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“Kein Sex, keine Demokratie, keine Quote

Im öffentlichen Raum spricht man lieber über Sex als über den Glauben. Das sagte der Journalist Matthias Matussek bei einem Vortrag in der Berliner Humboldt-Universität und nutzte seinen Auftritt zugleich, um ein Plädoyer für Papst und Religion zu halten.

Von PRO

Foto: pro

"Ich bin der Meinung, dass der Glaube aus dem Alltag verschwunden ist", sagte Matussek am Donnerstag. Im öffentlichen Raum spreche man kaum mehr darüber. Im Umgang mit der katholischen Kirche gelte das journalistische Prinzip: "Kein Sex, keine Demokratie, keine Quote". Die deutsche Presse konzentriere sich demnach in ihrer Berichterstattung auf Themen wie Missbrauch, Zölibat oder einem vermeintlichen Papstfürstentum, erklärte er im Rahmen seines Vortrags "Der Gott der Talkshows – Religion und öffentliches Gerede". Katholiken müssten in der Gesellschaft geradezu "zickzack laufen, wenn sie heil durch das öffentliche Sperrfeuer" kommen wollten. Protestanten hingegen seien akzeptierter.

"Spektakel-Christentum" und einseitige Presse

Ein wahres "Spektakel-Christentum" habe Matussek während des Papstbesuchs in Deutschland erlebt. Sogar ihn selbst habe der Hype um den Pontifex überrascht. Die Zeiten der "Wir sind Papst"-Rufe seien ja eigentlich vorbei. Wahrgenommen habe er aber auch eine immense journalistische Kritik im Vorfeld und nach dem Papstbesuch sowie einen "aggressiven Staatsliberalismus". "Man zitierte unzufriedene Katholiken oder Gegenpäpste wie Hans Küng", erklärte Matussek. Dennoch hätten sich während des Papstbesuches Zehntausende andächtig im Gebet versammelt. Die Journaille habe aber statt dies zu würdigen kritisiert, der Papst sage nichts zum Thema Missbrauch. Als er sich dann mit Opfern getroffen habe, seien die Medien sich einig gewesen, er tue dies nur aus taktischen Gründen. Eine ungerechtfertigte Einseitigkeit, findet Matussek. Für ihn ist klar: "Der Papst stellte Gott in den öffentlichen Raum, er lud ein zur Anbetung." Das sei vielen bei all der Kritik entgangen.

Viele hätten so getan, "als sei die Kirche in einer Art permanenter Tarifverhandlung mit dem lieben Gott" und vor allem die Rede des Papstes in Freiburg deshalb kritisiert. Er hingegen habe die Aussagen des Pontifex als geradezu "revolutionär" empfunden. Die Freiburger Rede sei eine Absage an oberflächliche Wünsche gewesen. Benedikt XVI. habe nicht weniger als die Nachfolge Christi von seinen Hörern verlangt. Daher fühle Matussek sich vom Papst in seinem "katholischen Abenteuer" bestätigt. Er werte die Papstreise entgegen dem Gros der deutschen Presse als Erfolg, stelle aber fest, dass die "deutsche katholische Kirche" sich "erheblich weit vom Strom der Weltkirche entfernt" habe. Gerade aus Kirchenkreisen habe es Kritik am Pontifex gegeben, und auch sein eigenes positives Feedback dazu sei negativ bewertet worden.

"Religion nicht verheimlichen"

Matussek wünsche sich mehr katholische Bekenntnisse in der Öffentlichkeit, stattdessen erlebe er Kollegen, die den Glauben als Privatsache behandelten. "Religion ist doch nichts, was man verheimlichen sollte", sagte Matussek, und weiter: "Das Beten haben wir verlernt, aber nicht das Streiten." Dieser Tage gebe es zum Debattieren nichts Reizhafteres als die Religion. So bedauerte Matussek, dass der Glaube nicht mehr wie in seiner Kindheit das Leben regle. An diese Stelle seien knapp besuchte Kirchen getreten. Lediglich an Weihnachten, bei Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen oder in den Kirchenprogrammen der öffentlich-rechtlichen Sender sei Religion noch präsent. Vielfach verkomme sie aber auch dort zu einem reinen "Society-Event". (pro)

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