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Katholischer Dekan fordert freiwilliges Zölibat

Katholische Priester sollten das Zölibat zukünftig nur noch freiwillig befolgen. Dafür setzt sich ein katholischer Frankfurter Dekan ein – als Konsequenz aus den massiven sexuellen Übergriffen katholischer Priester auf überwiegend männliche Minderjährige.
Von PRO
Ein Priester während einer Messe (Symbolbild)
Ein Priester während einer Messe (Symbolbild)

Frankfurts katholischer Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert ein freiwilliges Zölibat. „Wir brauchen eine Fakultativstellung des Zölibats für Diözesanpriester“, sagte der Geistliche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dies schlug er mit Blick auf das Ausmaß sexueller Gewalt in der Katholischen Kirche vor.

Der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz (l.), bei einer Veranstaltung im vergangenen Jahr in der Heilig-Geist-Kirche im Dominikanerkloster in Frankfurt mit Kirchenpräsident Volker Jung (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und den Moderatoren Andrea Seeger und Martin Vorländer (v.l.n.r.) (Archivbild) Foto: pro/Norbert Schäfer
Der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz (l.), bei einer Veranstaltung im vergangenen Jahr in der Heilig-Geist-Kirche im Dominikanerkloster in Frankfurt mit Kirchenpräsident Volker Jung (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und den Moderatoren Andrea Seeger und Martin Vorländer (v.l.n.r.) (Archivbild)

Priesterweihe von Frauen „ergebnisoffen“ prüfen

Zudem erklärte zu Eltz der FAZ, dass Frauen sofort „mindestens zum Diakonat zugelassen werden“ sollten. Der Geistliche fügt an, auch eine Priesterweihe für Frauen sei „ergebnisoffen“ zu prüfen.

Am kommenden Dienstag werden Wissenschaftler die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ in Fulda bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorstellen. Das Gremium hatte die Erhebung in Auftrag gegeben. Erste Zahlen daraus sind bereits bekannt. Laut Berichten, unter anderem vom Spiegel, haben sich im Zeitraum von 1946 bis 2014 insgesamt 1.670 Geistliche an 3.677 überwiegend männlichen Minderjährigen sexuell vergangen.

„Homophobie der Kirche könnte zu sexuellem Missbrauch beigetragen haben“

Die Studie hinterfragt auch das Zölibat als einen „möglichen Risikofaktor“. „In allen Teilbereichen der Studie ist der Anteil der Beschuldigten unter den Diakonen deutlich niedriger als unter den Priestern – die meisten Diakone leben verheiratet“, schreibt die Süddeutsche Zeitung, der die Erhebung ebenfalls bereits jetzt vorliegt. Jedoch sehen die Wissenschaftler weniger als ein Drittel (14 von 50) der befragten mutmaßlichen Täter als „fixiert pädophil“ an, schreibt die SZ.

Die Mehrheit der Befragten (29 von 50) ordnen die Wissenschaftler einem „regressiven Muster“ zu, das „sich vor allem durch eine fehlende Integration, Verleugnung oder Verdrängung sexueller Bedürfnisse, fehlende sexuelle Reife und soziale Gehemmtheit charakterisieren lässt“, zitiert die SZ aus dem Bericht. Bei 25 dieser 29 Befragten dieses Musters sahen die Autoren Hinweise auf Homosexualität. Sie erläutern, „dass gesellschaftliche Tabuisierung und Ablehnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, individuelle Probleme im Ausdruck von Nähe und Distanz […] sowie eine für Teile der römisch-katholischen Kirche charakteristische Homophobie zu sexuellen Missbrauch von Minderjährigen beigetragen haben könnten“.

Von: Martina Blatt

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