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Islam „ohne Wenn und Aber“

Auf Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich im April 2015 das „Muslimische Forum Deutschland“ gegründet. Am Freitag hat das Forum in Berlin 17 Thesen veröffentlicht und sich der Öffentlichkeit gestellt.
Von PRO
Journalistin Cigdem Toprak, Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der Psychologe Ahmad Mansour haben in Berlin 17 Thesen des „Muslimischen Forum Deutschland“ vorgestellt

Foto: pro / Norbert Schäfer

Journalistin Cigdem Toprak, Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der Psychologe Ahmad Mansour haben in Berlin 17 Thesen des „Muslimischen Forum Deutschland“ vorgestellt
Zum Forum, das für Demokratie und Menschenrechte eintritt, gehören Schiiten, Aleviten, Jesiden, aber auch christliche Unterstützer. Die Teilnehmer haben sich zum Ziel gesetzt, den humanistisch orientierten Muslimen in Deutschland eine Stimme zu verleihen und ein Islamverständnis zu etablieren, das mit muslimischen Grundwerten und der deutschen Lebenswirklichkeit übereinstimmt. Am Freitag haben der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, der Psychologe Ahmad Mansour und die Journalistin Cigdem Toprak in Berlin dazu ein erstes Thesenpapier des Forums veröffentlicht, das sich die Rechtsform eines Vereins gegeben hat und nach Anerkennung damit beginnen will, Mitglieder zu werben. „Der Islam in Deutschland ist viel vielfältiger und bunter als er in der Wahrnehmung, in der Öffentlichkeit und in den Medien dasteht“, erklärte Khorchide. Dies sei der Grund gewesen, das Forum ins Leben zu rufen und die innerislamische Vielfalt in Deutschland sichtbar zu machen. Das Bild der Muslime in Deutschland sei sehr einseitig, erklärte der Islamwissenschaftler.

Historisch-kritische Methode

Insgesamt hat das Muslimische Forum Deutschland 17 Thesen auf den Weg gebracht. Das Thesenpapier sieht den Islam keineswegs als abgeschlossen an, vielmehr unterliege er einem Entwicklungsprozess. Daher plädiert das Forum dafür, den Koran in seinem historischen Kontext zu lesen und zu verstehen. „Heute müssen neben den klassischen auch moderne Methoden wie die historisch-kritische Methode in der Auseinandersetzung mit dem Koran und der Sunna ernst genommen werden“, heißt es in dem Thesenpapier, das am Freitag vorgestellt wurde. Zur zweiten These, die sich gegen Exklusivismus richtet, erklärte Khorchide: „Im Wahrheitsanspruch, der nur für sich seine Gültigkeit sieht, steckt der Kern für Gewalt.“ Es sei wichtig, auch andere Weltanschauungen und andere Religionen, vor allem das Christentum und das Judentum, als genauso gleichberechtigte Zugänge zur ewigen Glückseligkeit zu sehen und Gott nicht zu vereinnahmen.“ Bei der Pressekonferenz sprachen sich die Initiatoren „ohne Wenn und Aber“ für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen auch hinsichtlich des Tragens von Kopftüchern aus. Dass Kinder Kopftücher tragen sollen, etwa im Kindergarten oder in Grundschulen, lehnt das Forum ab. „Wir stehen für Erziehung und selbstbestimmtes Leben auch hinsichtlich der Sexualität und lehnen patriarchalische Strukturen ab“, sagte Mansour. In dem Papier bekennet sich das Forum auch zu Schwimmunterricht, Klassenfahrten und Sexualkundeunterricht als Teil des schulischen Bildungsauftrages, der nicht verhandelbar sei. Gegenüber gewalttätigen Fanatikern grenzt sich das Forum in dem Thesenpapier ab. „Wir vertreten einen Islam, der ohne Wenn und Aber hinter den Menschenrechten steht als universale Normen, die ihre Gültigkeit haben für alle Menschen. Wir stehen ohne Wenn und Aber für einen Islam, der ganz klar zwischen Staat und Religion trennt“, sagte Khorchide. In dem Papier heißt es dazu: „Menschenverachtende Islamverständnisse – wie beispielsweise der Salafismus – sind mit der Werteordnung einer säkularisierten Gesellschaft nicht vereinbar.“ Toleranz gegenüber gewalttätigen Fanatikern sei inakzeptabel.

Eindimesionales Verständnis bei jungen Muslimen

Viele jugendliche Muslime hätten nach Auffassung von Ahmad Mansour ein sehr eindimensionales Islamverständnis. Die Vielfalt der Islamverständnisse gelte es auch den Jugendlichen zu vermitteln. Für manche muslimischen Jugendlichen sei der Gedanke, mit Andersgläubigen oder Ungläubigen in einem Dialog zu treten oder in einem Raum zu sitzen, bislang nicht selbstverständlich. Zu den Glaubensinhalten des Forums erklärte Khorchide: „Wir glauben an einen Gott der Liebe und der Barmherzigkeit. Wir glauben an ein dialogisches Gott-Menschverhältnis, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, im Mittelpunkt des Interesses dieses Gottes, sprich: Wir glauben an einen Gott, der an die Menschen selbst glaubt und mit Mitteln der Liebe und Barmherzigkeit einlädt, jenseits von Mitteln der Restriktionen, des Angstmachens.“Menschenverachtende Hassideologien, ob antimuslimischer, antisemitischer, rassistischer, deutschfeindlicher oder homophober Natur lehnt das Forum ab. Das Forum will sich einsetzen für die Entwicklung nachhaltiger Konzepte zum Schutz Jugendlicher vor Extremismus. Dazu soll die Medienkompetenz der Muslime gestärkt werden. Das Forum appellierte an die Medien, differenziert zu berichten und so die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland abzubilden. Khorchide bezeichnete die Thesen als „Arbeitsaufträge“. Das Forum ist gegliedert in sieben Arbeitskreise, die sich thematisch mit den Schwerpunkten islamische Theologie, islamische Mystik, Familie und Erziehung, Sexualität, Jugendarbeit, Menschenrechte, Medien und innere Sicherheit befassen. Das Forum möchte die Expertise der Arbeitskreise auch der Politik anbieten. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/khorchide-offener-und-lebensbejahender-islam-92699/
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