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Kirche ohne Profil

Deutschland ist längst kein christlich dominiertes Land mehr. Das stellt der Geschichtsprofessor Thomas Großbölting in der Zeitung Die Welt fest. Als Grund für den zunehmenden Abstand der Gesellschaft zum Christentum nennt er: Die Kirche hat ihr Profil verloren.

Von PRO

Foto: Ervin Monn/Fotolia

Spätestens 2025 wird weniger als die Hälfte der Deutschen der katholischen oder der evangelischen Kirche angehören, prognostiziert Großbölting, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Münster. Der Trend sei selbst dann nicht zu stoppen, wenn ab heute niemand mehr aus den Kirchen austrete. Gründe hierfür seien demografische Faktoren und die sinkende Bereitschaft zur Taufe.

Erstaunlich schnell habe sich Deutschland entkirchlicht. Noch in den 50er Jahren waren über 95 Prozent der Bevölkerung Mitglied einer der beiden christlichen Großkirchen. Heute sind es je knapp 30 Prozent. Die große Anzahl muslimischer Mitbürger fordere die Christen heraus, weil die islamische Gemeinschaft oft religiös aktiver sei. Zudem sei die Zahl der Konfessionslosen seit der Wiedervereinigung in die Höhe geschnellt. Heute umfasst sie 35 Prozent der deutschen Bevölkerung. „Wären die ‚Konfessionsfreien’ eine Kirche, dann wäre es die größte in Deutschland”, schreibt Großbölting.

Bindung an Gott ist unkenntlich geworden


Doch das größte Problem des Christentums in Deutschland sieht der Akademiker in der engen Bindung der Kirche an die Politik. Eine faire Religionspolitik sei mit Blick auf die Muslime nicht möglich: „Das Gros der Muslime in Deutschland bewegt sich auf dem Boden des Grundgesetzes und verdient damit genau so viel staatliche Anerkennung und Unterstützung, wie es die christlichen Kirchen erfahren.” Zudem zehre die politische Verflechtung die Kirche aus. „Generell sind Religionsgemeinschaften dann besonders erfolgreich, wenn sie an die drängenden Diskussionen und Problemlagen der Gesellschaft anschließen können, ohne dabei ihr eigenes Profil – die Bindung an Gott – unkenntlich werden zu lassen. Anscheinend klemmt es gerade hier: Wenn aktuell mit Blick auf die Familienpolitik oder in Debatten über die nationale Identität das Christentum beschworen wird, dann haben diese Bezüge mit der biblischen Botschaft Christi meist nur noch den Namen gemein”, erklärt Großbölting. Ein gefühliges Kulturchristentum sei für religiös Suchende kaum attraktiv: „Die allgemeine Etabliertheit und Finanzkraft verdecken die spirituelle Ausstrahlung.” Als Beispiel dafür nennt der Professor Caritas und Diakonie: „Was im 19. Jahrhundert als Modell christlicher Nächstenliebe weit in die Gesellschaft hineinwirkte, ist heute zu einem System von Sozialkonzernen geworden. Von der profanen Konkurrenz unterscheidet man sich nur noch dadurch, dass man die Mitarbeiter rigide reglementiert. Christlich ist das nicht.” (pro)

http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article114834979/Wer-ist-noch-Christ.html
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