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Jugendlicher gründet Sorgentelefon für Mobbing-Opfer

Mit 13 Jahren ist Lukas Pohland bereits Gründer einer Telefonberatung für Cyber-Mobbing-Opfer. Dem Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags bringt er das Thema näher und stellt zusammen mit anderen Experten Lösungen vor, wie das Problem bekämpft werden kann.
Von PRO
Jugendliche werden immer wieder Opfer von Cyber-Mobbing, zum Beispiel via Smartphone. Ein Schüler aus NRW ist dagegen aktiv geworden.

Der Realschüler Lukas Pohland aus Schwerte bietet mit neun anderen Jugendlichen einmal wöchentlich ein Sorgentelefon für Opfer von Cyber-Mobbing an. In einem Brief an den Präsidenten des Düsseldorfer Landtages, André Kuper, beschreibt er, wie er selbst zum Opfer von digitalen Attacken wurde. Im Alter von 12 Jahren versuchte Lukas, einer Mitschülerin zu helfen, die in einer Whatsapp-Gruppe beleidigt und beschimpft wurde. Kurz darauf veröffentlichten Mitschüler Fotos von Lukas und seiner Mitschülerin im Internet und kommentierten die Bilder mit Beleidigungen. Als er sich mit diesem Problem an Lehrkräfte in seiner Schule wandte, bekam er keine Hilfe. Daraufhin fasste er den Entschluss, selbst zu handeln und ein Sorgentelefon für Mobbingopfer bereitzustellen, berichtet die Zeitung Die Welt.

Beim Cyber-Mobbing (deutsche Übersetzung: Internet-Mobbing) werden Personen dauerhaft in beispielsweise sozialen Netzwerken beleidigt, bloßgestellt oder bedroht.

Der nordrhein-westfälische Landtag lud Lukas Pohland zusammen mit Wissenschaftlern, Psychologen und Kinderschützern zu einer Anhörung ein. Beantragt wurde die Anhörung von den Grünen. Die Sozialpsychologin Catarina Katzer befasst sich seit 15 Jahren mit dem Thema Cyber-Mobbing und berichtet, dass laut einer Studie ungefähr 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland von Cyber-Mobbing betroffen sind. Jeder Fünfte von den Betroffenen soll suizidgefährdet sein.

„Cyber-Mobbing endet nicht – man trägt den Täter mit sich herum“

Lukas Pohlands größtes Anliegen ist, die Präventionsarbeit an den Schulen zu erweitern. Die Umsetzung könnten feste Lehrplaneinheiten oder ein eigenes Schulfach rund um das Thema „Cyber-Mobbing“ sein, erklärt er. Die Medienberatung NRW weist darauf hin, dass es schon eine Reihe von Präventionsprogrammen gebe – aber nicht an jeder Schule. Lukas Pohland entgegnet, dass ein Präventionsangebot, nämlich sogenannte Medienscouts, eher dafür missbraucht werde, dass es die Laptops in der Schule einrichte, als dass es sich zum Thema Cybermobbing einsetze.

Katzer fordert ebenfalls ein neues Schulfach namens „Digitale Bildung“ und die Verabschiedung eines Gesetzes, welches deutlich machen soll: „Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt.“ Dem schließt sich auch Lukas Pohland an und betont in seinem Brief an den Landtagspräsidenten: „Pausenhof-Mobbing endet meist nach der Schule – spätestens vor der Haustür. Cybermobbing endet nicht. Man trägt den Täter mit sich herum.“

Den Vorschlag, einen „Notfall-Button“ bei sozialen Medien einzuführen, mit dem Mobbingfälle sofort gemeldet werden können, hält der Diplom-Pädagoge Matthias Felling nur bedingt für eine gute Lösung. „Der eigentliche Notfall-Button für Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, ist ein Erwachsener in seinem Umfeld, der ein offenes Ohr für die Probleme hat und seine Hilfe anbietet“, sagt Felling.

Lehrkräfte sollten während ihrer Aus- und Fortbildung dafür sensibilisiert werden, Mobbing zu erkennen und in einem tatsächlichen Fall etwas dagegen zu tun, findet die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. Auch die Kinder in Grundschulen, welche zum Teil schon Smartphones besitzen, sollten über das Thema aufgeklärt und informiert werden.

Der weitere Vorgang und die Maßnahmen sollen nach der Sommerpause entschieden werden.

Von: Elice Murach

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