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Kampf ums Kloster

„Um Himmels Willen“: Das Thema Kirche und Homosexualität hat Einzug in die beliebte ARD-Serie gehalten. pro hat vor Veröffentlichung der Sendung mit dem Produzenten gesprochen, sich die ersten Folgen der neuen Staffel angeschaut und darin neben dem strittigen Thema auch viel Nächstenliebe gefunden.
Von PRO
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Schwester Hanna und Bürgermeister Wöller führen einen liebenswerten Dauerkonflikt in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“

Foto: ARD/Barabara Bauriedl

Schwester Hanna und Bürgermeister Wöller führen einen liebenswerten Dauerkonflikt in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“

In der aktuellen Folge 181 der Serie „Um Himmels Willen“, die erstmals am Dienstagabend in der ARD ausgestrahlt worden ist, outet sich der Organist der evangelischen Kirche als schwul und erklärt, dass er schon seit einiger Zeit mit dem evangelischen Pfarrer liiert ist. Somit ist die Dikussion um die Frage, ob der evangelische Pastor mit seinem Mann im Pfarrhaus leben darf, auch im Abendprogramm der ARD angekommen. „Um Himmles Willen“, lockt seit 13 Jahren mehrere Millionen Zuschauer vor den Fernsehbildschirm.
Eine zielstrebige Nonne, ihre drei Ordensschwestern, ein mit allen Wassern gewaschener Bürgermeister und der ewige Streit um Kloster Kaltenthal – das ist der Stoff, aus dem seit 13 Jahren die ARD-Serie „Um Himmels Willen“ gestrickt wird. Außerdem zu nennen wären da noch eine gestrenge Mutter Oberin, die mit ihrer Assistentin in München residiert, ein etwas zu gutmütiger Bischof und die Sekretärin des Bürgermeisters, die sich regelmäßig auf die Seite der Nonnen und deren Kloster schlägt.
Leicht abgewandelt lässt sich in jeder Episode folgendes Muster erkennen: Bürgermeister Wolfgang Wöller möchte Profit aus dem Kloster schlagen – natürlich immer zum Wohl der Gemeinde Kaltenthal und ganz besonders zu seinem eigenen. Schwester Hanna Jakobi, Leiterin von Kloster Kaltenthal, setzt sich dem zur Wehr und versucht mit allen Mitteln, ihr Heim und das ihrer Mitschwestern vor des Bürgermeisters Geldgier zu retten. Nebenbei nimmt sie sich in jeder Folge eines in Not geratenen Menschen – oder Tieres – an. Mit ihren unkonventionellen Methoden durchkreuzt Schwester Hanna beinahe jedes Mal die Pläne des Bürgermeisters, praktiziert Nächstenliebe ohnegleichen und verhilft dem Guten zum Sieg.
Im Januar dieses Jahres startete die 14. Staffel der Serie. So richtig erklären, warum „Um Himmels Willen“ auch in der 170. Folge noch so erfolgreich ist, kann Produzent Jochen Zachay nicht. Auf die Frage nach dem Erfolg lacht er erst einmal und sagt dann: „Das ist eine gute Frage. Ich glaube, wenn die anderen das wüssten, würden sie uns das nachmachen.“ Eine Erklärung versucht er dann aber doch und spricht von „großartigen Schauspielern“, einem „großartigen Autor“ und „auf sympathische Art geführten Kabbeleien zwischen den Nonnen und dem Bürgermeister“. Es sei wahrscheinlich das Gesamtpaket, das die Zuschauer immer wieder vor den Fernseher lockt.
Dass es in der Serie im weitesten und manchmal auch im engeren Sinne um sozialdiakonische oder kirchliche Themen geht, ist für Zachay selbstverständlich. Schließlich drehe sich die ganze Serie rund um das Leben der Nonnen. „Wir legen viel Wert darauf, dass die Nonnen in ihrem Wertesystem bleiben, Werte vermitteln und eine gewisse Verlässlichkeit haben“, sagt er. Auch, wenn man die Figuren nicht eins zu eins auf reale Ordensschwestern übertragen könne. „Dafür müssen wir dann doch Unterhaltsames abliefern.“

„Schwein gehabt“

Als Beispiele für kirchliche oder christliche Themen kündigt der Produzent eine Folge der aktuellen Staffel an, in der es um einen homosexuellen evangelischen Pfarrer gehen werde und die unterschiedlichen Haltungen der einzelnen Figuren zu dem Thema. Eine andere Episode werde der Frage nachgehen, ob eine junge Frau Novizin werden darf, wenn sie zuvor bei der Bundeswehr tätig war. Die Bandbreite der Themen sei aber groß, sagt Zachay. Das stimmt. Eine aktuelle Folge handelt zum Beispiel von einem kleinen, autistischen Jungen, der sein Schwein, das ihm als Therapieschwein dient, nicht behalten darf. Natürlich überzeugt Schwester Hanna am Ende Eltern und Nachbarn von der Notwendigkeit des Hausschweins, und das Tier darf bleiben. Manche Folgen seien dramatischer, andere unterhaltsamer, sagt Zachay. „Letztendlich ist es ein guter Mix aus unterschiedlichsten Themen, manche mit einer gesellschaftlichen Relevanz.“
Als Vertreter des Christlichen in der Serie nennt Zachay vor allem Schwester Hanna: „Sie soll Vorbildcharakter haben und steht im Prinzip für christliche Werte.“ An christlichen – zumeist katholischen – Redewendungen, die für den Zuschauer aber leider oft als Floskeln rüberkommen, fehlt es zudem nicht. So grüßen sich Nonnen, Oberin und Bischof stets mit „Gelobt sei Jesus Christus!“ – „In Ewigkeit. Amen.“ Das wirkt spätestens nach dem dritten Mal wie eine Parodie. Auch Redewendungen wie „Die Wege des Herrn …“ benutzen die Nonnen regelmäßig.

Weder heilig noch scheinheilig

An geistlicher Tiefe mangelt es dagegen durchaus. Gebetet wird zwar. Vor allem dann, wenn sich Schwester Hanna mit einer ihrer Unternehmungen wieder einmal in einer für Nonnen moralisch nicht ganz vertretbaren Grauzone befindet oder in Not ist. Das Gebet vorm Kruzifix, das häufig mit „Ach Herr …“ beginnt, kommt dann aber oft einer Rechtfertigung gleich. Echte Gottesnähe vermittelt die Serie nicht. Die Bestätigung für nicht ganz einwandfreie Methoden findet sich meistens darin, dass diese letztendlich ja eine gute Sache bezwecken. Das wiederum dient zwar der Unterhaltung und zaubert dem einen oder anderen Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht, „Vorbildcharakter“ hat die Figur der Schwester Hanna in diesen Momenten aber nicht. Die überzeugten Christen unter den Zuschauern mag es zudem stören, dass Gott als alles abnickender und stillschweigender Zuhörer erscheint.
Zachay betont aber auch, dass die Figuren „keine Heiligen und auch keine Scheinheiligen“ darstellen sollen. „Es sind Menschen, die Vorzüge und Fehler haben und die sich mit einem Augenzwinkern auch selbst reflektieren können“, sagt er. Im weitesten Sinne lassen sich so auch die manchmal etwas speziellen Gebete interpretieren, oder dass es auch die Nonnen mit der Ehrlichkeit ab und an nicht ganz so genau nehmen.
Zwischen dem Bürgermeister und den Nonnen herrsche ein „sehr schönes Spannungsfeld zwischen christlich und weltlich“, fasst der Produzent den Reiz zusammen, den die Serie für ihn ausmacht. Die Geschichten böten „zum einen Tiefe und zum anderen Anlass zum Schmunzeln“. Seit Mitte Januar können sich rund sechs Millionen Zuschauer wieder mitnehmen lassen in diese Geschichten rund um ein idyllisches, bayerisches Kloster, in dem christliche Nächstenliebe selbst die größten Halunken meistens zur Umkehr bewegt. Und wenn nicht, dann siegt zumindest Gut über Böse. Nette und ARD-konforme Unterhaltung mit sozialdiakonischem Engagement, an dem sich niemand stößt. (pro)

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