Das christliche Medienmagazin

“Kirchenredakteur ist einflussreicher als Bischof”

Journalisten, die über kirchliche Themen berichten, haben mehr Einfluss auf das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit als deren geistliche Repräsentanten. Beim Symposium der "Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands" (GKP) diskutierten darüber unter anderem Alexander Kissler und Alexander Görlach.
Von PRO

Foto: Mark Essner, by-nc-nd

Da weite Teile der Gesellschaft oftmals nicht mehr aus "erster Hand", also durch Amtsträger, mit ihrer Glaubensgemeinschaft in Berührung kommen, sondern durch die "zweite Hand" der Medien, kommt Kirchenjournalisten eine besondere Verantwortung zu. Das schreibt der Politologe Andreas Püttmann auf dem Portal "kath.net" über das Symposium der GKP in Bonn. "Insofern kommt dem Kirchenbild und Selbstverständnis katholischer Journalisten in säkularen wie kircheneigenen Medien eine Schlüsselrolle für christlichen Glauben und kirchliches Leben zu."

Kirchliche Institutionen sollten die Medienarbeit als einen "Augapfel" von größter Wichtigkeit begreifen, denn: "Wer bei einem großen Sender oder Printmedium die Kirchenberichterstattung leitet, dürfte mehr Einfluss in der Kirche ausüben als mancher Bischof", stellt Püttmann fest.

Kissler kritisiert "unfreiwillige Komik" in Berichterstattung

Zu dem Symposium waren neben Vertretern der Kirche auch erfahrene Journalisten aus säkularen Medien eingeladen, um über ihre Erfahrungen in der Berichterstattung zu sprechen. Der Autor und Kulturjournalist Alexander Kissler, der unter anderem für das Wochenmagazin "Focus" schreibt, bemängelte, dass es beim letzten Papstbesuch aufgrund der kenntnisarmen Kommentierung zu unfreiwillig komischen Momenten in der TV-Berichterstattung gekommen sei. Beispielsweise hätte der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, den aktiven Katholiken und Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse zu einem protestantischen Pfarrer erklärt und bei dessen Händedruck mit Papst Benedikt XVI. von einer "ökumenischen Begegnung" gesprochen.

Joachim Frank, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" und ehemaliger Priester des Bistums Münster, berichtete von einem "antikirchlichen Affekt in säkularen Redaktionen", in denen er als "Kirchenfuzzi, der den Papst verteidigt" gelte, obwohl er ein "kritischer Katholik" sei. Erschreckend seien auch die zahlreichen "hasserfüllten" Beiträge in Internetforen, die durch die Anonymität der Nutzer offenbar einer "Unterschreitung der Umgangsformen" Vorschub leisteten.

Der Herausgeber und Chefredakteur des Onlinemagazin "The European", Alexander Görlach, sprach auf dem Symposium über das Internet, dass er als "außerhalb von Raum und Zeit" verortete, "wie Gott". Das Internet sei Ausdruck und Verstärker einer Zentralität des Individuums in der westlichen Kultur. In Berlin erlebe er, dass die Frage nach Gott nicht mehr gestellt werde. Zugleich lasse auch die "Sprechfähigkeit der kirchlichen Akteure rapide nach", wie der missratene Auftritt des Essener Bischofs Overbeck zum Thema Homosexualität in der Sendung "Anne Will" gezeigt habe. Wer sich so einlasse, sei in der Öffentlichkeit "nicht mehr satisfaktionsfähig".

Die "Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands" (GKP) ist ein konfessioneller Berufsverband und hat rund 550 Mitglieder aus kirchlichen und weltlichen Medien. Als Laienorganisation in der Kirche vertritt sie die Interessen ihrer Mitglieder in der kirchlichen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit und nimmt Stellung zu medienpolitischen Fragen. (pro)

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