Jeder fünfte Schüler erlebt online Mobbing

Über 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind von Cybermobbing betroffen. Das zeigt eine neue Studie. Die Zahlen steigen demnach seit Jahren stetig. Häufiger spielt dabei auch KI eine Rolle.
Von Anna Lutz

Immer mehr Kinder und Jugendliche erleben online Mobbing. Das zeigt die Studie „Cyberlife VI – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“ des „Bündnisses gegen Cybermobbing“. 

Laut der jüngsten Erhebung sind über 20 Prozent der Schüler zwischen sieben und 20 Jahren mindestens einmal von Cybermobbing betroffen gewesen. Zwei Jahre zuvor waren es noch 18,5 Prozent und im Jahr 2017 sogar nur 12,7 Prozent. Am häufigsten werden junge Menschen nach eigenen Angaben online beleidigt, gefolgt vom Verbreiten von Lügen/Gerüchten oder Ausgrenzung. Immer häufiger spielt dabei auch Künstliche Intelligenz (KI) eine Rolle. Jeweils rund jeder Fünfte gab an, durch KI-generierte Inhalte angegriffen oder durch gefälschte Bilder oder Videos bloßgestellt worden zu sein.

Bei den Tätern handelt es sich laut der Studie meistens um Mitschüler, die Eltern und Betroffenen sogar bekannt sind und überwiegend aus der eigenen Klasse kommen. „Das anonyme Internet ist oft gar nicht so anonym“, sagte Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des „Bündnisses gegen Cybermobbing“, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Mobbing geschieht laut Studie online mehrheitlich über den Messenger „Whatsapp“, aber auch über verschiedene Gamingplattformen oder „Tiktok“.

Rückzug, Drogen, Suizid

Aus Verzweiflung haben 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach eigenen Angaben schon einmal zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen. 25 Prozent äußerten in der Befragung Suizidgedanken. Folgen sind außerdem laut Lehrern das Fernbleiben von der Schule oder der Rückzug der Schüler, also zunehmende Introvertiertheit, sowie Leistungsabfall.

Eine Lösung für die Problematik liegt für viele offenbar auf der Hand: 76 Prozent der befragten Eltern und 81 Prozent der Lehrer wünschen sich eine Altersbegrenzung bei der Nutzung von Social Media. Sogar rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen selbst stimmt dem zu. 

Mehrheitlich wünschen sich die Befürworter eine Altersgrenze von 16 Jahren. Für Leest ein eindeutiger Hilferuf. Seine Organisation sieht in einem Verbot ausdrücklich keine Lösung und plädiert eher für einen besseren und geschulteren Umgang mit diesen Medien. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass Präventionsmaßnahmen wirken“, warb Leest etwa für entsprechende Kurse an Schulen. 

Fast drei Viertel der Lehrer sind laut Studie zudem für ein Smartphone-Verbot an ihrer Schule für Kinder und Jugendliche. Ebenso viele gaben an, der Staat tue nicht genug gegen Cybermobbing, und 63 Prozent der Lehrer sagten, sie hätten an ihrer Schule ein Problem mit dem Phänomen.

Für die Befragung wurden von April bis Juli 716 Lehrer, 1.113 Eltern und 4.525 Schüler bundesweit durch eine Onlinebefragung zum Thema Mobbing und Cybermobbing befragt. 

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