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Kirchenschließungen sind der falsche Weg

Sie werden mittlerweile genutzt als Gymnastikraum, als Heimstatt für Galas und Empfänge oder sogar als Sparkasse. Warum der Trend zur Kirchenumnutzung in die Irre führt, erläutert Dankwart Guratzsch in einem Artikel in der Zeitung Welt am Sonntag.
Von PRO

Foto: Cashten / Wikipedia (CC-BY-SA-3.0-DE)

Das aktuellste Beispiel des Redakteurs ist die Kirche in Lindenhorst am Rande von Dortmund. Nach der Entwidmung soll darin ein Altenheim entstehen. Der ortsansässige Pfarrer sieht diese Entwicklung einem Prozess der Veränderung geschuldet: „Die Ansässigen ziehen weg. Die neuen haben einen anderen Glauben.“

Träger der Zivlisation und Kultur

Die Kirche, schreibt Guratzsch, „einstmals Träger der Zivilisation, der Kultur und der gesellschaftlichen Entfaltung, zieht sich aus der Fläche zurück“. Sie seien Knotenpunkte abendländischer Kultur. Die Deutsche Bischofskonferenz spricht von 700 Gotteshäusern, die in den kommenden Jahren abgerissen oder anderweitig verwendet werden sollen.

Die schrumpfenden kirchlichen Finanzen und der demographische Wandel sind für den Redakteur kein Argument. Der Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande rechnet wie folgt: „In den letzten 20 Jahren hat sich die Kirchensteuer von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 1991 auf knapp fünf Milliarden Euro 2011 gesteigert.“ Verglichen mit 1960 habe die katholische Kirche in realen Größen ein Kirchensteueraufkommen, das nun viermal so groß sei. In der Ruhrregion wurden zwischen 2003 und 2009 zahlreiche Kirchen entweiht, umgenutzt und abgerissen.

Guratzsch sieht darin eine Fehlentwicklung: „Beide Kirchen haben sich in den Nachkriegsjahrzehnten ja fast im Wortsinne Arme und Beine herausgerissen, nur um ihre Tätigkeit auf eine breitere Basis zu stellen.“ Bedenklich stimme ihn, „wenn Kirche nur noch so aussieht wie Kirche, aber immer öfter etwas anderes drin ist“. Dies müsse sich auf die Erkennbarkeit und Glaubwürdigkeit von Kirche auswirken. Thomas von Mitschke-Collande, Autor des Buches „Schafft sich die katholische Kirche ab?“ wundert sich über diese Entwicklung. Er nehme eine ungebrochene Nachfrage nach Spiritualität, Orientierung und Gemeinschaftserlebnissen wahr – allerdings spielten die Kirchen bei dieser „neuen Weltoffenheit“ im Denken der Menschen kaum eine Rolle.

Nicht zurückziehen

Diesem Verlust an öffentlicher Geltung dürfe die Kirche nicht mit Rückzug, sondern mit einem beispiellosen Bauprogramm entgegentreten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts habe dies gefruchtet, weil kurze Zeit später die Kirchen dort „gut besucht“ waren, „in denen Gottes Wort nach den Bekenntnissen der Väter verkündet wird“, während „freisinnige Pastoren“ vor leeren Bänken gestanden hätten. Auch heutzutage seien Kirchen immer seltener Orte, an denen „Gottes Wort nach den Bekenntnissen der Väter“ verkündet werde. Der Weg eine „zeitgemäße Kirche“ zu schaffen, die ihr eine hohe weltliche Bedeutung zurückgibt sei falsch. Viel richtiger und wichtiger sei es, die Forderung des Ruhrbischof Franz Josef Overbeck umzusetzen, sich wieder „den Aufgaben der Seelsorge und Verkündigung zu widmen“. (pro)

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