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Kirchenkritischer Brief Galileo Galileis in London entdeckt

Ein Brief des Astronomen Galileo Galilei ist nach 400 Jahren in London aufgetaucht. Daraus geht hervor, dass Galilei seine Kritik an der Kirche eigentlich etwas abschwächen wollte, um eine Eskalation zu vermeiden. Doch den Vatikan erreichte damals eine verfälschte Version.
Von Jörn Schumacher
Im Archiv der Royal Society in London fand man überraschend einen Brief des Astronomen Galileo Galilei an den Vatikan, in dem er schreibt, die Bibel und moderne Astronomie würden sich nicht widersprechen

Foto: Ottavio Leoni (public domain) / The Royal Society

Im Archiv der Royal Society in London fand man überraschend einen Brief des Astronomen Galileo Galilei an den Vatikan, in dem er schreibt, die Bibel und moderne Astronomie würden sich nicht widersprechen

Am 21. Dezember 1613 schrieb der Forscher Galileo Galilei einen folgenschweren Brief an die Katholische Kirche in Rom. Er stellte hier zum ersten Mal die These auf, dass die wissenschaftliche Forschung unabhängig von theologischen Doktrinen betrieben werden sollte. Er argumentierte, dass die astronomischen Stellen in der Bibel nicht wörtlich genommen werden sollten, weil es sich hier um eine Vereinfachung handele, damit sie die damals lebenden Menschen verstehen konnten. Religiöse Autoritäten, die dies anders sähen, hätten nicht die Kompetenz, darüber zu entscheiden, schrieb der Forscher. Vor allem aber erklärt Galilei, dass das heliozentrische Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt einer Kreisbahn der Erde, wie sie der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus 70 Jahre zuvor vorgeschlagen hatte, nicht mit der Bibel im Widerspruch stehe.

Von wichtigen Briefen Galileis wurden damals gewöhnlich rasch Kopien angefertigt. Von dem besagten Brief über das kopernikanische Weltbild waren bisher zwei bekannt: Der eine kam im Februar 1615 im Vatikan an, wo er noch heute liegt. Schon damals vermutete Galilei, dass dieser Brief inhaltlich verschärft worden war. Bis heute fragen sich Experten, ob es zuvor einen abgeschwächten Brief Galileis gab.

Zu Haftstrafe verurteilt durch den Vatikan

Überraschenderweise hat ein italienischer Wissenschaftshistoriker im August den Original-Brief Galileis zufällig in London, im Fundus der Royal Society, gefunden. Wie das Magazin Nature berichtet, war das Schriftstück seit 250 Jahren unentdeckt geblieben, weil ein Archivar es falsch datiert hatte. Unterzeichnet ist der Brief mit „G.G.”. Eine detaillierte Analyse des Schreibens wird Ende Oktober von der Royal Society veröffentlicht.

Der Originalbrief macht laut Nature deutlich: Galilei schrieb ursprünglich tatsächlich jene scharfe Version, die dem Vatikan noch heute vorliegt, doch er änderte handschriftlich einige Stellen und entschärfte sie. Er drückte sich bei mancher Formulierung diplomatischer aus. So entscheidet sich Galilei an einer Stelle, bei der es um die wörtliche Auslegung der Bibel geht, gegen das Wort „falsch“ und ersetzt es mit „sieht anders aus als die Wahrheit“.

Galilei schickte den Originalbrief zunächst einem Freund, dem Mathematiker Benedetto Castelli. Davon wurden mehrere Kopien angefertigt. Anfang 1615 erhielt der Vatikan die im Ton schärfere Version.

Galileo Galilei wurde 1633 wegen Häresie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, und sein Buch über das Sonnensystem mit der Sonne im Mittelpunkt wurde verboten. Später wurde die Gefängnisstrafe in einen Hausarrest umgewandelt, so dass der Astronom die letzten neun Jahre seines Lebens in seinem Haus verbrachte.

Von: Jörn Schumacher

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