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„Keine sexuelle Verwahrlosung“

Jugendliche kommen in den Medien mit sexualisierten Inhalten und Pornografie in Kontakt, ob sie wollen oder nicht. Vor allem im Internet, aber auch in der Werbung und in Fernsehprogrammen werden sie damit konfrontiert. Sexuell verwahrlost seien sie deswegen aber nicht, sagte die Jugendschutz-Expertin Verena Wiegand am Freitag bei einer Fachkonferenz.
Von PRO
Sprach auf der Konferenz „Paarungen 2.0“ in München: Verena Weigand, Bereichsleiterin für Medienkompetenz und Jugendschutz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Ebenso wie...

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Sprach auf der Konferenz „Paarungen 2.0“ in München: Verena Weigand, Bereichsleiterin für Medienkompetenz und Jugendschutz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Ebenso wie…
Sex, Geschlechtlichkeit und Körperlichkeit werden in den Medien immer aufdringlicher dargestellt. Das stellte Verena Weigand, Bereichsleiterin für Medienkompetenz und Jugendschutz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, auf der Konferenz „Paarungen 2.0“ in München fest. Im Internet gebe es die größte Bandbreite und Härte der Sexualität. Aber auch das Fernsehen komme weder im Programm noch in der Werbung ohne sexualisierte Inhalte und stereotype Geschlechterrollen aus. Die Inhalte selbst seien nicht neu. „Neu ist ihre allgegenwärtige und ständige globale Verfügbarkeit“, sagte Wiegand. Das Internet sei das Leitmedium von Jugendlichen, daher würden sie auch ungewollt mit Pornografie konfrontiert. Zunehmend tauchten auch Amateurvideos im Internet auf, in denen die Akteure sich selbst beim Sex zeigen oder dies zumindest andeuten. Oft seien auch Misshandlungen und Gewalt gegen Frauen darauf zu sehen. Es sei nicht immer auszumachen, ob sie diese Praktiken freiwillig ausführten oder ob die Akteure dazu gezwungen würden, sagte Wiegand. Auch in sozialen Netzwerken und via Smartphone kursierten sexualisierte Inhalte. Viele Jugendliche stellten eigene Nacktbilder von sich ins „digitale Gedächtnis“. Diese nutzten Schüler aber auch, um andere zu mobben. Bilder von möglichst abartigen Praktiken zu zeigen, gelte als Mutprobe. „Aber die Jugendlichen finden das meist eklig.“ In Deutschland gelte Pornografie gesetzlich als jugendgefährdend, sie zu nutzen sei also erst ab 18 Jahren erlaubt. Nur Pornografie mit Kindern, Tieren und Gewalt, sogenannte schwere Pornografie, sei verboten, sagte Wiegand. Allerdings seien gesetzliche Restriktionen und technische Schutzprogramme, die entsprechende Inhalte erst nach einem Altersnachweis freigeben, auf deutsche Anbieter beschränkt.

„Jugendliche können Pornografie nicht einordnen“

Wie pornografische Inhalte auf Jugendliche wirken, die diese nutzen, sei schwer zu sagen. Der Konsum von Pornos könnte Empathieverlust gegenüber Opfern von Gewalt insbesondere im Zusammenhang mit Sex mit sich bringen. Doch belastbare Daten gebe es dazu wenig, sagte Wiegand. „Die meisten Studien lassen den Schluss zu, dass es negative Auswirkungen gibt, wenn noch andere beeinträchtigende Faktoren dazukommen. Man kann nicht von genereller sexueller Verwahrlosung sprechen.“ Mediale Einflüsse müssten immer im Kontext anderer Lebensbedingungen gesehen werden. Das Alter spiele eine Rolle, die Verarbeitungsfähigkeit, das Geschlecht oder auch der familiäre Kontext. Jugendmedienschutz gehe deshalb von Wirkungsrisiken aus: Er schließe negative Konsequenzen nicht aus und möchte Jugendliche vor Inhalten schützen, die sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefährden oder beeinträchtigen. Wiegand wies darauf hin, dass Kinder die Darstellung von Sex anders verarbeiten als Erwachsene. „Je weniger eigene sexuelle Erfahrungen, desto verstörender wirken solche Bilder. Jugendliche haben kein Rahmenwissen, um Pornografie und die gezeigten Sexpraktiken zu verstehen und einzuordnen“, sagt Wiegand. Wenn die Jugendlichen älter sind, falle dies leichter, weil sie eine höhere Sexual- und Medienkompetenz hätten. Auch Peter Dabrock, Professor für Praktische Theologie Uni Erlangen und stellvertretender Vorsitzender im Deutschen Ethikrat, weist darauf hin, dass die Nutzung und Wirkung von Pornos bei Jugendlichen „höchst differenziert“ betrachtet werden müssen – je nach Lebenslauf, sozialer Schicht und Wertvorstellungen. „Es ist nicht so, dass Pornos grundsätzlich zu einer Verrohung führen und bekämpft werden müssten. Das deckt sich auch nicht mit dem ganz herausragenden Wunsch von Jugendlichen nach einer Familie“, sagte Dabrock. Es gehe nicht darum, Verbotsschilder aufzustellen. Jugendliche wüssten meist, wie sie diese umgehen können. Erwachsene sollten Jugendliche darin bestärken, stabile soziale Beziehungen aufzubauen und in anderen Lebensbereichen kompetent und kommunikativ zu werden. Die Konferenz Paarungen 2.0 veranstaltet die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland. (pro)Lesen Sie einen ausführlichen Artikel zum Thema Sexting in der kommenden Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro 1/2013. Kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online .
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/jung-weiblich-vulgaer/
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