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Kirche stellt sich gegen Antisemitismus

Evangelische Kirchen machen sich mit einer eigenen Broschüre gegen Anitsemitismus stark. Sie soll über Erscheinungsformen, Hintergründe und Ursachen aufklären. Ein Abschnitt widmet sich auch biblisch begründeten Vorurteilen gegenüber Juden.
Von PRO
Heinrich Bedford-Strohm ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und gehört als solcher zu den Herausgebern der Broschüre gegen Antisemitismus

Foto: pro/Nico Franz

Heinrich Bedford-Strohm ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und gehört als solcher zu den Herausgebern der Broschüre gegen Antisemitismus

Unter dem Titel „„Antisemitismus:– Vorurteile, Ausgrenzungen, Projektionen und was wir dagegen tun können”“ haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) am Mittwoch eine Informationsbroschüre zum Thema Antisemitismus herausgegeben. Dazu teite die EKD mit, Judenfeindschaft habe Lehre und Praxis der Kirchen durch alle Jahrhunderte hindurch begleitet. Weiter erklärt die EKD: „Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus. „Antisemitismus ist Gotteslästerung.”

Noch heute seien antijüdische Klischees nicht nur in der Gesellschaft insgesamt, sondern auch in der Kirche präsent. Die EKD nennt als Beispiel, wenn scheinheiliges Verhalten als „pharisäerhaft“ bezeichnet oder der biblische Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ irreführend als alttestamentliches „Rachegebot“ bezeichnet werde.

In der Broschüre selbst gehen die Herausgeber unter anderem auf biblisch begründeten Antisemitismus ein. Sie wenden sich etwa gegen einen negativen Gebrauch des Wortes Pharisäer. Allgemein werde der Begriff pharisäerhaft als Synonym für scheinheilig benutzt. Tatsächlich seien die Pharisäer in der Bibel dafür bekannt, besonders strebsam ihren Glauben zu leben. Die Broschüre geht ebenfalls auf den Vorwurf gegenüber Juden ein, sie hätten Jesus getötet. Jahrhundertelang sei Juden die Schuld am Tod Jesu gegeben worden. In der Broschüre heißt es dazu: „Die Evangelien berichten zwar von der Beteiligung der Hohepriester und einer jüdischen Volksmenge an der Tötung Jesu. Aus historischer Sicht besteht aber kein Zweifel, dass der Präfekt Roms – Pilatus – die Kreuzigung Jesu angeordnet und seine Soldaten sie ausgeführt haben.”

Blick auf Israel

Die Autoren stellen weiter fest: „Besonders im Blick auf den Staat Israel und den Nahostkonflikt tauchen die altbekannten antisemitischen Stereotype und Vorurteile wieder auf.“ Besonders oft würden in Aufrufen zur Solidarität mit den Palästinensern Kinder als Opfer abgebildet. Dabei würden Herkunft, Echtheit und Intention der benutzten Bilder selten hinterfragt. Sie kursierten in den sozialen Netzwerken in großer Zahl.

In der Broschüre wird außerdem kritisiert: „Plakate mit der Aufschrift ,Israel Kindermörder‘, die auf anti-israelischen Kundgebungen häufig zu sehen sind, und ähnliche Parolen in Zeitungen und Pamphleten knüpfen – unbewusst oder gezielt – an Legenden früherer Jahrhunderte an. Bereits im Mittelalter wurden den Juden rituelle Kindsmorde und Kannibalismus unterstellt.“

Zwar sei Kritik am Staat Israel erlaubt. Aber: „Antisemitisch ist die Kritik an der Regierungspolitik Israels dann, wenn sie mit unterschiedlichen Maßstäben misst. Antisemitisch ist sie auch, wenn sie dem Staat Israel das Existenzrecht abspricht oder den Staat dämonisiert.“

Von: Anna Lutz

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