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Journalisten: männlich, gebildet, links

Der durchschnittliche Politikjournalist ist männlich, überdurchschnittlich gebildet und politisch neutral oder eher links und liest den "Spiegel". Das hat eine Erhebung der Freien Universität Berlin ergeben. Als größte Herausforderung sehen die Befragten die Digitalisierung der Medien.

Von PRO

Foto: PolandMFA

Auf die Frage, welcher Partei sie am nächsten stehen, nannten gut ein Viertel Bündnis 90/Die Grünen, gefolgt von SPD, CDU/CSU, FDP und Die Linke. Über ein Drittel der befragten Journalisten, gab an dass, keiner Partei zuzuneigen. Der typische deutsche Politikjournalist ist außerdem männlich (68 Prozent), im Durchschnitt 46 Jahre alt, verheiratet (55 Prozent) oder in einer festen Partnerschaft lebend (31 Prozent), hat Kinder, einen Hochschulabschluss und arbeitet seit 19 Jahren in seinem Metier in Berlin, Bayern oder Nordrhein‐Westfalen. Dabei verdient er im Durchschnitt 2.900 Euro Netto im Monat. Nur 32 Prozent der Politikjournalisten sind Frauen.

Die Erhebung "Politikjournalistinnen und -journalisten" untersucht die Merkmale und Einstellungen der Berufsgruppe vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Wandlungsprozesse im deutschen Journalismus. Dazu wurden im November und Dezember des vergangenen Jahres Online-Fragebögen von 789 Politikjournalisten ausgewertet.

Angst vor der Digitalisierung

Über die Hälfte der befragten Politikjournalisten gab an, dass in ihrer Redaktion mit Newsdesks oder ähnlichen, zentralen Produktionseinheiten gearbeitet wird. Mehr als neun von zehn Befragten bejahten zudem, dass ihre journalistischen Produkte in "gleicher oder überarbeiteter Form zusätzlich online" angeboten werden. Mehr als drei Viertel der Befragten sagten, dass die crossmediale Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren in ihrer Redaktion stark zugenommen hat. "Zusammengenommen bestärkt dies die Annahme, dass sich der journalistische Alltag auch für Politikjournalisten in einer Phase der Umstrukturierung befindet", heißt es in der Erhebung.

Dies bewertet ein Drittel der Politikjournalisten positiv oder neutral. Die Interaktivität des Internets wird als Zukunftspotential aber auch als Belastung wahrgenommen. Die Arbeitssituation im Politikjournalismus hat sich aus Perspektive der Journalisten in den letzten 5 Jahren insgesamt verschlechtert. Fast drei Viertel der Befragten geben an, der Arbeitsdruck habe zugenommen oder stark zugenommen. Besonders betroffen scheinen Tageszeitungen zu sein. Als zentrale Herausforderung sehen Politikjournalisten die Digitalisierung der Medien, die Konkurrenz durch das Internet, den ökonomischen Druck auf Medienbetriebe und einen damit einhergehenden Verfall der journalistischen Qualität.

Medienmacher orientieren sich am "Spiegel"

Oft abgefragt werden von Journalisten die bekannten Leitmedien Tagesschau und Tagesthemen, Spiegel, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung und das Heute‐Journal. Selten nannten die Befragten die "Bild"‐Zeitung: Nur etwas mehr als ein Drittel liest die größte deutsche Boulevardzeitung. Im Bereich der Zeitschriften und Wochenzeitungen wurde der "Spiegel" am häufigsten genannt, "Spiegel Online" liegt im Bereich der Online-Medien weit vorne.

Politikjournalisten verbringen etwas mehr als eineinhalb Stunden täglich mit dem Recherchieren. Darauf folgt das Verfassen und Redigieren eigener Texte. 38 Minuten am Tag nutzen sie für den Kontakt zum Publikum. Für Politikjournalisten nehmen andere Medien eine zentrale Rolle als Informationsquelle ein. Über 70 Prozent der Befragten gaben an, andere journalistische Medien häufig oder sehr häufig zu nutzen.

Neben traditionellen Quellen sind verschiedene Online‐Informationsquellen mittlerweile aus der täglichen journalistischen Arbeit nicht mehr wegzudenken: Neun von zehn Befragten gaben an, häufig oder sehr häufig Internet‐Suchmaschinen für ihre Arbeit zu nutzen. Partizipative Web 2.0-Formate wie Podcasts, Twitter, Foren oder Soziale Netzwerke werden von Politikjournalisten hingegen eher selten genutzt. Eine Ausnahme bildet die Online‐Enzyklopädie "Wikipedia", die von knapp die Hälfte der Politikjournalisten häufig oder sehr häufig nutzt und von über drei Viertel mindestens gelegentlich. Hierin unterscheiden sich deutsche Journalisten laut den Forschern erheblich von ihren Kollegen in den USA, bei denen Weblogs eine wesentlich höhere Bedeutung als Informationsquelle haben.

96 Prozent der Politikjournalisten stimmen der Aussage zu, dass sie "komplexe Sachverhalte erklären und vermitteln" wollen. 83 Prozent wollen neutrale und präzise Information vermitteln. Die schnelle Vermittlung von Informationen fand hingegen geringe Zustimmung. "Kritik an Missständen üben" wollen fast drei Viertel der Politikjournalisten. Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, sich für Benachteiligte in der Bevölkerung einsetzen oder die Bereiche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kontrollieren zu wollen. Fast die Hälfte der Politikjournalisten stimmt dem Ziel, "Trends aufzeigen und neue Ideen vermitteln" zu. Die Vermittlung positiver Ideale erfährt eine ähnliche Zustimmung, wohingegen lediglich ein Drittel der befragten Politikjournalisten dem Publikum Unterhaltung und Entspannung bieten möchte. (pro)

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