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Jeder zweite Europäer für Einreisestopp von Muslimen

Mehr als die Hälfte der Europäer befürwortet einen Einreisestopp von Menschen aus muslimischen Ländern. Das ergab eine Studie des britischen Meinungsforschungsinstitutes Chatham House.
Von Jörn Schumacher
55 Prozent der befragten Europäer befürworten einen Stopp der Einwanderung aus muslimischen Ländern
55 Prozent der befragten Europäer befürworten einen Stopp der Einwanderung aus muslimischen Ländern

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Bürgern aus sieben muslimischen Staaten für 90 Tage die Einreise in die USA zu verweigern, hat für Proteste gesorgt, auch unter europäischen Politikern und Bürgern. Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert teilte mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Trump in einem Telefonat die UN-Flüchtlingskonvention „erklärt“. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, eine Einladung Trumps nach Großbritannien für das Jahr 2017 sollte so lange ausgesetzt werden, bis er den Bann zurückgezogen hat.

Doch wie steht es mit der Meinung unter den europäischen Bürgern? Um dies herauszufinden, befragte das Forschungsinstitut Chatham House mit Sitz in London 10.000 Menschen in zehn europäischen Ländern, sprich 1.000 Personen pro Land. Die Umfrage fand im Zeitraum zwischen dem 12. Dezember 2016 und dem 11. Januar 2017 statt.

Zur Aussage „Jede weitere Einwanderung aus muslimisch dominierten Ländern sollte beendet werden“ sollten die Befragten angeben, inwiefern sie ihr zustimmen. Insgesamt stimmten 55 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Nur 20 Prozent stimmten der Aussage nicht zu, und 25 Prozent enthielten sich.

Die meiste Zustimmung fand die Aussage in Polen (71 Prozent) und Österreich (65 Prozent). In Deutschland waren 53 Prozent der Meinung, die Einreise von Muslimen sollte beschränkt werden. Am wenigsten stieß die Meinung in Spanien (41 Prozent) auf Zustimmung. Die Studie zeigt zudem, dass in Europa die Ablehnung von muslimischer Einwanderung unter älteren Bevölkerungsschichten größer ist als unter Menschen, die jünger als 30 Jahre sind.

Anzahl der Muslime im Land zu hoch eingeschätzt

Die Ergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, welche die Einstellung zum Islam in Europa untersuchten. Eine Untersuchung des Pew-Forschungszentrums in zehn europäischen Ländern aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass eine Mehrheit eine schlechte Meinung von Muslimen hatte, die in ihren Ländern lebten. In Ungarn waren 72 Prozent negativ gegenüber Muslimen eingestellt, in Italien 69 Prozent, und in Polen 66 Prozent. In Deutschland gaben 29 Prozent an, eine negative Meinung von Muslimen zu haben. Viele Befragte äußerten die Meinung, dass durch den Zustrom von Flüchtlingen die Gefahr für Terrorismus im Land steige. Durchschnittlich gaben 59 Prozent der Bewohner der untersuchten europäischen Länder diese Sorge an.

Eine große Mehrheit der Europäer schätzt die Anzahl der im Land lebenden Muslime zudem zu hoch ein. Eine Umfrage des Umfrageunternehmens Ipsos MORI im Herbst 2016 ergab, dass etwa in Frankreich die Anzahl der Muslime im Land vier Mal höher eingeschätzt wird als sie tatsächlich ist. (pro)

von: js

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