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Katholiken klagen gegen Gottesdienstverbot

Gottesdienste sind wegen des herrschenden Kontaktverbotes verboten. Dagegen regt sich unter Christen nun Widerstand. Allen voran: Ein katholischer Propst aus Berlin.
Von Nicolai Franz
Die Kirche St. Afra in Berlin-Gesundbrunnen. Die Gläubigen feiern hier die Messe nach altem Ritus – auf Latein
Die Kirche St. Afra in Berlin-Gesundbrunnen. Die Gläubigen feiern hier die Messe nach altem Ritus – auf Latein

Wenn Supermärkte öffnen dürften, dann gelte das ja wohl auch für Kirchen, argumentiert Propst Gerald Goesche. Er ist Priester von St. Afra in Berlin-Gesundbrunnen. Seiner Ansicht nach komme man sich beim Einkaufen eher in die Quere als beim Gottesdienst. „Sie sind in unserer Kirche sicherer als in jedem Supermarkt“, sagte der Geistliche gegenüber WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ).

Demnach hat der Verein „Freundeskreis St. Philipp Neri“, der die St.-Afra-Kirche über Spendensammlungen finanziert, vor dem Verwaltungsgericht Berlin einen entsprechenden Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gestellt. Die Kläger wollen erreichen, dass die Gemeinde wieder Gottesdienst mit bis zu 50 Teilnehmern abhalten dürfe. Diese würden verpflichtet, „beim Betreten und Verlassen des Gebäudes sowie während der Gottesdienste einen Mindestabstand von 1,5 Metern“ einzuhalten. Außerdem verpflichte sich die Gemeinde, Namen, Adressen und Telefonnummern aller Teilnehmer zu dokumentieren. Bis Gründonnerstag wird eine Entscheidung erwartet.

Bischofskonferenz distanziert sich

Der „Freundeskreis St. Philipp Neri“ hält seit 2004 Gottesdienste in traditioneller römischer Liturgie ab: Die Messen werden auf Latein gelesen. Die Organisation ist eine „Gesellschaft päpstlichen Rechts“ und ist nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung nicht auf der Ebene des Erzbistums Berlin, sondern auf der des Heiligen Stuhls errichtet. Daher erhält sie nach eigenen Angaben auch keine Kirchensteuermittel.

Goesche zeigte sich enttäuscht von der Führung der Katholischen Kirche. Seiner Meinung nach hätte sie lautstark gegen das Gottesdienstverbot vorgehen sollen. Die Deutsche Bischofskonferenz missbilligt das Vorgehen Goesches, wie die SZ berichtet. Es handle sich um einen Alleingang.

Tatsächlich hat die Gemeinde schon Tatsachen geschaffen – und feiert weiter die Eucharistie. Eine Fotostrecke auf Twitter kommentiert das Insitut St. Philipp Neri mit den Worten: „Auf dem ersten Bild vom 15. März ist der Sicherheitsabstand noch nicht so ganz in Fleisch und Blut übergegangen, am Josephsfest sieht man dann, wie gut sich 50 Gläubige in unserer Kirche verteilen lassen. Das letzte Bild zeigt die Markierung der Plätze im Mittelschiff.“ Bei diesen Markierungen sollen sich die Gläubigen hinsetzen können. Auf der Website von St. Philipp Neri listen die Verantwortlichen auch für die kommenden Tage Zeiten auf, an denen die Menschen in St. Afra die Kommunion empfangen können.

Peter Hahne und Birgit Kelle argumentieren für Gottesdienste

Aber auch manche christliche Publizisten wollen, dass die Kirchen wieder Gottesdienste veranstalten dürfen. Die Katholikin Birgit Kelle schrieb auf kath.net: „Wer braucht nach der Krise noch eine Kirche, die einen im Stich gelassen hat, als es eng wurde?“ Der Mensch lebe nicht vom Brot allein. „Das Brot des Lebens gibt es jedoch nicht Sonntagmorgen in der Bäckerei und an der Tankstelle. Macht die Kirchen auf, man hätte sie niemals schließen dürfen.“

Auch der Autor und TV-Moderator Peter Hahne forderte, zu Ostern die Kirchen zu öffnen. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, dies lasse sich ähnlich wie im Supermarkt mit Abstandsregeln sicher gestalten. „Ein Verbot des Staates, sogar mit Strafen, ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit.“

Von: Nicolai Franz

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