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Kann denn Wirtschaften Sünde sein?

Wie sieht biblisches Wirtschaften in Krisenzeiten aus? Diese Frage haben sich Politiker und Theologen beim Forum "Christ und Politik" in Berlin gestellt. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe rechtfertigte seinen Wunsch nach einer flexiblen Frauenquote und forderte Unternehmen auf, sich mehr um ihre Mitarbeiter zu bemühen.

Von PRO

Foto: pro

Es ist Tradition geworden, dass die "Konrad-Adenauer-Stiftung" gemeinsam mit der "Deutschen Evangelischen Allianz" das Forum "Christ und Politik" in Berlin veranstaltet. In diesem Jahr sprachen die Teilnehmer über das Thema "Ein Riss in der Gesellschaft? Wirtschaftliches Handeln und Verteilungsgerechtigkeit". Unter diesem Motto diskutierte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe mit dem Repräsentanten des Unternehmens "Kienbaum", Thorsten Alsleben, über Entwicklungen "jenseits der Bankenkrise" – etwa Unternehmenspolitik und Bildung. Gröhe sprach sich für eine Frauenquote aus, starre Regeln wünscht er sich dennoch nicht. Die jeweiligen Branchen sollten bestenfalls selbst festlegen, wie sie eine Quote umsetzten. Unternehmen forderte er dazu auf, sich stärker um ihre Arbeitnehmer zu sorgen und nicht nur den Dienst am Kunden im Blick zu haben. Das biblische Ideal eines Erwerbstätigen, der mit dem Einkommen seine ganze Familie ernähren könne, sei zwar politisch unrealistisch. Das seiner Meinung nach biblische Leitbild einer angemessenen Bezahlung wollte Gröhe dennoch nicht über Bord werfen: "Man muss sein eigenes Leben davon fristen können", sagte er.

Gröhe rechtfertigte auch die von der CDU angestrebte Zusammenlegung von Real- und Hauptschulen. Eltern nähmen die Hauptschule als Filter wahr, sagte er. Sie sei beliebt, aber niemand wolle sein eigenes Kind hinschicken, erklärte er mit Hinweis auf ein bundesdeutsches "Hauptschulsterben". Gröhe rief vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen zu einer wegweisenden Debatte über die Folgen einer älter werdenden Gesellschaft auf.

"Beten und Gestalten gehören zusammen"

Der CDU-Abgeordnete Volkmar Klein, Mitglied im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, erklärte: "Beten und Gestalten gehören eng zusammen." Die Soziale Marktwirtschaft müsse sowohl sozial und ökologisch als auch global ausgestaltet werden. Sie funktioniere wie ein Fußballspiel, benötige also Regeln und Sanktionen, etwa ein Kartell-, Umwelt- oder Sozialrecht. Diese zu schaffen und durchzusetzen, sei Aufgabe des Staates. Aber: "Das Spiel auf dem Fußballplatz bricht auch zusammen, wenn der Schiedsrichter selbst mitspielen will", warnte Klein vor einer zu starken Einmischung in die Wirtschaft. Europa müsse weg von einer "Politik des leichten Geldes" und hin zu einer europaweiten Stabilitätsregierung, sagte Klein. Darum habe sich die Bundesregierung in den vergangenen Monaten bemüht. "In Europa wird Deutsch gesprochen – so falsch ist das nicht", kommentierte der Politiker die Worte des Unions-Fraktionschefs Volker Kauder auf dem CDU-Parteitag.

Die Grundsätze biblischen Wirtschaftens erklärte Altpräses Christoph Morgner. Christliche Maßstäbe seien "als ordnende Rahmenbedingungen" jedem dienlich, auch Menschen ohne Bezug zum Glauben. Die Bibel fordere die Achtung der Würde des Menschen, einen verantwortlichen Umgang mit Eigentum und den Dienst am Nächsten. Lohndrückerei und Hungerlöhne seien im Gegensatz dazu Sünde. Reichtum sei keineswegs verboten – aber die Bibel frage auch immer: Wie ist er erlangt worden? "Es reicht nicht, reich zu sein", fuhr Morgner fort. Es drohe immer die Gefahr, dass Reiche ihr Herz an das Geld hingen, statt an Gott. (pro)

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