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Interreligiöser Dialog: “Gespräche auf Augenhöhe”

Lange Zeit herrschte Funkstille zwischen den offiziellen Vertretern von Muslimen und Protestanten. Nach mehreren Jahren mit lediglich losem Kontakt wollen beide Seiten zu einem engen Dialog auf Spitzenebene zurückkehren. Dies vereinbarten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, und der Sprecher des Koordinationsrates, Ali Kizilkaya, nach ihrem Treffen am Donnerstag.
Von PRO

Foto: Deutscher Koordinierungsrat (DKR) eV

Die Einladung zu dem Treffen in einer Duisburger Moschee war turnusgemäß von muslimischer Seite ausgegangen. Kizilkaya sah darin einen "Neuanfang für eine bessere Zusammenarbeit". "Wir haben Gespräche auf Augenhöhe geführt", betonte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt, vereinbarten beide Seiten die Bildung einer festen Gesprächsstruktur mit Arbeitsgruppen für schwierige Themen, die sich mit Fragen wie der gemeinsamen Trägerschaft von Kindertagesstätten kümmern sollen.



Längere Durststrecke im Dialog



Die Muslime hatten in der Vergangenheit "oberlehrerhafte Aussagen der Kirche" bemängelt. Ein Kritikpunkt der Protestanten war das beleidigende Auftreten vieler Muslime in der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, verwies auf eine längere "Durststrecke im Dialog". Der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte sah die Aufgabe des Treffens darin, Differenzen und Missverständnisse zu klären sowie gemeinsame Themen anzugehen.



Grund für die Streitigkeiten waren oft der Bau von Moscheen oder die Debatte um die Verfassungstreue von Muslimen. 2006 veröffentlichte die EKD ein Grundsatzpapier, in dem sie den Muslimen ein Bekenntnis zum Grundgesetz einschließlich der Gleichheit der Frau und der Religionsfreiheit abverlangte. Muslimische Verbände sahen den Islam dadurch in eine falsche Ecke gedrängt. Angriffe auf den damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber waren die Folge.

Keine Instrumentalisierung von Religion



Huber fachte den Konflikt weiter an, als er 2007 von einer "groß angelegten Moscheebau-Initiative" sprach und dahinter "weitergehende Machtansprüche" vermutete. Die Kirche schärfe ihr Profil polemisch am Islam, konterte die Gegenseite. Am Donnerstag lehnten beide Seiten die Instrumentalisierung von Religion durch die Salafisten strikt ab. Falls Salafisten eine Koranverteilung benutzten, um "etwas Anderes" zu erreichen, dann fände das auch der Koordinationsrat "nicht lustig", schreibt das Nachrichtenportal "RP Online".

Klar sei auch, dass keine Religion die andere missionieren wolle. Der Glaube an den einen Gott vereine Christen und Muslime, sagte Schneider. Statt den direkten Dialog zu suchen, hätten sich beide Seiten "Scharmützel über die Medien" geliefert, ergänzt Mazyek. Um den drängenden Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen, seien beide Religionen gemeinsam gefragt. Schindehütte räumte ein, dass die muslimische Seite nicht über alle Positionen der EKD in der Vergangenheit glücklich gewesen sei: etwa bei Fragen der Menschenrechte oder der Bewertung von Gewalt und Toleranz. Vor allem die Etablierung islamischer Theologie an Universitäten sowie die Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts wirke sich auf die Rolle der Religionen in der Gesellschaft aus.



Im eigenen Glauben gefestigt



Der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban äußerte seine Bedenken zu dem Treffen: "Die EKD muss von den Muslimen einfordern, dass sie die theologischen Probleme in ihrer Religion klären." Beide Seiten einigten sich, dass es nun darum gehe, gemeinsam die gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Schneider sagte dazu, wer in seinem eigenen Glauben gefestigt sei, habe eine große Freiheit, mit anderen zu reden.



Zur weiteren Vorgehensweise: Protestanten und Muslime wollen jetzt in kleineren Gruppen klären, welche Themen vorangetrieben werden. Aus Schneiders Sicht stehe man am "Beginn des Beginns". Mazyek ergänzte, geplant sei ein gemeinsamer Leitfaden für Muslime und Christen: "Es besteht Bedarf an einem Knigge: Was muss ich beachten, wenn ich in die Kirche oder in die Moschee komme?" Das nächste Spitzentreffen ist für Ende Juni 2013 geplant – dann in Berlin, bei der EKD. (pro/dpa)

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