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Katholikentag: Kirche als „kreative Minderheit“

82 Prozent der Leipziger Bevölkerung sind konfessionslos, nur 11,8 Prozent sind evangelisch und vier Prozent katholisch. Wie die Gesellschaft mit den religiös-indifferenten Menschen umgehen soll, diskutierten Gäste des Katholikentags auf dem Podium „Ich glaube nichts, mir fehlt nichts“.
Von PRO
Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist bekennender Christ und hat darüber auf dem Katholikentag gesprochen

Foto: Volker Hielscher

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist bekennender Christ und hat darüber auf dem Katholikentag gesprochen
Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) gab im Rahmen des Katholikentags am Donnerstag einen persönlichen Einblick in seine Arbeit als Politiker und Christ. Eindrücklich beschrieb er sein Erleben des Amoklaufes am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 2002: „Glaubende und Nicht-Glaubende haben danach die gleichen Fragen gestellt. In einer so schwierigen Situation haben Christen die Chance auf Berührung und Begegnung mit religiös-indifferenten Menschen.“ Für diese wunden Punkte seien Kirchen und Christen da und wichtig: „Wenn Menschen die Sinnfrage stellen, müssen wir uns dem stellen.“ Gerade erlebe er in vielen Parteien leider wieder die Tendenz, Religion und Glaube in die Privatsphäre zu verbannen: „Als ich für die PDS kandidiert habe, saß ich allein in der Kirchenbank“, sagte Ramelow. Die aktuelle Flüchtlingssituation bezeichnete er als riesige Herausforderung: „Darin können wir aktuell gemeinsam wachsen, egal ob wir einer Religion angehören oder nicht.“

„Zu schnell mit unserem Kirchenchinesisch da“

„Christen treffen häufig überhaupt nicht mehr Menschen, die gar nichts mehr mit Religion zu tun haben“, fand Stephan Dreyer, Geschäftsführer des ökumenischen Forums HafenCity in Hamburg. Viele Christen verstünden zudem häufig nicht einmal die Sprache der eigenen Theologen. In Anlehnung an Mutter Teresa ermahnte er die Christen, so zu leben, dass die Menschen einen nach ihrem Christentum fragten. Ulrich Lieb, katholischer Theologe aus Magedeburg, wünschte sich Kirche als kreative Minderheit: „Wir müssen eine Sprache sprechen, die jeder verstehen kann und sind leider immer viel zu schnell mit unserem Kirchenchinesisch da.“ Uta Gerhardt, Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte in Leipzig, forderte dazu auf, sprachfähig im Glauben zu sein und frei nach Luther den „Segen hinauszunehmen in ihren Stand“.

„Alles Christliche hat auch atheistische Anteile“

Eberhard Tiefensee, Theologieprofessor in Dresden, fragte in seinem Impuls, ob das Christentum überhaupt noch gebraucht werde „und wenn nicht, warum doch“. Viele Fragen von Christen und Atheisten könne die jeweils andere Seite nicht nachvollziehen. Die Menschen bräuchten für ihr Leben Nahrung, soziale Kontakte und ein Dach über dem Kopf, aber oft nicht die Antworten auf religiöse Fragen: „Religion ist einfach da, und deswegen müssen wir uns irgendwie dazu verhalten.“ Diese Menschen zeigten, dass man auch ohne Gott gut leben könne. Für religiös-indifferente sei die Religion allgegenwärtig und umgekehrt genauso. „In jedem Atheist wohnt ein kleiner Christ und alles christliche hat auch atheistische Anteile.“ Christen sollten deutlich machen, aus welchen Erfahrungen sie ihre Kraft zum Leben beziehen. Mit „Haudrauf-Religion“ und Besserwisserei sei in der Geschichte schon zu viel zerstört worden. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/kirchentag-und-katholikentag-uneins-im-umgang-mit-afd-96059/
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