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Kirchenaustritt digital leicht gemacht

Jedes Jahr treten Hunderttausende aus den Volkskirchen aus. Weil trotzdem viele nicht zu wissen scheinen, wie das geht, will ein Internet-StartUp dabei helfen und daran verdienen.
Von PRO
Den Volkskirchen laufen die Mitglieder weg. Jungunternehmer wollen mit einem Geschäftsmodell davon profitieren.
Den Volkskirchen laufen die Mitglieder weg. Jungunternehmer wollen mit einem Geschäftsmodell davon profitieren.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mehr als 390.000 Menschen aus der Evangelischen und Katholischen Kirche ausgetreten. Wer seine Kirche verlassen möchte, dem bleibt der Gang zur Behörde nicht erspart. Je nach Bundesland muss man in Deutschland dazu ein Standesamt oder das Amtgericht aufsuchen. Offenbar wissen aber viele Mitglieder gar nicht, wie sie formal ihre Kirche verlassen können. Diesen Umstand haben sich zwei Berliner Jungunternehmer zunutze gemacht und daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Auf ihrer Internetseite „Dein Kirchenaustritt“ geben Niels Reinhard und Dominik Mauritz Hilfestellung beim Verlassen der Kirche.
„Die Kirchen versuchen, den Austrittsprozess so schwer wie möglich zu machen“, behauptete Niels Reinhard am Mittwoch in einem Interview des Onlinemagazins Gründerszene. Da möchten die beiden Unternehmer Abhilfe schaffen und erklären auf der Internetseite: „Wir wollen Menschen, die aus der Kirche austreten wollen, die Möglichkeit geben, diesen Austritt einfach und bequem durchzuführen.“ Die Betreiber versprechen, Austrittswilligen „zugeschnittene Informationen zum Austritt“ zukommen zu lassen. Was sich dahinter verbirgt, wird nicht erklärt. Den Gang zur Behörde können die Gründer jedenfalls nicht abnehmen. Für den Austritt ist keine Begründung notwendig, allerdings muss man persönlich bei der Behörde erscheinen und sich ausweisen.

Austritt gegen Spende

In Deutschland haben die Kirchenaustritte zur Folge, dass die beiden Volkskirchen jährlich rund 100 Millionen Euro an Kirchensteuereinnahmen verlieren. Die fehlen dann unter anderem bei vielen sozialen Einrichtungen, die von den Kirchen betrieben werden. Das sehen auch die beiden Gründer als Problem. Wer die Hilfe von „Dein Kirchenaustritt“ beanspruchen und Informationsmaterial haben möchte, muss sich deshalb zuvor bereiterklären, einen Teil der gesparten Kirchensteuer an eine Hilfsorganisation zu spenden. Auf der Webseite erklären die Gründer das so: „Gemeinsam sind wir der Überzeugung, dass die soziale Infrastruktur in Deutschland gestärkt werden muss. Sie ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Mit ‚Dein-Kirchenaustritt‘ wollen wir dazu beitragen, dass die steigende Zahl der Kirchenaustritte nicht zu einer Schwächung der sozialen Infrastruktur in Deutschland führt.“
Ob die Spendenbereitschaft nach dem Austritt auch kontrolliert wird, darüber gibt die Seite bislang keine Auskunft. Laut Interview verlangen die Jungunternehmer für ihre Dienstleisung auf dem Weg in die Kirchenlosigkeit keine Provision. Geld wollen sie damit verdienen, dass die potenziellen Spendenempfänger, also Hilfsorganisationen, gegen ein Entgelt exklusive Werbeplätze auf der Webseite sichern können. Reinhard gibt im Interview an, nichts gegen Religion zu haben, er sei aus Zeitmangel noch nicht aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Geschäftspartner Mauritz ist nach Angaben auf der Firmenwebseite konfessionslos. Ob er aus einer Kirche ausgetreten ist oder nie einer solchen angehört hat, verrät die Internetseite nicht.
In Norwegen kann man bereits seit einem Monat online aus der Kirche austreten – per Mausklick auf der Webseite der Kirche selber. Laut Medienberichten haben in dem Land bereits am ersten Tag, als dies technisch möglich war, rund 20.000 Personen ihrer Kirche Lebwohl gesagt und sind online ausgetreten. (pro)„Wir brauchen diese Kirche mehr denn je“ (pro)

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