Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) ist neuer kirchenpolitischer Sprecher der Union. Bereits im Dezember hatten die Grünen in ihrer Fraktion Volker Beck in diesem Amt vorgestellt.
Neuer kirchenpolitischer Sprecher bei der Union: Franz Josef Jung
Die Unionsfraktion hat ihren neuen Beauftragten für Kirchen und Religionsgemeinschaften am Dienstagabend benannt. Jung ist katholisch, verheiratet und hat drei Kinder. Er stammt aus dem hessischen Rheingau, sein Wahlkreis ist Groß-Gerau. Er hat in Mainz Jura studiert und arbeitete unter anderem als Rechtsanwalt. Bevor er 2005 in den Bundestag gewählt wurde, war er CDU-Fraktionsvorsitzender im hessichen Landtag.
Unter Kanzlerin Angela Merkel war Jung zunächst von 2005 bis 2009 Verteidigungsminister, in ihrem zweiten Kabinett fungierte er einen Monat lang als Bundesminister für Arbeit und Soziales, bevor er wegen der Kundus-Affaire zurücktrat. Im Jahr 2009 hatten amerikanische Jets auf Befehl eines deutschen Oberst hin zwei Tanklaster in Afghanistan bombadiert. Dabei waren 142 Menschen ums Leben gekommen. Jungs Amtszeit als Arbeitsminister war die kürzeste eines Bundesministers in Deutschland. Als Verteidigungsminister setzte Jung sich für erweiterte Rechte der Bundeswehr bei Geiselbefreiungen ein. Schlagzeilen machten auch seine Aussagen zum Abschuss von Passagierflugzeugen. Er vertrat 2007 die Ansicht, Piloten der Bundeswehr sollten im Falle einer Geiselnahme und auf Befehl hin zivil besetzte Maschinen abschießen – dies widersprach der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts.
Evangelikalen-Kritiker Beck spricht für Grüne
Bereits im Dezember hatte die Grünen-Fraktion im Bundestag ihren ehemaligen parlamentarischen Geschäftsführer Volker Beck zum Sprecher für Religionspolitik benannt. Er war nach den Wahlen 2013 von seinem Amt an der Grünenspitze zurückgetreten. Beck gilt als großer Kritiker konservativer christlicher Strömungen und ist ein Vorkämpfer der Homosexuellen-Bewegung. Im vergangenen Jahr machte er von sich reden, weil er ein Verbot von Therapien für Homosexuelle forderte, die sich mit ihrer sexuellen Orientierung unwohl fühlen. Außerdem plädiert er für eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechtes. Geht es nach ihm, sollen die Kirchen zum Beispiel nur noch Bewerber in Leitungspositionen wegen fehlender Kirchenmitgliedschaften ablehnen können. Bei allen anderen müsse ein Diskriminierungsverbot gelten, auch im Hinblick auf die sexuelle Orientierung, heißt es in einem Gesetzesentwurf der Grünen.
Beck plädiert für die Abschaffung des Blasphemieparagrafen 166 StGB, der die Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften unter Strafe stellt. Dennoch verurteilte er im Dezember die Aktion einer Femen-Aktivistin im Kölner Dom. Die Frau war oben ohne auf den Altar gesprungen. Auf ihrer Brust standen die Worte: „I am God“ – Ich bin Gott. Kurz vor den Bundestagswahlen 2013 geriet Beck in Negativschlagzeilen, weil er sich in einem Sammelband aus dem Jahr 1988 für die Entkriminalisierung von Pädosexualität eingesetzt haben soll. Der Politiker bestritt dies und warf den Herausgebern unauthorisierte Änderungen des Textes vor. Das Magazin der Spiegel berichtete jedoch später, der Originaltext sei ihnaltlich nicht verfälscht worden.
Beck sagt von sich selbst, er sei Christ und die Bibel habe für ihn einen hohen Stellenwert. Sein Wahlkreis liegt in Köln, er stammt aus Stuttgart. Neben seinem Engagement für die Rechte von Schwulen und Lesben setzt er sich für Religionsfreiheit weltweit ein. Die SPD- und Linken-Fraktion im Bundestag hat bisher keine Sprecher für Religionspolitik benannt. (pro)
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