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Isolierter Volksstamm tötet amerikanischen Missionar

Ein junger Amerikaner wollte einer isolierten Volksgruppe auf einer indischen Insel das Evangelium verkünden und fand dabei den Tod. Er handelte auf eigene Faust. Der Kontakt mit dem Stamm ist verboten.
Von PRO
Strandaufnahme einer Andamanen-Inseln. Auf einem Eiland der Inselgruppe starb John Allen Chau.
Strandaufnahme einer Andamanen-Inseln. Auf einem Eiland der Inselgruppe starb John Allen Chau.

Tragödie auf einer indischen Insel: Der US-Amerikaner John Allen Chau ist durch den Pfeilhagel einer unkontaktierten Volksgruppe zu Tode gekommen. Laut der Zeitung India Today habe der 27-Jährige dem Volksstamm der Sentinelesen das Evangelium verkündigen wollen.

Der Stamm der Sentinelesen umfasst laut Schätzungen weniger als 50 Personen und lebt völlig ohne Kontakt zur Außenwelt auf einer Insel der Andamanen-Inselgruppe, die zu Indien gehört. Die Sentinelesen gelten als Fremden gegenüber aggressiv. Seitens der indischen Regierung ist die Kontaktaufnahme streng verboten. Die Inselbewohner sollen so vor Zivilisationskrankheiten geschützt werden, gegen die sie keine Resistenzen aufgebaut haben.

Die indische Polizei hat in dem Fall mittlerweile sieben Fischer festgenommen, die Chau illegal und angeblich gegen Bestechung geholfen haben sollen, die Insel der Sentinelesen zu erreichen. Die Fischer selbst seien dem Ufer ferngeblieben; Chau habe die letzten Meter in einem Kajak zurückgelegt. Sobald er am Ufer angekommen sei, sei ein Pfeilhagel auf ihn niedergegangen, so die Aussage der Männer gegenüber der indischen Polizei. Die Sentinelesen hätten Chau mittlerweile begraben. Versuche der indischen Regierung, die Leiche des US-Amerikaners zu bergen, seien bislang an der Aggressivität der Einwohner gescheitert. Die US-Behörden arbeiten nach eigener Aussage in der Sache mit den indischen zusammen.

Verkündigung als Motivation

Mehrere Quellen beschreiben Chau als Missionar. Wie der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, sei er jedoch nicht im Auftrag einer Missionsgesellschaft, sondern auf eigene Faust unterwegs gewesen. Offiziell habe er ein Touristenvisum gehabt; es sei jedoch von Anfang an seine Absicht gewesen, Missionsarbeit unter den Sentinelesen zu leisten. „Wir lehnen es ab, ihn als Touristen zu bezeichnen. Ja, er hatte ein Touristenvisum, aber er kam mit der klaren Intention, auf einer verbotenen Insel zu predigen“, sagte der Generaldirektor der Polizei der Inselgruppe, Dependra Pathak. Chau war Weltreisender. Laut der Zeitung India Today sei auch die Suche nach Abenteuern Teil seiner Motivation gewesen.

Wie die New York Times berichtet, habe Chau einem der Fischer für den Fall seines Verschwindens einen Brief mitgegeben. Darin schreibe er, dass Jesus ihm die Stärke gegeben habe, die verbotensten Orte der Erde aufzusuchen.

Kontaktversuche bislang erfolglos

Seit den Sechzigerjahren hatte es immer wieder Versuche gegeben, Kontakt zu dem Stamm aufzunehmen. Dieser hatte sich stets mit Gewalt dagegen gewehrt. 2006 waren zwei Fischer, die sich auf die Insel verirrt hatten, von den Stammesmitgliedern getötet worden. 2004 hatte der Stamm weltweit Aufsehen in den Medien erregt, als er nach einem Tsunami im Indischen Ozean einen für ihn bestimmten Helikopter mit Hilfsgütern mit Pfeilen und Wurfspeeren unter Beschuss genommen hatte.

„Survival International“, eine weltweite Hilfsorganisation zum Schutz der Rechte indigener Völker, sieht die Schuld für die Tragödie vor allem bei den indischen Behörden. Direktor Stephen Corry sagte, diese hätten die Reisesperren für die Insel schärfer durchsetzen müssen – um sowohl Touristen als auch die Stammesmitglieder selbst zu schützen. Die Angst der Sentinelesen sei angesichts der britischen Kolonialgeschichte in der Region nachvollziehbar. Es sei sogar vorstellbar, dass Chau Krankheiten auf die Insel gebracht habe, gegen die er selbst zwar immun war, die aber die Sentinelesen nun ausrotten könnten.

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