Iran-Krieg ist für einige US-Militärs „Teil von Gottes Plan“

Dass die USA den Iran angegriffen haben, sei Teil eines göttlichen Plans zur baldigen Wiederkunft Jesu. Das erklärten Offiziere ihren Untergebenen. Hunderte Militärangehörige beschwerten sich darüber.
Von Jörn Schumacher
US-Kampfflugzeug

Einige US-Militärführer haben ihren Truppen erklärt, der Iran-Krieg sei Teil von „Gottes göttlichem Plan“ mit Präsident Donald Trump und Jesus als Beteiligten. Das teilten Verantwortliche der amerikanischen Organisation „Military Religious Freedom Foundation“ (MRFF) mit. Wie das amerikanische Magazin „Newsweek“ berichtet, erreichten die gemeinnützige Organisation über 200 entsprechende Beschwerden von rund 50 Militärstützpunkten. Darin ging es um US-Kommandeure, die das Christentum mit dem „biblisch sanktionierten“ Krieg im Iran in Verbindung brachten.

Am 28. Februar 2026 hatten die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Israel damit begonnen, Ziele im Iran zu bombardieren. Ziel der gemeinsamen Angriffe waren zunächst wichtige iranische Amtsträger, Militärkommandeure und Einrichtungen. Dazu gehörte vor allem die Tötung des „Obersten Führers“ Ali Chamenei. Auch der Verteidigungsminister der Anführer der islamischen Revolutionsgarde, der Verteidigungsrats-Vorsitzende und der Generalstabschef der Streitkräfte starben bei den Angriffen.

„Heute Morgen eröffnete unser Kommandeur die Lagebesprechung zur Kampfbereitschaft mit der Aufforderung, angesichts der aktuellen Lage unserer Kampfeinsätze im Iran keine Angst zu haben“, heißt es in einer Beschwerde. „Er forderte uns auf, unseren Truppen zu sagen, dies sei alles Teil von Gottes göttlichem Plan, und bezog sich dabei ausdrücklich auf zahlreiche Stellen aus der Offenbarung des Johannes, die sich auf Harmagedon und die bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi beziehen.“ Weiter habe der Kommandeur gesagt, Präsident Trump sei von Jesus auserwählt worden, um im Iran „das Signalfeuer zu entzünden, um Harmagedon herbeizuführen“ und Jesu Rückkehr auf die Erde zu markieren.

Der Gründer und Präsident der „Military Religious Freedom Foundation“, Mikey Weinstein, sagte gegenüber „Newsweek“, die Beschwerden spiegelten eine „ungezügelte Euphorie“ einiger US-Militärkommandeure wider, die glauben, der andauernde Konflikt im Iran sei Ausdruck christlichen Fundamentalismus, wie er in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament beschrieben werde.

Dies stelle eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar, so Weinstein, der selbst ehemaliger Offizier der US-Luftwaffe ist. „Nicht nur für unser Land, sondern für die ganze Welt.“ Die kritisierten Äußerungen spiegelten die Führung von Verteidigungsminister Pete Hegseth wider und verstießen gegen die Bestimmungen des „Uniform Code of Military Justice“ (UCMJ), die das Einbringen religiöser Überzeugungen in die militärische Kommunikation untersagen.

„Gefundenes Fressen für islamistische Terroristen“

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat sich Symbole der Kreuzritte tätowieren lassen. So prangen etwa die Worte „Deus vult“ („Gott will es“) auf dem Arm, das Motto, unter dem einst die Kreuzritter Richtung Jerusalem aufbrachen. Dazu ist auf vielen Fotos auf dem Körper des Ministers ein quadratisches Kreuz zu sehen, umgeben von vier kleineren Kreuzen zu sehen – seit Jahrhunderten ein Zeichen von Katholiken und westlichen Pilgern im Heiligen Land. „Als Symbol anti-islamischer Kreuzzugsromantik erfreut es sich inzwischen auch zunehmender Beliebtheit bei Anhängern einer Ideologie der weißen Vorherrschaft unter der neuen Rechten“, merkte die „Jüdische Allgemeine“ an.

Ein weiteres Tattoo Hegseths zeigt ein Kreuz auf dem Unterarm mit einem Schwert in der Mitte – laut „Domradio“ eine Anspielung auf Matthäus 10, Vers 34: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ Im Januar 2021 sollte der damals noch unbekannte Hegseth als einer von insgesamt 20.000 Nationalgardisten die Amtseinführung von Joe Biden absichern. Doch er wurde zuvor aus dem Wachdienst entlassen; es gab die Befürchtung, er sei ein „Extremist“ und eine „potenzielle Bedrohung“.

Weinstein verurteilte die Verbindung zwischen christlichem Glauben und einem Krieg gegen ein anderes Land als „entsetzlichen, abscheulichen, widerwärtigen, stinkenden christlich-nationalistischen Triumphalismus“. Weiter sagte Weinstein: „Es zerstört das, was das Militär zusammenhält“ Für islamistische Terroristen wie Al-Kaida, den IS und Boko Haram, denen religiöse Motive für ihrer kriegerischen Tätigkeiten vorgeworfen werden, sei es ein gefundenes Fressen, so Weinstein.

Anhänger Trumps und Trump selbst beziehen dessen Erfolg häufig auf eine Vorsehung Gottes. Bei seiner Vereidigung als 47. Präsident im Januar 2025 deutete Trump das missglückte Attentat auf ihn im Juli 2024 religiös. Er sei von Gott gerettet worden, „der Amerika wieder groß werden lassen wollte“, so Trump.

Bereits nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 berichtete die MRFF von einer Beschwerde gegen einen Luftwaffenkommandanten, der bei einer Pressekonferenz sagte: „Der Krieg zwischen Israel und der Hamas wurde in der Offenbarung des Johannes im Evangelium Jesu Christi vorhergesagt, und niemand kann etwas dagegen tun.“ Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sprach der damalige Präsident George W. Bush von einem amerikanischen „Kreuzzug“ gegen den Terrorismus und erinnerte damit an die alten Auseinandersetzungen zwischen christlichen Kreuzfahrern und Muslimen.

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