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Kein Luther-Preis für „Pussy Riot“

Der Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ ist nun nicht an die russische Punkband „Pussy Riot“ vergeben worden. Schon bei der Nominierung für die Russinnen waren Proteste aufgekommen. Den Zivilcourage-Preis erhält in diesem Jahr eine Initiative von Regensburger Gastwirten, die sich gegen Neonazis eingesetzt haben.
Von PRO

Foto: Screenshot Youtube

Als die Stadt Wittenberg im vergangenen Jahr die russische Punkband „Pussy Riot“ für den Zivilcourage-Preis „Das unerschrockene Wort“ vorschlug, hatten sich Vertreter der Kirchen dagegen ausgesprochen. Zwei Mitglieder der Band waren wegen eines Punkgebets in einer Moskauer Kirche gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin des Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden.

Hartmut Steeb, Generalsekretär der „Deutschen Evangelischen Allianz“, sagte, eine solche Störung des gottesdienstlichen Lebens sei nicht in Einklang zu bringen mit der „Zivilcourage im Sinne Luthers“. Auch der Wittenberger Theologe und einstige DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer zeigte sich wenig erfreut über das „Punkgebet“ und nannte es eine „Gotteslästerung“. Und der Landes-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für Reformation und Ökumene, Siegfried Kasparick, verwies auf die religiösen Gefühle, welche die bunt kostümierten Frauen verletzt hätten.

Alle zwei Jahre werden mit dem Preis „Das unerschrockene Wort“ Persönlichkeiten geehrt, die „im Sinne Luthers“ Zivilcourage leisten. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von 16 deutschen Lutherstädten vergeben. Preisträger waren unter anderem der Berliner Philosoph und Theologe Richard Schröder, der Tübinger Theologe Hans Küng oder der Liedermacher Stefan Krawczyk. 2011 hatten der Chefredakteur der russischen Tageszeitung „Nowaja Gaseta“, Dimitrij Muratow, und die Redaktion die Auszeichnung bekommen.

Im Jahr 2013 geht der Preis an die Regensburger Gastwirte-Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Dies berichtet die Münchener „Abendzeitung“. Eine der Begründerinnen der Initiative, Helga Hanusa, nahm die Urkunde am Samstag in Eisleben (Sachsen-Anhalt) bei einer Feierstunde entgegen. Die Gastwirte hatten sich 2010 nach einem rassistisch motivierten Angriff auf einen Barkeeper zusammengeschlossen und sperren seitdem Neonazis aus ihren Lokalen aus. An der anschließenden Kampagne gegen Rechtsextremismus beteiligen sich inzwischen rund 150 gastronomische Betriebe, die auch eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben. Zudem wurde die Broschüre „Rassisten werden hier nicht bedient“ erarbeitet, die Gastwirten helfen soll, Rechtsextremisten zu erkennen. Bislang haben mehr als 80 Wirte den Aufkleber „Rassisten werden hier nicht bedient“ an ihren Eingängen angebracht.

Die Regensburger Initiative war von dem bayerischen evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als Jurymitglied vorgeschlagen worden. Der Preis sei mit einer Anerkennung und einer Würdigung unerschrockener Menschen in Regensburg und mit der Hoffnung verbunden, dass davon ein landesweites Signal gegen Intoleranz und Rechtsextremismus ausgehe, betonte der Theologe in Eisleben. Damit könne die "Mitte der Gesellschaft" zeigen, dass sie Rassismus ablehne und die Bundesrepublik ein offenes Land sei. (pro)
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