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„Islam, der hinter Demokratie steht, gehört zu Deutschland“

Der Islamismusexperte und Psychologe Ahmad Mansour begrüßt die aktuelle Debatte um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Die Kritik an einem demokratiefeindlichen Islam hält Mansour für richtig, aber Pauschalisierungen seien falsch – in beide Richtungen.
Von Jörn Schumacher
„Wir brauchen eine ehrliche Debatte um Glaubensinhalte, Strukturen und die Zukunft des Zusammenlebens", sagt der Islamismusexperte Ahmad Mansour

Foto: pro/Norbert Schäfer

„Wir brauchen eine ehrliche Debatte um Glaubensinhalte, Strukturen und die Zukunft des Zusammenlebens”, sagt der Islamismusexperte Ahmad Mansour

In einem Interview der Tageszeitung Die Welt sagt Islamexperte Ahmad Mansour, in Deutschland werde über den Islam oft zu undifferenziert diskutiert. Er stellt klar, dass für ihn ein Islam zu Deutschland gehöre, „der ohne Wenn und Aber hinter Demokratie und Menschenrechten steht und keine exklusiven Rechte beansprucht“. Auch sollte dieser Islam „im Privaten gelebt“ werden und sich nicht isolieren.

In vielen Islamverbänden und Moscheevereinen seien demokratische Positionen in der Minderheit, sagt Mansour. „Da gibt es Geschlechterapartheid, Sprech- und Denkverbote und Antisemitismus. Menschen werden dazu gebracht, eine schwarz-weiße Weltsicht zu haben. In dieser sind Muslime immer Opfer und ‚der Westen‘ und die Medien immer Täter oder feindlich gegenüber dem Islam.“

Es gebe viele Muslime, die „ihrem Glauben keine politische Dimension geben“, und diese „schweigenden Muslime“ definierten sich nicht nur über ihre Religion. Mansour ist überzeugt: „Diese Leute dürfen wir in der Islam-Debatte nicht vergessen.“

Wenn laut einer Umfrage 76 Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, dann seien diese Menschen sicherlich nicht rechtsradikal, meint der Islam-Experte. „Terroranschläge in Deutschland und Europa machen vielen Angst. Dazu kommen Muslime, die versuchen, Sonderrechte für ihren Glauben durchzusetzen. Das sind etwa Lehrerinnen, die ihr Recht einklagen wollen, mit Kopftuch zu unterrichten. Eltern, die ihre Kinder vom Schwimmunterricht entbinden möchten. Moscheen, die zur Bühne für Hassprediger und ausländische Politik werden. Oder Muslime, die Gebetsräume in Schulen und Universitäten fordern.“ Mansour ergänzt: „Wir müssen klar sagen: Wir sind auch der Meinung, dass der fundamentalistische Islam nicht zu Deutschland gehört. Menschen wie die Islam-Reformerin Seyran Ates tun das bereits. Solche Vorbilder brauchen wir.“

Ausdruck „Der Islam“ ist pauschalisierend

Natürlich verstecke sich in mancher Islam-Kritik auch Rassismus, etwa wenn sie Menschen pauschal beurteile und Hass schüre. Deswegen sei es wichtig, in der Kritik zu differenzieren. Es sei ein Fehler zu versuchen, mit AfD-Positionen rechte Wähler zurückzugewinnen.

Mansour ist dankbar für die allgemeine Debatte zum Islam. „Wir brauchen eine ehrliche Debatte um Glaubensinhalte, Strukturen und die Zukunft des Zusammenlebens. Ich bin dankbar dafür, dass diese jetzt geführt wird, auch wenn ich die Undifferenziertheit nicht teile.“ Weiter sagt Mansour: „Ich finde es genauso unfair, dass Angela Merkel und Christian Wulff mit ihren Mantras, der Islam gehöre zu Deutschland, als die fortschrittlichen und moralisch-toleranten Stimmen dargestellt werden. Ihre Position ist genauso pauschalisierend und undifferenziert. Es ist ja keiner ernsthaft der Meinung, der Salafismus gehöre zu Deutschland.“

Ahmad Mansour wurde 1976 als Sohn arabischer Israelis in Israel geboren. Er ist verheiratet und lebt in Berlin. Seit 2017 ist er deutscher Staatsbürger.

Von: Jörn Schumacher

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