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Kirche, Macht und Geld

Wie reich dürfen und sollen Kirchen sein? Diese Frage hat der Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Matthias Drobinski, in seinem Buch „Kirche, Macht und Geld“ untersucht – und nimmt den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Schutz. Eine Rezension von Johannes Weil
Von PRO
Die Kirchen in der modernen Welt: wie reich und mächtig sie wirklich sind, hat der Journalist Matthias Drobinski in seinem neuesten Buch beschrieben

Foto: Gina Sanders / fotolia

Die Kirchen in der modernen Welt: wie reich und mächtig sie wirklich sind, hat der Journalist Matthias Drobinski in seinem neuesten Buch beschrieben

Drobinski betont, dass Religionen und Religionsgemeinschaften einer Gesellschaft guttun. Der 49-jährige Katholik beleuchtet das Thema Geld und Macht zunächst historisch. Jesus habe weder auf das Eine noch auf das Andere Wert gelegt, ihm sei es um das nahende Gottesreich gegangen. Auch die ersten Jünger hätten nicht nach institutionellen Strukturen verlangt, trotzdem hätten die Strukturen schon bald alle Gesellschaftsschichten erreicht.

Ausgleichszahlungen abschaffen?

Das Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Macht habe bis heute Höhen und Tiefen erlebt. In der Weimarer Republik sei es den Kirchen gut gegangen. Deren Versagen im Nationalsozialismus beeinflusse das Verhältnis von Staat und Kirche bis heute. Sie seien zwar gesetzlich getrennt, erwiesen sich aber in der Praxis als Partner. Dies zeige die Kirchensteuer, Staatsleistungen und der Religionsunterricht. Drobinski fragt deswegen, wie nah sich Staat und Kirche sein dürfen: „Die alte Debatte, wie viel Welt die Kirche und wie viel Kirche die Welt braucht, sie ist nicht erledigt. Sie hat vielmehr gerade neu angefangen.“
Der Autor nennt konkrete Zahlen: 2012 hatten die 27 katholischen Bistümer 5,2 Milliarden Euro Kirchensteuern zur Verfügung, die 20 evangelischen Landeskirchen besaßen immerhin 4,8 Milliarden Euro. Hinzu kämen Ausgleichszahlungen des Staates für konfiszierte Kirchengüter und Ländereien. Ob diese noch zeitgemäß sind, stellt Drobinski in Frage.

Kritik an christlichen Sozialträgern

Den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nimmt er bezüglich seines neuen Bischofssitzes in Schutz. Dieser sei schon beschlossen gewesen, bevor Tebartz-van Elst nach Limburg gekommen sei. Was Drobinski Sorgen bereitet, sind die Reihe „irdischer, manchmal geradezu heidnischer Sorgen“, die Kirche mit sich herumtrage. Er glaube, dass sie sich häufiger ärmer rechne, als sie in Wahrheit sei. Oft mangele es an Transparenz. Die Humanistische Union habe das gesamte Geldanlagevermögen beider Kirchen einmal auf 150 Milliarden Euro und das Grundvermögen auf 200 Milliarden Euro beziffert. Drobinski wünscht sich von den Kirchen, dieses Gut zu nutzen, um Gutes daraus entstehen zu lassen.
Drobinski geht auch auf die öffentlich diskutierten Fälle ein, in denen Menschen ihren Arbeitsplatz bei einem kirchlichen Arbeitgeber verloren hatten, etwa weil sie sich scheiden ließen. Es störe Menschen, dass die Öffentlichkeit bezahle und die Kirchen die Regeln festsetzten. Die großen Gewerkschaften haben schon häufig kritisiert, dass große christliche Sozialträger ihren Freiraum ausnutzten, um Menschen nach eigenen Regeln zu beschäftigen. „Gerade Caritas und Diakonie – in vielem Kritiker des Sozialsystems – tragen das, was sie kritisieren, als Unternehmer mit“, schreibt der Journalist.

Machtfaktor Kirche

Noch immer habe die Kirche eine starke Lobby in der Politik. Dafür sorge ihre Rechtsstellung und die Anzahl der Menschen, die sie repräsentiere. Trotz der fortschreitenden Säkularisierung bleibe sie aber auch in Zukunft ein wichtiger Faktor: „Dass sich das Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland so schnell und gründlich etabliert hat, zeigt: Die Zeiten sind vorbei, als Predigte oder Anrufe von Kardinälen die Gesetze beeinflussten“, schränkt Drobinski ein. In Zukunft müsse Kirche häufiger überlegen, was es bedeute, Macht zu haben und sie zu nutzen.
Obwohl der Religionsunterricht in fast allen Bundesländern gesetzlich fest verankert sei, besitze er keine Ewigkeitsgarantie: „Ohne Religionsunterricht würde viel Gutes verschwinden, was auch durch einen starke Ethik-Unterricht nicht ersetzt werden könnte.“ Ein kleines Kapitel widmet Drobinski auch dem Verhältnis der Kirchen zu anderen Religionen. Im Bezug auf den Islam fragt er, was schwerer wiegt: „Das Recht, seine Religion mitsamt ihren Regeln auszuüben, oder die Rechte der Anderen, sich nicht bedrängt fühlen zu müssen von dieser Religionsausübung.“

Religion ist nicht nur Privatsache

Für die Zukunft empfiehlt der Autor den Kirchen, „fröhlich zu verarmen“ und offen zu sein für Einschränkungen: „Kirche muss Echtes und Wahrhaftiges bieten.“ Sie müsse sich aufs Kerngeschäft besinnen, Gottesdienst feiern, die Sakramente verwalten sich nicht zu viel politisch einmischen. Wichtig seien dabei die hunderttausende Christen, die sich ehrenamtlich engagierten und so die Welt im Kleinen veränderten. „Religion ist nicht nur Privatsache. Religion in Deutschland brauche die Herausforderung des säkularen Staates, dessen Gegenargumenten sie sich stellen müssen. Ansonsten landen sie ihm Ghetto der eigenen Rechtgläubigkeit.“ Der Staat sollte seinerseits ein Interesse an diesem unbequemen Partner haben.
Große Hoffnungen setzt Drobinski auf den neuen Papst, der schon „für viel Unerhörtes im Vatikan gesorgt habe: „Er lebt einfach, weil er eine Kirche der Armen und für die Armen will.“ Der Wert des Religiösen liege vor allem in der Kraft des Transzendenten. Mit der rückläufigen Zahl der Kirchenmitglieder schwinde zwar deren institutionelle Macht. Während der Glaube sich wandelt und individualisiert, werde die Kraft des Transzendenten bleiben.
Drobinski ist ein gut lesbares Buch gelungen, das eine kritische Bestandsaufnahme bringt und den Finger in die Wunde legt. Ob er dabei so viel Neues schreibt, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem stellt er die Kirche vor Herausforderungen, der sich diese stellen muss. (pro)Matthias Drobinski: „Kirche, Macht und Geld“, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978 3 579 06595 3, 255 Seiten, 19,99 Euro

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