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Kein Trauerspiel

Sie führten ein leichtes und unbeschwertes Leben. Doch dann bekam Andreas Riedinger die Diagnose: Hirntumor – und starb daran. Seine Frau Andrea beschreibt in dem Buch „Meine Trauer traut sich was“, wie sie den Tod ihres Mannes verkraftet hat und wieder Mut zum Leben fasste. Eine Rezension von Johannes Weil
Von PRO
Andrea Riedinger hat ihren Umgang mit Trauer und dem frühen Tod ihres Mannes in einem Buch verarbeitet
Andrea Riedinger hat ihren Umgang mit Trauer und dem frühen Tod ihres Mannes in einem Buch verarbeitet

Andrea Riedinger gibt einen ehrlichen Einblick in ihre Gefühlswelt. Die Autorin bekennt, dass sie oft erfolglos Antworten auf ihre Lebensfragen gesucht hat und sucht. Sie beschreibt ihre Momente der Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit, sowohl kurz nach der Diagnose als auch nach dem (absehbaren) Tod ihres Mannes. Sie selbst ist zur Zeit der Diagnose schwanger. Das Kind verliert sie.

Wenn die Kräfte schwinden

Die Autorin berichtet, wie sie immer wieder an ihre Grenzen stößt. Egal, ob bei Recherchen über die Krankheit oder in der Begegnung mit Ärzten. Sie spricht über Ängste vor der Zukunft als Alleinerziehende und beschreibt, wie Menschen ihr gegenüber nur schwer die richtigen Worte finden. Hinzu kommen die alltäglichen Probleme, wenn das Kraftbudget nicht mal mehr für einen Kinobesuch reicht.
Ein wichtiger Halt für sie ist ihre die dreijährige Tochter Svenja. Sie hilft ihr, die eigene Hilflosigkeit und Unsicherheit zu überwinden. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes beginnt die Autorin eine Gesprächstherapie: „Es tat gut, reden zu können.“ Oft habe es auch geholfen, dass andere nur zuhörten und für sie da waren. Riedinger empfiehlt einen sinnvollen Umgang mit der Zeit, weil diese das wertvollste Gut des Menschen sei.

Geburtstagsgrüße per Luftpost

Persönlich schwierig sei der Moment gewesen, an dem sie sich eingestand, professionelle Hilfe zu brauchen. Im Nachhinein merkt sie, dass es auch eine Stärke ist, Schwäche zuzugeben: „Hilfe anzunehmen heißt nicht, schwach zu sein“, weiß Riedinger im Nachhinein. Sie lernt, das Tempo im Leben zu drosseln und mitten in einer Krise das Gute sehen. Sie erträgt, wie das Fernsehprogramm meilenweit von der eigenen Lebensrealität entfernt ist. Sie lernt, dass sie zwischen Dingen unterscheiden muss, die sie ändern kann, und denen, die sie nicht ändern kann. „Die Suche nach Schuld ist ein völlig normaler Reflex. Manche Krisen kommen, ohne dass jemand auf dieser Erde einschreiten kann.“
Es folgen Situationen, in denen sie sich „nichtig und völlig unattraktiv“ fühlt. Gemeinsam mit ihrer Tochter hat sie Rituale entwickelt, um mit der Trauer umzugehen. Ihre Geburtstagsgrüße senden sie jährlich per Luftpost an den Vater. Freunde sollen regelmäßig ihre Erinnerungen an den Verstorbenen an die Tochter mailen, die ihr ein Bild ihres Vaters zeichnen sollen. Riedinger entdeckt für sich das Schreiben als Ventil gegen die Trauer.
In dem Buch beschreibt sie, wie sie völlig verändert wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt. Auch räumlich hat sie sich verändert, auf ihre innere Stimme gehört und eine neue Wohnung bezogen. Sie hat gelernt, dass Schicksalsschläge zum Leben dazugehören und „dem eigenen Profil neue Akzente und Grenzen“ setzen. Für sie steht fest: „Nach jeder Schwarz-Weiß-Erfahrung kann das Leben wieder bunt werden.“ Ein Schicksalsschlag müsse nicht der Tod eines Menschen sein, sondern könne auch eine zerbrochen Freundschaft oder missbrauchtes Vertrauen sein. Sie selbst habe für sich ein Lied entdeckt, das die Individualität des Einzelnen ganz besonders hervorhebt: „Du bist du“ von Jürgen Werth. Die Autorin, die in dem Buch gar nicht auf ihren Glauben eingeht, wünscht anderen, zu leben und nicht in ihrer Trauer zu verharren: „Es ist Ihr Leben, das gelebt werden will.“
Das Buch ist offen: sowohl im Umgang mit der Krankheit und dem Tod als auch in den Emotionen, die sich in der Familie abspielen. Christliche Bezüge kommen jedoch nur ganz am Rande vor und auf Antworten aus dieser Perspektive wartet der Leser auch vergeblich. Da es nicht chronologisch aufgebaut ist, muss der Leser bei den einzelnen Passagen ein bisschen mitdenken, aber alles in allem ist es ein lesenswertes Buch. Die gelernte Bankfachwirtin arbeitet mittlerweile als Medizinjournalistin. Ihr journalistischer Schwerpunkt liegt auf den Themen Krebsforschung und Prävention. (pro)
Andrea Riedinger: „Meine Trauer traut sich was: nach einem Schicksalsschlag wieder Mut zum Leben fassen“, adeo-Verlag, 17,99 Euro, 978-3863340308.

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