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Kampfbegriff Fake News abschaffen

Journalisten sollten den Begriff Fake News nicht verwenden. Das haben Medienschaffende bei der Netzkonferenz Re:publica gefordert. Stattdessen müsse stärker zwischen Propaganda, Falschmeldungen oder Recherchefehlern unterschieden werden.
Von Anna Lutz
„Etwas ist entgleist": (v.l.) Die Journalisten Stefan Niggemeier und Richard Gutjahr sprachen bei der Re:publica über das Verhältnis zwischen Medien und Konsumenten

Foto: pro/Anna Lutz

„Etwas ist entgleist”: (v.l.) Die Journalisten Stefan Niggemeier und Richard Gutjahr sprachen bei der Re:publica über das Verhältnis zwischen Medien und Konsumenten

Der Umgang mit sogenannten Fake News ist eines der großen Themen der diesjährigen Re:publica. Die Social-Media-Leiterin der Tageszeitung Die Welt, Niddal Salah-Eldin, hat dort am Dienstag dafür plädiert, den Begriff nicht länger zu benutzen. „Unsere erste Amtshandlung muss sein, Fake News zu begraben“, sagte sie in einer Diskussionsrunde mit Journalisten. Medien seien gefordert, zwischen Propaganda, Falschmeldungen oder Recherchefehlern zu differenzieren, statt den Kampfbegriff Fake News zu verwenden.

(v.l.) Niddal Salah-Eldin, David Biesinger und Journalist Patrick Gensing sprachen über Mittel gegen Fake News Foto: pro/Anna Lutz
(v.l.) Niddal Salah-Eldin, David Biesinger und Journalist Patrick Gensing sprachen über Mittel gegen Fake News

RBB-Programmchef David Biesinger gab ihr in Teilen Recht. Das Phänomen der Falschnachricht sei nicht neu. Sie gegenzurecherchieren gehöre zur normalen journalistischen Arbeit, „wie wir sie schon immer hatten.” Weiter sagte er: „Wenn wir uns darauf besinnen, was die Grundlagen guten Journalismus’ sind, haben wir über 90 Prozent des Problems im Griff.“

Blogger und Krautreporter-Mitgründer Stefan Niggemeier warb dafür, einen genaueren Blick auf jene Geschichten zu werfen, die von den „Mainstream-Medien” nicht verbreitet würden. Nicht alle seien per se falsch. Aufgabe der Journalisten sei es, „für eine möglichst gut informierte Gesellschaft sorgen“. Dazu gehöre es auch, relevante Geschichten zu erzählen, die möglicherweise komplexer sind als der Standard.

Etwas ist entgleist zwischen Masse und Medien

Journalist Richard Gutjahr stimmte zu: „Das eigentliche Problem sind nicht Fake News“, sagte er. Etwas sei entgleist zwischen Journalisten und Publikum: Daran müssten alle gemeinsam arbeiten. Falschmeldungen würden nur deshalb von der Masse geglaubt, weil diese den seriösen Medien nicht vertraue. Gutjahr warb deshalb für mehr „digitale Empathie“. Die Presse müsse den Versuch unternehmen, zu verstehen, wie es etwa zu Hasskommentaren, Shit- und Candystorm komme.

Niddal Salah-Eldin berichtete aus ihrem Berufsalltag und erklärte, ihre Redaktion nutze das Mittel der Gegenrede im Netz. Kommentaren unter Artikeln der Welt, die falsche Nachrichten verbreiteten, widerspreche sie und versuche, das Gegenteil zu belegen. Immerhin müsse auch die schweigende Mehrheit im Netz mitgenommen werden. Auch sie plädierte dafür, sich um ein besseres Verhältnis zum Leser zu Bemühen. „Was wir als Medienmacher betreiben, ist erklärungsbedürftig“, sagte sie. Deshalb beschreibe sie den Lesern in Kommentaren zum Beispiel, warum es eine regionale Meldung nicht in eine überregionale Tagezeitung schaffe, das aber nichts mit Vertuschung zu tun hat. „Wir haben ein Medienkompetenzproblem”, stellte sie fest. Deshalb seien Journalisten gefordert, Einblick in die Redaktionsarbeit zu geben. (pro)

Von: al

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