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Juden fürchten Anstieg von Antisemitismus

Viele Juden in Deutschland rechnen mit einem Anstieg der Judenfeindlichkeit in der Bundesrepublik. Das ergab die Studie „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus“.
Von PRO
Synagoge in Köln: Aus Angst vor Gewalt trauen sich viele Juden nicht, ihren Glauben in Deutschland offen auszuleben
Synagoge in Köln: Aus Angst vor Gewalt trauen sich viele Juden nicht, ihren Glauben in Deutschland offen auszuleben

Noch heute begegnen Juden Anfeindungen und Vorurteilen im Alltag. Viele von ihnen befürchten, dass der Antisemitismus in Deutschland in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Das geht aus der Studie „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus“, die am Montag in Frankfurt am Main vorgestellt wurde, hervor.

Die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) und das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld hatten eine Onlinebefragung mit 553 jüdischen Personen durchgeführt. Dabei beabsichtigten die Wissenschaftler, mehr über deren Wahrnehmung und Bewertung des Antisemitismus in Deutschland herausfinden. 85 Prozent der Befragten schätzen die Entwicklungen pessimistisch ein – sie äußerten Befürchtungen einer Zunahme der Judenfeindlichkeit. Ein Großteil ist vor allem angesichts der Zuwanderung von Flüchtlingen mit antijüdischen Einstellungen besorgt.

Diskriminierung in vielen Lebensbereichen

Von den Teilnehmern haben 62 Prozent im vergangenen Jahr Antisemitismus in Form „versteckter Andeutungen“ erlebt. Knapp ein Drittel hat Erfahrungen mit Beleidigungen und Belästigung gemacht. Wenige berichteten außerdem von körperlichen Angriffen aufgrund ihrer jüdischen Zugehörigkeit. „Viele der befragten Jüdinnen und Juden fühlen sich in unserer Gesellschaft verunsichert, denn Diskriminierung findet in vielen Lebenslagen statt – sei es in der Schule, dem Job oder bei Behördengängen“, erklärte die Frankfurter Diskriminierungsforscherin Julia Bernstein, eine der Autorinnen. Besonders aggressiven Formen des Antisemitismus begegnen Juden laut der Studie in Schulen. 91 Prozent wünschen sich, dass diese verstärkt über das Problem aufklären.

Am häufigsten haben die Befragten Anfeindungen im Internet und in sozialen Netzwerken, beispielsweise in Form von medialen Bildern, erfahren. Um sich vor Angriffen zu schützen, verschweigen sie oft ihre religiöse Identität – sowohl im Internet als auch im öffentlichen Leben.

Sollte der Antisemitismus in Zukunft tatsächlich weiter zunehmen, befürchten viele, damit allein gelassen zu werden. 71 Prozent der Berfragten fordern von der Bundesrepublik, mehr für die Sicherheit der in Deutschland lebenden Juden zu tun. „Die meisten Angehörigen der jüdischen Bevölkerung in Deutschland trauen sich nicht, ihren Glauben in der Öffentlichkeit auszuleben – die Angst ist zu groß, Opfer von psychischer und physischer Gewalt zu werden“, stellen die Autoren der Studie fest. (pro)

Von: dem

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