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Käßmann: Reformation heißt Fragen stellen

Die Lutherbotschafterin Margot Käßmann wirbt weltweit für das Reformationsjubiläum im Jahr 2017. In der Wochenzeitung Die Zeit fordert die ehemalige Bischöfin mehr christliches Selbstbewusstsein.
Von PRO
"Als Christ selber denken und offen für Veränderung sein", das wünscht sich Lutherbotschafterin Margot Käßmann zum Reformationsjubiläum 2017

Foto: Andreas Schoelzel / EKD

“Als Christ selber denken und offen für Veränderung sein”, das wünscht sich Lutherbotschafterin Margot Käßmann zum Reformationsjubiläum 2017
„Europäische Christen sollten sich nicht dauernd entschuldigen, dass unsere Kirchen weniger voll sind als etwa in Südkorea“, sagte Käßmann in Gespräch mit der Zeit. Kirchenbesucherzahlen sagten nichts über die Glaubwürdigkeit der Christen aus. „Wir Europäer haben es geschafft, Glaube, Vernunft, Kirche und Aufklärung zusammenzuhalten. Das ist eine Kulturleistung. Wir sollten selbstbewusster sein.“ Den Protestantismus sehe sie als „Schritt ins Leben“. Scheitern sei erlaubt. „Du musst nicht zwanghaft ein perfektes Leben anstreben. Du kannst nie sünden- oder schuldfrei sein, sondern bleibst auf Gottes Gnade angewiesen.“ Aus diesem Grund sei die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vielfach kritisiert worden, da sie sich beispielsweise für Geschiedene einsetze und ihnen die Möglichkeit eines Neuanfangs eröffne. „Es gibt Verlässlichkeit, Vertrauen und Verantwortung auch außerhalb der Ehe.“

„Kritischer Diskurs gegen Fundamentalismus“

Rückblickend auf ihre Reise als Lutherbotschafterin in die USA äußerte sich Käßmann auch zu Evangelikalen. „Sie fürchten: Wenn wir nicht alle Wahrheiten festzurren, entgleiten uns die Geländer zum Festhalten. Ich sage: Nur kritischer Diskurs hilft gegen Fundamentalismus.“ Verkündigung bedeute nicht das Festhalten an der Vergangenheit. „Wahrheit gilt nie absolut, sondern muss immer neu gefunden werden.“ Diese Devise vertrete auch Papst Franziskus, der somit den Weg für gemeinsames Handeln zwischen evangelischer und katholischer Kirche bereite. „Ich verstehe unter Einheit, dass viele Flüsse aus derselben Quelle entspringen. Wir können mit Respekt unsere Unterschiede behaupten“, findet Käßmann. „Meine Kirche hat große Gemeinsamkeiten mit Rom, weil wir wissen, wovon der jeweils andere redet.“

„Keine Angst vor Andersgläubigen“

Hinsichtlich des Jubiläums betonte Käßmann ihr Verständnis von Reformation: „Selber denken, auch in Glaubensfragen. Offen sein für Veränderung. Keine Angst haben, denn Gott ermutigt dich zum Leben.“ Luther sei eine starke Figur gewesen, aber wenn er nicht die Leute überzeugt hätte, wäre er isoliert geblieben. „Reformation heißt Fragen stellen. Fragen dürfen heißt denken dürfen.“ „Fanatiker“ ließen keine Fragen zu. Ihr Wahrheitsbegriff sei angstbesetzt und schließe jede andere Wahrheit aus. „Wer im eigenen Glauben beheimatet ist, muss keine Angst vor Andersgläubigen haben. Mein Glaube wird nicht gefährdet dadurch, dass ein anderer anders oder gar nicht glaubt.“ (pro)
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