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Jesus Walk: „Jesus“ spaziert durch Berliner City

Das Christentum ist lebendig und fröhlich und mit Jesus kann man persönlich reden – um das zu demonstrieren, ist der Filmemacher und Autor Detlev F. Neufert am Samstag durch die Berliner City gezogen. Sein „Jesus Walk“ geriet im Trubel der Großstadt allerdings eher zur Privatveranstaltung.
Von PRO
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Detlev F. Neufert (r.) will zeigen, dass das Christentum fröhlich ist. Bei einer eigens zu diesem Zweck angemeldeten Demo begleiteten ihn ein als Jesus verkleideter Schauspieler und die Choreografin Sonia de Oliveira.
Detlev F. Neufert (r.) will zeigen, dass das Christentum fröhlich ist. Bei einer eigens zu diesem Zweck angemeldeten Demo begleiteten ihn ein als Jesus verkleideter Schauspieler und die Choreografin Sonia de Oliveira.

Zuerst einmal kommt „Jesus“ zu spät. Wegen eines kaputten Generators fahren Detlev F. Neufert und sein Schauspieler am Samstag zwanzig Minuten nach der angekündigten Jesus-Walk-Zeit im Miettransporter vor. Eine weitere knappe Stunde dauert es, bis die Plakate angeklebt, die Dokumente für die Demo unterschrieben und alle Dinge mit der Polizei besprochen sind. Die steht mit drei Einsatzwagen und 18 Mann parat – deutlich mehr als die Walk-Teilnehmer, die sich an ein paar Fingern abzählen lassen.

Eine Frau ist gekommen, weil sie im Internet vom Jesus Walk gehört hat. Sie bezeichnet sich selbst als gläubig. „Ich glaube, dass es Jesus gab und wir alle gut zueinander sein sollten“, sagt sie. „Die Welt ist ja zurzeit sehr egoistisch. Es ist eine gute Sache, zu verbreiten, dass ein Miteinander wesentlich schöner ist. Wenn es mehr Jesusse auf der Welt geben würde, wäre es bestimmt etwas besser.“ Der Schauspieler-Jesus ist inzwischen von der Café-Toilette zurück, wo er sich umgezogen hat. Mit Perücke und Sonnenbrille präsentiert er sich neben Sonia de Oliveira, Berliner Schauspielerin und Choreographin, die der Demo im bunten federgeschmückten Sambakostüm zu Aufmerksamkeit verhelfen will. „Jesus“ spricht nur Englisch, das dafür mit orientalischem Akzent. „We think, we need more love, universal love“, lautet seine Botschaft auf den Punkt gebracht.

„Das Christentum ist die größte Idee der Menschheit!“

Detlev F. Neufert, Filmemacher, Autor, Galerist und Initiator des Jesus Walk, erläutert pro seine Gedanken zu der Aktion: „Der Sinn der Sache ist, die Leute am Straßenrand dazu aufzufordern, darüber nachzudenken, dass das Christentum eine fröhliche Religion ist.“ Es sei erschreckend, wie negativ die Leute oft spontan auf das Christentum oder auf Jesus reagierten. Zu Unrecht, wie er findet. „Das Christentum ist die größte Idee der Menschheit!“ Er selbst ist „zweikirchlich“ aufgewachsen, wie er sagt, ging schon als Kind mit katholischen Freunden in deren Kirche und ist heute selbst noch Mitglied in der Evangelischen Kirche, auch wenn er nach eigenen Worten kein Kirchgänger ist. Der Glaube an Gott sei ihm „tägliche Lebenshilfe“, so beschreibt er es. „Ich spreche ganz offen mit Gott und Jesus.“ Zweifel habe er nie gehabt, der Glaube sei immer dagewesen.

Verbunden fühlt Neufert sich neben dem Christentum auch dem Buddhismus, auf seiner Homepage nennt er sich selbst einen „buddhistischen Christen“. Aus seiner Sicht passt das gut zusammen. „Wenn man den Buddhismus und das Neue Testament vergleicht – das sind zu 98 Prozent dieselben Sachen. Für mich sind Buddha und Jesus wie Brüder.“ Jesus sei ihm Lebensbegleiter und Freund, erklärt der 70-Jährige. Ist er zu Gast bei buddhistischen Freunden in Asien, nimmt er auch an deren Ritualen teil.

Ein Transporter mit Botschaft sollte die Berliner am Samstag davon überzeugen, dass das Christentum eine gute Sache ist pro/Christina Bachmann
Ein Transporter mit Botschaft sollte die Berliner am Samstag davon überzeugen, dass das Christentum eine gute Sache ist

In der Bibel, dem „größten Psychologiehandbuch der Welt“, findet er ganz praktische Hilfe für jede Lebenslage. „Warum macht ihr es euch alle so schwer?“, fragt er. „Gerade wenn es um den Tod geht, um Lebensbrüche, um Trauer, Ehekrisen. Ihr rennt zum Psychologen – das kann man sich sehr viel einfacher machen, indem man die Bibel zur Hand nimmt oder sich auch direkt an den lieben Gott wendet, mit ihm ein persönliches Verhältnis aufbaut, indem man mit ihm redet. Gebet ist ja nichts anderes als Reden mit Gott.“

2005 initiierte Neufert die Christliche Internationale, eine offene Gruppe für Christen, so heißt es auf deren Website, „antifundamentalistisch und außerkirchlich“. Dabei hält der Filmemacher die Kirche eigentlich für eine wunderbare Institution. Allerdings sollte sie sich nach seiner Ansicht etwas einfallen lassen, um gerade auch für junge Menschen anziehend zu wirken. „Das muss nicht heißen, dass der Pfarrer rappen muss. Aber sie muss sich anders aufstellen. Sie muss auch mehr in die tätige Hilfe gehen. Die Priester müssen ihr Büro abschließen und sagen: Wir gehören auf die Straße, wir gehören dahin, wo kein anderer sich kümmert, das ist unser Job.“

Holy Hits und Jesus auf dem Bürgersteig

Auf der Straße befindet Neufert sich heute beim Jesus Walk selbst. Der Transporter hat sich endlich in Bewegung gesetzt. Eskortiert von zwei Polizeiwagen fährt der Walk-Initiator langsam auf dem rechten Fahrstreifen der Kantstraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf Richtung Gedächtniskirche. Aus den Lautsprecherboxen hinten im Wagen ertönen die „Holy Hits“ – Lieder, in denen irgendwo der Name „Jesus“ vorkommt. Elvis Presley, U2 und Kanye West werden allerdings weitgehend vom Straßenlärm verschluckt.

„Jesus“ darf nicht auf die Straße, er geht auf dem Bürgersteig neben Sonia und verteilt Handzettel an die Passanten. 30 Demonstranten hätten es sein müssen, damit für sie die Straße freigemacht worden wäre. In München hat Neufert im Juni seinen ersten Jesus Walk veranstaltet. Da waren sie 15 und durften trotzdem auf die Straße, hätten sich mit den Polizisten über Religion unterhalten. Der Filmemacher hat noch einen weiteren Walk in Köln geplant. „Köln ist einfacher“, glaubt er. Falls er enttäuscht ist, lässt er es sich nicht anmerken. „Was soll’s“, sagt Neufert. „Es ist ja für eine gute Sache.“

Von: Christina Bachmann

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