Rezension

Jürgen Klopp schöpft Kraft aus dem christlichen Glauben

Er war und ist für die Menschen ein Vorbild, Menschenfänger und Erfolgsgarant. Jetzt ist eine Biografie über Jürgen Klopp erschienen. Sie trägt den Titel „Glaube, Liebe, Klopp“ und zeichnet ein authentisches Bild des gläubigen Fußballtrainers.
Von Johannes Blöcher-Weil
Bei C. Bertelsmann ist eine neue Biografie über Jürgen Klopp erschienen

Jürgen Klopp ist ein Mensch mit Haltung und Überzeugungen. Er hat es geschafft, sowohl in Deutschland als auch in England für viele zum Vorbild zu werden. Dass dabei der christliche Glaube die Kraftquelle für sein Leben ist, hat er nie verhehlt. Ob ihm religiöse Zuschreibungen wie „Menschenfänger“ oder gar „Messias“ allerdings gefallen, ist nicht überliefert, darf aber bezweifelt werden.

Michael Horeni hat jetzt auf 368 Seiten eine Biografie von „The Normal One“ vorgelegt. Sie gibt nicht nur spannende Einblicke in sportliche Höhen und Tiefen von „Kloppo“, sondern thematisiert auch offen, wie der christliche Glaube sein Leben geprägt hat. Klopps Geschichte beginnt in dem kleinen Schwarzwälder Dorf Glatten, wo für die Familie nicht nur die christlichen Feiertage, sondern auch das kirchliche Leben an sich eine wichtige Bedeutung hatte.

Es dauert allerdings, bis der kleine Junge das Bild eines strafenden Gottes, das ihn während seiner Kindheit plagte, ablegt und für sich versteht, dass Gott immer wieder die Chance für einen Neuanfang bietet. Horeni beschreibt einen Jungen, der sich um andere sorgt, als Klassensprecher für die Bedürfnisse seiner Mitschüler eintritt und in seinem Elternhaus eine Weltoffenheit vermittelt bekommt, von der er im Laufe seines Lebens massiv profitieren wird.

„Jesus ist die wichtigste Person der Weltgeschichte“

Genauso transparent beschreibt der Autor aber auch, wie schwierig der Einstieg als Profi war und wie Klopp als junger Vater früh Verantwortung übernehmen musste. Dass er seinen Traum als Fußballer mit 23 Jahren trotzdem verwirklichen kann, betrachtet er als Geschenk. Und dass Jürgen Klopp mit sechs verlorenen Endspielen in Folge definitiv etwas zum Thema Scheitern sagen kann, steht außer Frage.

David Kadel und Jürgen Klopp verbindet eine lange, intensive Freundschaft Foto: David Kadel
David Kadel und Jürgen Klopp verbindet eine lange, intensive Freundschaft (Foto: privat)

Gerade nach einer solchen schmerzhaften Niederlage und dem verpassten Aufstieg mit Mainz 2003 besucht ihn der christliche Motivationstrainer David Kadel. Eine Begegnung, die das Leben der beiden verändert. Die humorvollen Schwaben harmonieren gut miteinander und werden wichtige Wegbegleiter, die sich stützen und gemeinsam auf das Positive blicken. Eine Verbindung, aus der auch einige gemeinsame Buchprojekte zum christlichen Glauben entstanden sind.

Bereits 2004 beantwortet Klopp im „kicker“-Fragebogen, dass Jesus Christus für ihn die wichtigste Person der Geschichte ist. In seinem Glaubensleben durfte er spüren, „dass ich da jemand habe, auf den ich mich verlassen kann“, der ihn verstehe und ihn nicht alleinlasse. Ob bei Stefan Raab oder anderen Fernsehauftritten: Klopp steht zu seinem Glauben, weil es für ihn nicht sinnvoll sei, nicht über seinen Glauben zu sprechen, wie er einmal sagte.

Klare Worte zu Flüchtlingen und Corona

Als WM-Experte wird er 2006 durch seine gekonnten Analysen einem noch breiteren Publikum bekannt. Sogar der FC Bayern bekundet Interesse an ihm als Trainer. Klopp formt Mannschaften, die laufen, rennen und kämpfen. Seine Mannschaften stehen für bedingungslosen Einsatz und „Vollgas-Fußball“.

Horeni beschreibt Klopp als einen Menschen, der Herausforderungen sucht. Oft habe er den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter dort gemacht, wo es gerade sportlich nicht lief. Sein Credo ist es, Spieler zu Persönlichkeiten zu formen und funktionierende Mannschaftsgebilde zu schaffen – ob in Mainz, Dortmund oder Liverpool.

Klopp äußerte sich auch zu gesellschaftlichen Themen. So unterstützte er, dass Deutschland 2015 Flüchtlinge mit offenen Armen empfing, warb in der Corona-Pandemie dafür, sich um die Schwachen zu kümmern, oder wünschte sich insgesamt einen besseren, faireren Umgang mit Sportstars. Dabei hätten ihm seine Erziehung und der gesunde Menschenverstand geholfen, heißt es im Buch.

2017 war Klopp Luther-Botschafter, um Ansinnen des Reformators wieder in Erinnerung zu rufen. Für Klopp ist damit vor allem der Einsatz Luthers für die weniger privilegierten Menschen in der Gesellschaft gemeint. Für seinen Blick auf die Welt steht ein Zitat, das er bei seiner Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz sagte: „Ich bin gläubiger Christ und habe eine fantastische Familie. Das ist die Basis für alles.“ Es ist diese Demut, die ihn für den Leser so menschlich und nahbar macht.

Vom Helden zum Anti-Helden

Emotional wird das Buch, als der Autor beschreibt, wie Klopp in der jüngeren Vergangenheit die Schattenseiten des Profigeschäfts zu spüren bekam und durch seinen Wechsel zu Red Bull zum Antihelden für Fußballromantiker wurde. Die „wahren“ Fußballfans waren in Aufruhr, wie er sich für so einen Investoren-Klub hergeben könne.

Der Glaube ist auch in solchen Zeiten die Grundfeste in Klopps Leben. Daneben sind Demut und Dankbarkeit zentrale Werte, die sein Leben prägen. Die Fähigkeit zur Demut zeige sich vielleicht am stärksten im Umgang mit sportlichen Niederlagen und menschlichen Enttäuschungen, denn auch davon hat Klopp einige erlebt, wie im Buch deutlich wird.

Das Buch ist ein Genuss für alle Sportverrückten, aber auch für diejenigen, die mehr über den Menschen Jürgen Klopp lesen wollen. Selbst wer Jürgen Klopp nicht mag: Seine Dankbarkeit und seine Demut als Vorbild zu nehmen, wäre ein Gewinn für unsere Gesellschaft.

Michael Horeni, Glaube, Liebe, Klopp: Jürgen Klopp und die Neuerfindung des Fußballs: die Biographie, 368 Seiten, 26,00 Euro, C. Bertelsmann.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen