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Innenminister besucht unterdrückte Christen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) tritt am heutigen Mittwoch einen dreitägigen Besuch in der Türkei an. In Istanbul und Ankara will er Gespräche mit Vertretern der türkischen Regierung, der deutschen Gemeinde und mit Repräsentanten christlicher Minderheiten führen. Eine Verbesserung ihrer Situation ist dringend notwendig, erklärt der Referent für Religionsfreiheit bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Walter Flick, gegenüber pro.
Von PRO

Foto: Wikipedia / Tobias Krecht

De Maizière wird dieser Tage den griechisch-stämmigen Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus treffen und mit Vertretern protestantischer und syrisch-orthodoxer Christen sprechen. IGFM-Mitarbeiter Flick hält es für wichtig, dass der Innenminister bei seinem Besuch am Bosporus auf das christliche Erbe des Staates hinweist. "Die Türkei ist schließlich ein urchristliches Land", sagt er im Gespräch mit pro und erinnert an die biblischen Reisen des Apostels Paulus durch das damalige Kleinasien. Dennoch würden die Christen dort nach wie vor benachteiligt.

"Christen werden als Bedrohung gesehen"

In Medien und Schulbücher würden Christen als Bedrohung für die Türkei dargestellt. Der türkische Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern im Jahr 1915 finde noch immer keine Erwähnung in der Öffentlichkeit. In den 70er Jahren seien die theologischen Seminare griechisch-orthodoxer und armenischer Christen geschlossen worden. Seitdem habe diese Minderheit keine Möglichkeit, ihren Priesternachwuchs auszubilden. Christliche Gemeinden seien vom Staat enteignet worden und hätten nach wie vor keine Handhabe über ihre Grundstücke.

"Außerdem sind Christen seit 2006 vermehrt durch nicht-staatliche Akteure bedroht", sagt Flick und erinnert an die Morde an drei Mitarbeitern des christlichen Zirve-Verlages im Jahr 2007 oder am Vorsitzenden der türkischen Bischofskonferenz, Luigi Padovese, vor wenigen Monaten. Flick fordert "schnelle, gerechte Prozesse" für die Täter. Das Gerichtsverfahren gegen die Angeklagten im Zirve-Mordfall ziehe sich nun bereits drei Jahre hin. "Ich gehe davon aus, dass der Prozess durch staatliche Kräfte künstlich in die Länge gezogen wird", glaubt Flick.

Einreise für Türken soll einfacher werden

Laut "Tagesschau" will Innenminister de Maizière heute und in den kommenden Tagen zudem Gespräche mit dem Präsidenten des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu, führen. Seine Behörde schickt türkische Imame nach Deutschland. Nach Informationen des "Tagesspiegel" wird Bardakoglu de Maizière voraussichtlich über Integrations-Kurse für Imame informieren. Die Geistlichen erhalten unter anderem einen mehrmonatigen Deutschkurs und lernen die Kultur des Gastlandes kennen, bevor sie in die Bundesrepublik kommen.

Ein weiteres Thema der Reise wird die Visaproblematik türkischer Einwanderer sein. Wie die "Tagesschau" berichtet, haben sich Vertreter der deutschen Wirtschaft am Bosporus darüber beklagt, dass türkische Geschäftspartner oft nur unter großen Anstrengungen ein Visum für Deutschland erhielten. Dadurch profitiere die Bundesrepublik weniger vom türkischen Importboom. Die deutsch-türkische Industrie- und Handelskammer fordert deshalb ein vereinfachtes und transparenteres Visavergabeverfahren. (pro)

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