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Kindesentführer rechtfertigt Taten mit der Bibel

Die Presse blickt derzeit gespannt nach Lüneburg. Dort steht seit Dienstag Axel H. vor Gericht. Im vergangenen Jahr soll er seine vier Kinder nach Ägypten verschleppt haben. Er gilt als religiöser Fundamentalist. Seine Taten rechtfertigt er mit der Bibel.

Von PRO

Foto: Lagom (Fotolia)

"Ich stehe zu dem, was ich getan habe", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) den mutmaßlichen Täter Axel H. Seine Anklage lautet auf Einbruch, Diebstahl und Entziehung Minderjähriger. Dahinter steckt eine bedrückende Geschichte: Im April soll der Krankenpfleger in das Haus seiner von ihm getrennt lebenden Familie eingedrungen sein. Er entwendete unbemerkt Pässe und Sparbücher der vier kleinen Kinder Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa. Am nächsten Besuchstag habe er so getan, als wolle er mit seinen Kindern eine Radtour unternehmen. Tatsächlich fuhr er mit ihnen zum Flughafen Hannover und bestieg ein Flugzeug nach Ägypten. 136 Tage lang reiste er mit seinen Kindern durch das Land am Nil, auch in den Sudan verschleppte er sie. Am 7. September entdeckten ihn Fahnder in einem Internet-Café in Kairo. Nun wird sein Fall vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg verhandelt. Axel H. drohen fünf bis zehn Jahre Haft.

Seine Tat begründet er Medienberichten zufolge damit, dass er nur das Beste für seine Kinder gewollt habe. "Meine Frau hat Ehebruch begangen, durch ihren Lebensgefährten lebt sie den Kindern Unzucht vor", zitiert der "Spiegel" Axel H. Im Frühjahr 2009 hatte sich das Paar getrennt. Die Frau hat einen neuen Lebensgefährten, der sie regelmäßig am Wochenende besucht. Schon im Vorfeld des Prozesses war Axel H. in den Medien immer wieder als christlicher Fundamentalist bezeichnet worden. Vor Gericht soll Katja H. nun seine Radikalisierung beschrieben haben.

Von der lutherischen Kirche distanziert

2002 hätten die beiden geheiratet. Die Kinder seien kurz hintereinander geboren worden. Seit 2004 habe sich Axel H. immer mehr zurückgezogen, habe im Internet gesurft, die Bibel interpretiert und sie zum Maßstab seines Handelns erklärt. Von der lutherischen Kirche habe er sich mehr und mehr distanziert. Sein ehemaliger Pastor erklärte gegenüber dem "Spiegel", die Familie bei der Taufe des ersten Kindes kennengelernt zu haben. Schon da sei ihm aufgefallen, dass der Mann theologische Fragen sehr ernst nehme. Gegen die Taufe des zweiten Kindes habe sich Axel H. erst gewehrt, und in der Folge immer mehr Kritik an der lutherischen Kirche geübt. 2005 sei er aus der Kirche ausgetreten.

Die SZ berichtet weiter, die Kinder hätten irgendwann nicht mehr in den evangelischen Kindergarten gehen sollen, später auch nicht mehr in den Fußballverein. Ihr Mann habe verboten, dass sonntagmittags gekocht werde, das sei gegen die Vorschriften der Bibel. Die Haare der Frau und der Mädchen hätten nicht kurz sein dürfen. Auch das Autofahren sei tabu gewesen, sogar für ihn selbst. Irgendwann habe Axel H. den Wunsch bekommen, Missionar zu werden. Nach langem Hin und Her trennte sich das Paar. "Er hat ihnen gesagt, dass ich eine Ehebrecherin bin und dass jemand wie ich in anderen Ländern gehängt oder gesteinigt werde", soll Katja H. vor Gericht über den Umgang ihres Mannes mit den Kindern während der Besuchszeiten gesagt haben. Am 8. April war ihr das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden – kurz vor der Entführung.

"Gott wird sie in die Hölle schicken"

Laut der Nachrichtenagentur dapd äußerte der Angeklagte, seine Frau habe ihn in den Medien bewusst als religiösen Fundamentalisten dargestellt. Sie sei eine Ehebrecherin. "Wenn sie ihr Verhalten nicht ändert, wird sie von Gott in die Hölle geschickt." In der SZ heißt es, auch Katja H. sei tief im Glauben verwurzelt. Sie müsse "das mit der Nächstenliebe ziemlich ernst nehmen". Wie sonst könne sie einen solchen Prozess durchstehen, ohne zu schreien oder zu klagen? (pro)

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