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Kirche will Gottesdienste aufpeppen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) entwickelt ihre Gottesdienste weiter – wenn auch behutsam. Sie überarbeitet die Lesungs- und Predigttexte und denkt über andere Uhrzeiten und neue Formen nach. Dabei will sie auch von Freikirchen lernen.
Von PRO
Der Theologe Frank Peters ist Leiter der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland
Der Theologe Frank Peters ist Leiter der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland
Mit einer Revision der Ordnung für Lese- und Predigttexte beabsichtigt die EKD, dass aktuelle Themen leichter in den Gottesdiensten einbezogen werden können. Ein wünschenswerter Nebeneffekt wäre, dass sich durch abwechslungsreichere Gottesdienste die Kirchenbänke wieder stärker füllen. Denn, von 1990 bis 2013 sind rund 4,5 Millionen Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Somit ist der Anteil der EKD-Mitglieder an der Gesamtbevölkerung von rund 40 Prozent in 1990 auf etwa 30 Prozent in 2013 gesunken. Die EKD erprobt die neue Ordung für Lese- und Predigttexte derzeit in rund 5.000 Gemeinden. Die EKD, die Union Evangelischer Kirchen (UEK) und Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) waren bereits 2011 übereingekommen, gemeinsam eine Revision der geltenden Ordnung vorzunehmen. Das Ergebnis liegt seit 2014 als „Entwurf zur Erprobung der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte“ vor und wird derzeit in teilnehmenden Kirchengemeinden ausprobiert.

Moderate Revision

Wer länger nicht in der Kirche war, muss dennoch keine Angst haben, dass er die Liturgie nicht mehr wiedererkennt. Die bestehende Ordnung werde im Wesentlichen beibehalten, erklärt der Theologe Frank Peters, Leiter der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland, auf Anfrage von pro. Die neue Regelung sieht unter anderem vor, dass mehr Texte aus dem Alten Testament im Gottesdienst gelesen werden. Der Anteil der alttestamentlichen Texte soll von derzeit einem Fünftel auf ein Drittel erhöht werden, dadurch kann notwendigerweise den Texten aus den Apostelbriefen des Neuen Testaments, den sogenannten Episteln, nur noch weniger Raum beigemessen werden. Auch neu ist, dass mit der Revision die Psalmen ausdrücklich als Predigttexte vorgeschlagen werden.

Durchmischung der Texte soll Abwechslung bringen

Wie bisher wird in den Gottesdiensten weiter über Evangeliums-, Epistel- und Alttestaments-Texte gepredigt. Neu ist, dass die Reihenfolge das Jahr über abwechslungsreicher sein wird. Die Abfolge der zugrundeliegenden Bibeltexte wird nun nach der neuen Regelung nicht mehr einer starren Abfolge gehorchen, die Texte sind dann in Zukunft stärker durchmischt. „Als Protestanten tun wir gut daran, die Bibel nicht nur als Studienbuch für zu Hause oder im Bibelkreis zu verstehen“, erklärt Peters. Sie müsse auch in der Feier des Gottesdienstes gehört und ausgelegt werden. „Alles muss getragen werden von einer lebendigen Liturgie.“

Neue Formen könnten unterschiedliche Milieus ansprechen

„Kirche und Religion haben es heute schwer, ihre Themen relevant zu behaupten“, erklärt Peters. Von den Freikirchen und der katholischen Kirche könnte die EKD lernen. Etwa indem Elemente, die über das reine Bibel-Hören und Bibel-Auslegen hinausgingen, integriert würden. Beispielsweise zeitgenössische Formen von Musik und Ritualen könnten zu einer lebendigeren Gottesdienstfeier beitragen. Peters kann sich einen Lobpreisteil, wie er in vielen Freikirchen üblich ist, auch im landeskirchlichen Gottesdienst vorstellen. „Es gib in den Landeskirchen Gemeinden, die das bereits tun. Man muss eben sehen, ob es zur Gemeinde passt“, sagt Peters, und weiter: „Ich würde mir wünschen, dass man in städtischen Regionen verstärkt verschiedene musikalische Formate anbietet, damit die unterschiedlichen Milieus so auch angesprochen werden.“ Den Gottesdienst sieht er auch nicht auf Sonntagmorgen 10 Uhr zementiert. „Schon deswegen nicht, weil die ersten Christen abends Gottesdienst gefeiert haben an einem Tag, der für sie ein Werktag war“, sagt der Theologe. Denkbar sind seiner Meinung nach durchaus vermehrt auch Gottesdienste an Wochentagen oder abends. „An vielen Orten ist die Kirche zudem bereits darum bemüht, den Gottesdienst auch für Familien attraktiver zu machen, etwa durch Familiengottesdienste oder durch Mutter-Kind-Räume.“ (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/zank-ums-alte-testament-91900/
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