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„In Jesu Namen“: Verbotene Bilder im Lausanner Museum

Die Bilder sind zensiert, das zugehörige Fotobuch ist bereits verboten: Das Musée de l‘Élysée in Lausanne zeigt umstrittene Bilder der Serie „In Jesu Namen“ des Genfer Fotografen Christian Lutz seit dem 5. Juni trotzdem. Für den letzten Teil seiner Trilogie zum Thema „Macht“ hatte Lutz ein Jahr lang das Gemeindeleben der Zürcher Freikirche ICF mit der Kamera begleitet. Jetzt werfen ihm die ICF-Anwälte vor, er stelle die Kirche als Sekte und Gemeinde von Pädophilen dar.
Von PRO

Foto: 1D110 / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Der Genfer Fotograf wehrt sich gegen die Vorwürfe: Er habe der Gemeinde sein Fotoprojekt zum Thema „Macht“ vorgestellt und große Zustimmung erhalten, berichtet die Schweizer Zeitung Tagesanzeiger. Lutz bekam im Jahr 2012 die Genehmigung, die Gemeindemitglieder unter anderem bei Taufen, Gottesdiensten, beim Beten und Feiern zu fotografieren. Das Management der International Christian Fellowship (ICF) habe ihm sogar einen Fotopass ausgestellt, der ihm überall freien Zutritt erlaubte. Einige Freikirchler hätten anschließend sogar Abzüge von Bildern bestellt.

Als im vergangenen November jedoch Lutz‘ Fotobuch mit dem Titel „In Jesu Namen“ erschien, wendete sich das Blatt. 21 der 57 abgebildeten Freikirchler beriefen sich auf das Recht am eigenen Bild und klagten gegen die Veröffentlichung. Die Situationen auf den Fotos ließen beim Betrachter die Interpretation zu, es handele sich bei der ICF um eine Sekte, in der es Pädophilie, Gewalt, Trinkgelage und Polygamie gebe, zitiert der Tagesanzeiger einen Anwalt der Freikirche.

Gewalt, Sex und eine Wasserpistole


Das Bild einer jungen Frau, die mit einer Wasserpistole über eine Wiese laufe und deren Brüste gut erkennbar seien, könne zum Beispiel als Darstellung von „Gewalt und Sex“ interpretiert werden. Ein anderes Bild zeigt einen Erwachsenen, der ein Kind badet. Das sehe wie Kindesmissbrauch aus, so die Anwälte. Der Fotograf verzichtete bewusst auf Bildunterschriften, um dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen zu geben. Eine gerichtliche Verfügung stoppte den Verkauf des Fotobuchs. Nach Angaben des Tagesanzeigers sei die Initiative zur Klage jedoch von der Kirchenleitung und nicht von einzelnen Mitgliedern ausgegangen. Die Leitung habe auch die Kosten dafür übernommen.

Eine Ausstellung im Lausanner Museum über Lutz‘ Trilogie zum Thema „Macht“ wurde nicht abgesagt. Einige Bilder zieren nun Zensurbalken, auf denen ausgewählte Zitate aus den Akten des Zürcher Bezirksgerichtes zum Fall zu lesen sind. Außerdem zeigt die Ausstellung Werke der beiden vorangehenden Serien des Fotografen. Für den ersten Teil „Protokoll“ begleitete Lutz den Schweizer Bundesrat Pascal Couchepin. Er hielt jene Momente fest, in denen sich politische Macht offenbarte. Der zweite Teil mit dem Titel „Tropical Gift“ in Bildern von Nigerias Ölindustrie wirtschaftliche Macht.

Die Macht eines Predigers


Der letzte Teil „In Jesu Namen“ schließlich besteht aus den Bildern der Freikirche ICF und soll religiöse Macht demonstrieren. Für Lutz zeigt sich das zum Beispiel in Aufnahmen einer jungen Frau unter einem Wasserfall, die selig lächelt. Oder durch Fotos eines Predigers, der mit einem Rettungsring hantiert.

Das Lausanner Musée de l‘Élysée verteidigt den Künstler und begründet das mit dem Recht auf künstlerische Freiheit. Außerdem ist ein Komitee gegründet worden, das den Fotografen unterstützt. Dazu gehört unter anderem der im ersten Teil der Trilogie porträtierte Couchepin. Für den zweiten Teil, die Serie über Erdöl-Geschäfte in Nigeria, gewann Lutz im Jahr 2011 den ersten Preis des Wettbewerbs „Swiss Press Photo“. Ob die ICF-Mitglieder auch gegen die Ausstellung klagen, ist unklar. Die Bilder der Trilogie sind vorerst noch bis zum 1. September im Musée de l‘Élysée in Lausanne zu sehen. (pro)
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/Die-Macht-der-Prediger/story/22484603
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