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Killerspiel-Studien: eindeutig uneindeutig

Killerspiele steigern die Aggressivität. Das zeigt eine neue Studie. Kritiker der Zockerei dürften ob dieses Ergebnisses dennoch nicht applaudieren. Es zeigt nämlich auch: Die Gewaltbereitschaft steigt nur leicht. Ein Unterschied ist kaum messbar.

Von PRO

Foto: Dave Byrne/ flickr

Ein Jahr ist vergangen, seit sich Tim K. in Winnenden aufmachte, um das Leben seiner Mitschüler und Lehrer auszulöschen. Auf die Frage nach dem Warum finden Killerspielkritiker schnell die passende Antwort: Das Spiel "Counterstrike" war schuld. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass das stimmen kann – aber nur, wenn von allen anderen Einflussfaktoren abgesehen wird. Selbst dann steigt die Neigung zur Gewalt nur gering. Das berichtet das Magazin "Spektrum der Wissenschaft" unter Berufung auf eine Studie des Psychologen Craig Anderson.

Dafür hat der Amerikaner Untersuchungen zum Thema seit 2004 analysiert. Sein Ergebnis ist laut "Spektrum" denkbar uneindeutig: "Wenn man alle anderen Einflüsse, die die Neigung zur Gewalt beeinflussen, herausrechnet, dann ist nach dem Zusammenlegen von Daten sehr unterschiedlicher Experimente messbar, dass unter sehr verschiedenen experimentellen Bedingungen analysierte Probanden bei sehr verschiedenen Aggressionstests mit einer leicht, aber messbar erhöhten Aggressivität vorgehen."

Mehr Spiele, mehr Gewalt?

Anderson schreibe etwa, dass die Verfügbarkeit von Schusswaffen die Gewaltäußerungen in einer Gesellschaft viel wesentlicher beeinflusst als die Verfügbarkeit von Videospielen. Er weise zudem darauf hin, dass kein sozial gut integrierter Jugendlicher zum Amokläufer wird, weil er 20 Minuten lang ein gewalttätiges Videospiel spiele. Dennoch finde Anderson heraus: Menschen, die in Spielen wiederholt mit Gewalt konfrontiert würden, veränderten ihre Einstellung nach und nach, besonders, wenn sie noch jung sind. Die dauernde virtuelle Gewalterfahrung sorge womöglich dafür, dass auch im wirklichen Leben häufiger in gewalttätigen Mustern gedacht werde. Gleichzeitig lasse die Fähigkeit zur Empathie nach, der Mensch stumpfe ab.

"Spektrum" beschreibt diese Ergebnisse als "unbefriedigend", denn messbare Effekte ergäben sich aus der Untersuchung nur spärlich. Ein Kritiker Andersons, der Psychologe Christopher Ferguson, habe es so kommentiert: "viel Lärm um nichts." Einen Unterschied mache die Studie laut "Spektrum" aber sowieso nicht: "Manche besonders unappetitlichen Spiele, die längst schon in Deutschland – wenn überhaupt – nur unter der Ladentheke an Volljährige verkauft werden, sollten auch dann nicht an Jugendliche verteilt werden, wenn wissenschaftlich bestätigt ist, dass Freiwillige nach dem Durchspielen dieser Spiele nicht deutlich aggressiver werden." (pro)

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