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Kassen sollen für Bluttest auf Down-Syndrom zahlen

Vorgeburtliche Bluttests für die Erkennung von Trisomie könnten bei Risikoschwangerschaften bald zur Kassenleistung werden, berichtet der Spiegel. Kritiker fürchten mehr Abtreibungen.
Von Nicolai Franz
Kritiker fürchten, dass durch den Bluttest auf Trisomie immer weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden

Foto: Laura21de

Kritiker fürchten, dass durch den Bluttest auf Trisomie immer weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden

Im Streit um vorgeburtliche Bluttests auf Down-Syndrom zeichnet sich nach Spiegel-Informationen eine Lösung ab. Demnach sollen künftig die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Das wolle der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vorschlagen, dem Krankenkassen, Ärzte, Kliniken und Patientenvertreter angehören.

Patientenvertreter fordern laut Spiegel, dass die Kosten für den Test erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche übernommen werden. Innerhalb dieses Zeitraums ist eine Abtreibung straffrei, wenn die Schwangere eine Beratung in Anspruch genommen hat.

Kritik von Behindertenverbänden

Die bisherigen diagnostischen, sogenannten „invasiven“ Methoden, sind mit Risiken verbunden: Sowohl die Fruchtwasseruntersuchung als auch die Plazenta-Punktion bergen Gefahren, bis hin zur Frühgeburt. Bei dem Bluttest ist kein solcher Eingriff notwendig. Eine simple Entnahme von 20 Millilitern Blut der Mutter genügt. Denn selbst in dieser geringen Blutmenge befindet sich die DNA des ungeborenen Kindes, die über die Plazenta in den Blutkreislauf der Mutter gelangt. Die DNA wird isoliert und anschließend untersucht. Der Test ist ab der zehnten Schwangerschaftswoche möglich und kostet bisher zwischen 200 und 400 Euro.

Neun von zehn Frauen treiben bei Trisomie-Diagnose ab

Zwar sollen die Kosten nur bei Risikoschwangerschaften übernommen werden. Diese sind aber nicht gerade selten, wie Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen. Demnach wurden 2013 bei 76,3 Prozent aller Schwangerschaften Risikofaktoren angegeben, auch wenn nur bei 34,9 Prozent der Schwangerschaften tatsächlich eine Risikoschwangerschaft vom Arzt in den Mutterpass eingetragen wurde. Gab es früher nur 17 anerkannte Risikofaktoren, sind es heute 52. Dazu zählen etwa Schwangerschaften, bei denen die Mutter älter als 35 oder jünger als 17 ist, wenn sie bereits einen Kaiserschnitt hatte oder übergewichtig ist. Selbst Heuschnupfen zählt als Risikofaktor. Fallen zwei der Faktoren zusammen, kann eine Risikoschwangerschaft eingetragen werden. Der neue Test könnte also nicht die Ausnahme bleiben, sondern zum Regelfall werden. Bisher werden bereits etwa 90 Prozent aller Embryonen abgetrieben, bei denen Down-Syndrom festgestellt wurde.

Behindertenverbände hatten gegen die Kostenübernahme schon früh protestiert. Mit dem Test würden künftig immer mehr Embryonen mit Down-Syndrom abgetrieben. „Die pränatale Suche nach genetischen Merkmalen ist eben keine Schwangerenvorsorgeuntersuchung, sondern eine selektive Fahnung nach unerwünschten Abweichungen“, hatte etwa das „gen-ethische Netzwerk“ kritisiert.

Von: Nicolai Franz

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