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Jüdische Blogger fürchten Antisemitismus

Jüdische Blogs in deutscher Sprache sind selten. Die Netzkonferenz re:publica bietet der Ausnahmeerscheinung ein Forum. Eine Autorin erklärt: Sie fürchtet sich vor einem wachsenden Antisemitismus in Deutschland.
Von PRO
Auf der Netzkonferenz re:publica ging es auch um Antisemitismus in Deutschland
Auf der Netzkonferenz re:publica ging es auch um Antisemitismus in Deutschland
Jüdische Blogs sind in Deutschland selten. Zum Begriff „Judentum“ fielen den meisten Deutschen nur Bilder des Holocaust oder von Orthodoxen in Jerusalem ein, erklärte Juna Grossmann. Auch, weil sie das ändern möchte, hat sie irgendwiejuedisch.de ins Leben gerufen. Darin und auch bei ihren wenigen Kollegen, die unter anderen Namen bloggen, gehe es selten um Politik und auch nicht immer um Israel. „Das ganz normale jüdische Leben“ will sie beschreiben. Das besteht auch nicht nur aus Religion. Grossmann beschreibt sich selbst als „liberale Jüdin“. Früher, so sagt sie, sei sie selbst eher orthodox gewesen. „Ich habe eine jüdische Grundlage“, umschreibt sie ihr religiöses Leben nun. Am wichtigsten sei ihr der Grundsatz: „Ich versuche jeden so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.“

„Man muss das sagen dürfen“

In der jüngsten Vergangenheit sieht sie diesen Grundsatz hierzulande aber oft missachtet. Ein wachsender Antisemitismus macht ihr Sorgen. „Eigentlich kann es jeden Moment hoch gehen“, sagt sie. So habe sie gemeinsam mit anderen Juden in Deutschland im vergangenen Jahr beobachtet, wie antijüdische Ressentiments sich auf offener Straße Luft machten. Tatsächlich berichtet etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung von zahlreichen Schändungen jüdischer Denkmäler oder Gebäude, von antisemitischen Übergriffen und Anti-Israel-Demos. Im Netz selbst habe sie bisher aber „erstaunlich“ wenig Hasskommentare erhalten, sagt Juna Grossmann. Dennoch reagiere die Bloggosphäre auf die Entwicklungen. Sie kennen Autoren, die nicht mehr offen über antisemitische Übergriffe schrieben, weil sie Angst hätten, selbst zum Opfer zu werden. „Dabei muss man doch sagen dürfen, wenn etwas schief läuft“, sagt sie. So ist es auch eine Form des Protests gegen einen wachsenden Antisemitismus, wenn Grossmann auf andere jüdische Blogger hinweist und ihre Seiten empfiehlt. Das Blog Sprachkasse zum Beispiel, wo sich Tora-Übersetzungen, Beschreibungen des jüdischen Gemeindelebens und Begriffsklärung finden. Oder die Seite Noa50 über das Leben in Jerusalem. Fragen wie: „Wie werde ich Rabbiner und wie läuft das Studium ab?“, beantwortet das Blog Simanija . Um orthodoxes Leben geht es bei Hamantaschen , um das Leben in einer jüdischen Siedlung schreibt „die Siedlerin“. „Redet mit uns und nicht über uns“, sagt Grossmann am Ende noch und gibt Tipps für den direkten Kontakt. Eigentlich sei jede Frage über das Judentum und die Kultur erlaubt. Nur sei es nicht empfehlenswert, „immer gleich mit Israel anzufangen“. Und Missionierungsversuche schätzten die meisten auch wenig. Einen Ernährungshinweis gabs dann auch noch: Koschere Gummibärchen bestellt man am Besten bei Amazon.

Gesetzeslage gegen Beleidigungen unzureichend

Vor Antisemitismus im Internet warnte auch die Autorin Anne Wizorek und erklärte auf einer weiteren re:publica-Session, dass „Hatespeech“ wie Rassismus und Frauenfeindlichkeit im Internet die Schwelle der Gewaltausübung senkten. „Die Beschimpfungen im Netz sind real, nicht virtuell“, sagte sie. Allein mit der jetzigen Gesetzgebung sei dem nicht beizukommen. Zwar sei Volksverhetzung strafbar, dennoch gebe es Schlupflöcher, die nicht justiziabel seien. Die Betreiber von Sozialen Netzwerken und Communities profitierten zudem von Shitstorms – durch den zusätzlichen Traffic auf der Seite. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/republica-sucht-nach-der-wahrheit-91943/
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