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Islamophobie: Keine Debatte auf Augenhöhe

Wer Muslime wirklich ernst nimmt, muss Islamkritik üben, meint Hamed Abdel-Samad, Autor der Tageszeitung "Die Welt". In seinem Essay "Gebrauchsanweisung für Islam-Versteher" greift er die derzeitige Debatte über Islamophobie in Deutschland auf – und fordert Ehrlichkeit im Umgang mit Muslimen.

Von PRO

Foto: Verlag Fackelträger/ "Mein Abschied vom Himmel"

Necla Kelek und Henryk M. Broder gehören zu den bekanntesten Islamkritikern in Deutschland – und werden auch deshalb gerne an den öffentlichen Pranger gestellt, zuletzt, als die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) ihren "westlichen Fundamentalismus" kritisierte. Hamed Abdel-Samed gehört ebenfalls zu jenen, die den Islam kritisch beäugen. In einem Essay kritisiert er den europäischen Hang dazu, unangenehmen Sprechern Maulkörbe zu verpassen und meint: "Relativismus und Wundenlecken" seien die falschen Rezepte, um dem Islam bei einer Erneuerung zu helfen.

Ironisch erklärt er den seiner Meinung nach üblichen Umgang mit Islamkritikern im Stil eines Ratgebers: "Wenn der Kritiker ein Nichtmuslim ist, haben Sie ein leichtes Spiel. Sie werfen ihm Mangel an Kenntnis des Islam vor (…). Bald verliert er die Übersicht im Labyrinth der islamischen Rechtsschulen und Strömungen und die Debatte verläuft im Sand." Sei der Islamkritiker aber selbst ein Muslim, müsse man ihn in seiner Integrität angreifen: "Er muss ein pathologischer Selbsthasser sein, der durch seine Kritik am Islam eine Abrechnung mit seiner Kultur anstrebt."

Hoffnung auf lebendige Debatte enttäuscht

Nach dem Attentat auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard und dem Minarettverbot in der Schweiz habe Abdel-Samad gehofft, in Europa würde eine "unverkrampfte Streitkultur" entstehen, die eine "tiefgründige Debatte" hervorbringen könnte. Stattdessen stellt er fest: "In Europa wird ein Maulkorb schneller gefertigt als jedes Gegenargument." Kritiken an den Kritikern möge zwar gut gemeint sein, "weil sie aus dem Nobelturm einer Kultur des schlechten Gewissens und nicht aus der Praxis stammen. Sie helfen uns aber weder, zu einer ehrlichen Debatte zu gelangen, noch helfen sie Muslimen, aus der eigenen Lethargie herauszukommen. Im Gegenteil, diese Vorwürfe bestätigten die hartnäckigen Verschwörungstheorien und zementieren die Opferhaltung vieler Muslime."

Kritik am Islam sei nicht das Hauptproblem dieser Religion, sondern ein Spiegel dessen: "Der Islam hat ein Problem mit sich selbst, mit seinen Ansprüchen und Weltbildern. Und ihm läuft die Zeit davon", schreibt Abdel-Samad. Deshalb müsse man ehrlich mit Muslimen sein, ihnen auf Augenhöhe begegnen, "statt sie als Menschen mit Mobilitätsstörungen zu behandeln".

Hamed Abdel-Samed forscht am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität in München. Er ist der Sohn eines sunnitischen Imams und kam mit 23 Jahren nach Deutschland. In der Biografie "Mein Abschied vom Himmel" berichtet er von seiner, die von zwei Vergewaltigungen und Antisemitismus geprägt war. (pro)     

https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus.html?&news[action]=detail&news[id]=2687
http://www.tagesspiegel.de/kultur/Islam-Kritik;art772,3001448
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus.html?&news[action]=detail&news[id]=2668
http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5902951/Gebrauchsanweisung-fuer-Islam-Versteher.html
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