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Käßmann: „Gott schickt keine Pandemie“

Das Leid, auch das während der Corona-Pandemie, gehöre zum Leben dazu. Gott verursache das Leid nicht, aber es helfe zu wissen, dass Jesus selbst gelitten hat. Das sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ).
Von Jörn Schumacher
Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann

Foto: Uwe Birnstein

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ist überzeugt: „Gott schickt keine Krankheiten und keine Unfälle“

Die Theologin erinnert im Interview mit der SZ daran, dass dieses Jahr viele Menschen an Heiligabend alleine sein werden, „auch mit ihrer Angst oder Existenznot“. „Die Weihnachtsbotschaft richtet sich in diesem Jahr besonders an sie“, sagte Käßmann im Interview.

Die 62-Jährige, die über zehn Jahre Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover war sowie von 2009 bis 2010 Ratsvorsitzende der EKD, ergänzte, dass die Corona-Regeln einen Druck auf das diesjährige Weihnachtsfest ausübten. „Im Moment ist ja für die Politik das Motto: Wenn wir jetzt bis zum 23. Dezember durchhalten und alle miteinander tapfer sind, dann, und nur dann, können wir als Familie gemeinsam Weihnachten feiern. Dieser immensen Erwartungshaltung wird das Fest nicht gerecht werden können.“ Schon in den Jahren zuvor sei zu beobachten gewesen, dass „die Weihnachtstage mit Ansprüchen überladen wurden“. Kinder hätten erzählt, dass sie Angst vor Weihnachten mit der Familie haben, weil dann zu Hause alles besonders harmonisch ablaufen und perfekt sein soll. Käßmann erinnert: „Stattdessen ist es in diesem Jahr noch wichtiger als sonst, sich auf die biblische Weihnachtsbotschaft zu konzentrieren: ‚Fürchtet euch nicht!‘“

Das Leid gehöre auch zum Leben eines gläubigen Menschen dazu, sagt die Theologin. „Der christliche Glaube und die Bibel erzählen von einem Leben, das um das Leid weiß. Die Vorstellung, dass ein Mensch nicht leidet und nicht krank wird, wenn er nur oft genug betet, ist einfach nicht haltbar.“ Auch Zweifel gehöre zu ihrem eigenen Glauben dazu, so Käßmann. „Wenn uns etwa Krankheit trifft, fragen viele: ‚Warum ich?‘ Dabei wäre die Frage ‚Warum nicht ich?‘ angemessen. Ich bin ja nicht vor Leid geschützt, nur weil ich gläubig oder Christin bin. Leid ist nun einmal Teil der Welt, daran ändert Glaube nichts. Er kann mir aber dabei helfen, das Leid zu verarbeiten.“

Gottes Trost durch den Regenbogen

Der Ansicht, Corona sei eine Art Strafe Gottes, erteilt die Theologin eine Absage. „In der Erzählung von der Arche Noah sagt Gott nach der Sintflut, dass er nie wieder zerstören werde. Der Regenbogen wird zum Zeichen für das Versprechen. Gott bestraft uns nicht dafür, wie wir leben. Er schickt keine Krankheiten und keine Unfälle. Gott schickt keine Pandemie. Jesus hat für uns Menschen doch klargemacht, dass Leid nicht Folge von Schuld ist. Und er wusste, wovon er sprach, weil er selbst Leid erfahren hat.“

Auch bei anderen Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überflutungen könne allenfalls erklärt werden, wie diese entstanden, aber nicht, warum. Käßmann mahnt: „Vieles, was wir bei Corona erleben, Ursache, Infektionszahlen oder die Maßnahmen, unter denen wir leiden, sind menschengemacht.“

Leid sei etwas, womit wir umgehen müssen. „Der Tod zum Beispiel ist ein Thema, das wir aus der Gesellschaft weitestgehend verdrängt haben. Trends gehen ja dahin, dass sich Menschen im Meer oder im Wald anonym bestatten lassen, damit niemand auf den Friedhof gehen muss. Dabei ist das ein sehr hilfreiches Ritual.“

Von: Jörn Schumacher

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