von Jesus empfängt, wird ihr ganzes Leben prägen. So verlässt sie im September 1928 Skopje und tritt dem Orden der Loreto-Schwestern in Irland bei.

"Ich will Gott alles geben, was er verlangen sollte"

Im irischen Kloster nimmt sie den Namen Teresa an, nach dem Vorbild der heiligen Thérèse von Lisieseux. Nur zwei Monate später reist sie nach Indien. Dort studiert sie zunächst und arbeitet dann als Lehrerin reicher Töchter an der St. Mary’s School. Doch das ist nicht die Aufgabe, der sie auf dem Subkontinent nachgehen möchte. Nach langen inneren Kämpfen und Zweifeln legt sie 1942 ein privates Gelübde ab, das "mich bei Strafe einer Todsünde verpflichtet, Gott alles zu geben, was Er verlangen sollte". Dieses Gelübde bleibt geheim, denn niemand außer ihrem Beichtvater weiß davon, und sie selbst hat zu ihren Lebzeiten niemals davon gesprochen. Doch war dies der erste entscheidende Schritt zu ihrer Berufung, den Notleidenden und Armen zu helfen.

Vier Jahre vergehen, bis der zweite Schritt folgt: Am 10 September 1946 sitzt die mittlerweile 36 Jahre alte Nonne im Zug, auf dem Weg von Kalkutta nach Darjeeling, als Gott ihr die "Berufung in der Berufung" schenkt. Die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium: "Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht", erschüttern die sonst so pragmatische und nüchterne Ordensfrau. In diesen Worten soll sie die Stimme Jesu gehört haben. Nun weiß sie, dass sie in den notleidenden Menschen ihrem geliebten Jesus begegnen wird. Dieser Tag ist für Mutter Teresa zum "Inspiration Day" geworden und somit zum wichtigsten ihres Lebens. Seitdem brennt sie für die Idee, einen eigenen Orden zu gründen, der nur unter den Ärmsten der Armen arbeitet.

Doch der Weg bis zur Gründung der "Missionaries of Charity" (Missionarinnen der Nächstenliebe) ist noch lang, denn sowohl ihr Beichtvater als auch ihre Oberin reagierten skeptisch und zurückhaltend. Erst zwei Jahre später verlässt sie den Loreto-Orden und zieht in den Slum Tilajla, der als einer der schlimmsten der Stadt gilt. Dort versorgt sie vernachlässigte Kinder, Kranke und Sterbende. Sie kümmert sich besonders um die Leprakranken, denn diese werden aus der indischen Gesellschaft ausgestoßen und lebenslang geächtet.

Nicht unumstritten

Aus Solidarität zur indischen Bevölkerung trägt Mutter Teresa nun den weißen Sari mit blauen Borden. Zudem nimmt sie die indische Staatsbürgerschaft an, denn sie ist, wie sie selber sagt, "eine Inderin für Inder und Indien ist mein Land". Der weiße Sari ist bis heute die Ordenstracht der Missionarinnen der Nächstenliebe. Die Arbeit der kleinen Nonne und ihrer Schwestern zieht nicht nur lokale Aufmerksamkeit auf sich. Im Gegenteil. Mutter Teresa und ihr Orden werden in der ganzen Welt berühmt. 1979 wird sie für ihre außergewöhnliche Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie nimmt ihn im Namen der Armen an und nutzt die Gelegenheit, um sich in ihrer Dankesrede gegen die Abtreibung auszusprechen, in der sie "den größten Zerstörer des Friedens" sieht. Sie bezeichnet Abtreibung als "ein direktes Töten und Morden durch die eigene Mutter". Weiter sagt sie in ihrer Dankesrede: "Ich meine, dass das ungeborene Kind heutzutage das Ärmste unter den Armen ist – das am wenigsten Geliebte, das am wenigsten Gewollte, das Weggeworfene der Gesellschaft." Für diese glühende Rede erntet sie nicht nur Lob, sondern auch viel Kritik.

Die letzten Jahre ihres Lebens verbringt Mutter Teresa damit, Neugründungen ihres Ordens überall auf der Welt zu eröffnen. Sie empfängt weitere Ehrungen für ihr Lebenswerk, unter anderem wird sie 1984 mit dem Damien-Dutton Preis für ihr Engagement in der Leprabekämpfung ausgezeichnet. 1985 überreicht ihr US-Präsident Roland Reagan die amerikanische Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, und 1996 wird sie zur Ehrenbürgerin der Vereinigten Staaten ernannt.

Am 5. September 1997 stirbt Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren in Kalkutta. Die indische Regierung ordnet ein Staatsbegräbnis an, an dem hunderttausende Menschen teilnehmen. Eine hohe Ehre für eine kleine Frau, die sich in einer Welt des kalten Egoismus der bedingungslosen Nächstenliebe und Barmherzigkeit verschrieben hatte. (pro)

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