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In Hessen: Heftige Debatte um das C

Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner hat mit seiner Forderung, das "christliche Wertefundament" seiner Partei deutlicher zu betonen, eine heftige Debatte ausgelöst. Besonders die hessischen Grünen halten gegen die Forderung Wagners – und werfen dem CDU-Politiker eine Diskriminierung anderer Menschen vor.
Von PRO

Foto: Wikipedia

"Wir müssen uns mutig zu unserem christlichen Glauben bekennen. Wir müssen klar und deutlich sagen, dass wir als Partei auf einem christlichen Fundament stehen. Das kommt mir bisher zu kurz", hatte Christean Wagner am Mittwoch vergangener Woche in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gefordert. Seine Partei müsse wieder "stärker konservative Wähler ansprechen und das C in unserem Parteinamen betonen". Denn mit dem C verbinde die Union ein "christliches Wertefundament", auf das sie stolz sein müsse.

Als Beispiel nannte Wagner etwa die Bewahrung des menschlichen Lebens bei den Themen Embryonenschutzgesetz und Spätabtreibungen. "Hier müssen wir deutlich von einer christlichen Grundlage aus diskutieren." Der CDU-Politiker sprach sich außerdem gegen die vom künftigen Koalitionspartner FDP geforderte Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe aus. Der FAZ sagte der er: "Hier gilt wortwörtlich für mich der Artikel 6 des Grundgesetzes, wonach Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der Verfassung stehen. Bei aller Toleranz in Fragen der persönlichen Lebensverhältnisse darf es hier keine Gleichstellung geben."

"Benachteiligung eingetragener Lebenspartnerschaften"

Am Donnerstag debattierte der Hessische Landtag in einer Aktuellen Stunde über die Aussagen Wagners – die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte die Aussprache unter dem Thema "Das Christentum ist mehr als Christean Wagner – Gott sei Dank" beantragt. "Christean Wagner redet von christlichen Werten, meint aber eine rechts-konservative Neuausrichtung", so der rechtspolitische Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Jürgens. Als Beispiel für christliche Politik fordere Wagner "die Beibehaltung der Benachteiligung eingetragener Lebenspartnerschaften gegenüber der Ehe. Also nicht mehr Nächstenliebe, sondern Ablehnung von Andersartigen. Nicht mehr Barmherzigkeit, sondern unbarmherzige Ausgrenzung. Nicht mehr Toleranz, sondern Fortsetzung der Intoleranz hält er für christliche Werte. Das ist ganz sicher nicht in Übereinstimmung mit der Überzeugung der meisten Christen, auch nicht derjenigen in der CDU-Fraktion."

Das aufgeklärte, moderne Christentum schöpfte jedoch die Kraft des Glaubens nicht aus der Ablehnung anderer Menschen. Jürgens weiter: "Der Stellenwert der eigenen Überzeugung wird nicht dadurch größer, dass andere herabwürdigt und ausgrenzt werden. Im Verständnis der Christen sind alle Menschen ein Geschenk Gottes an die Welt. Für Christen hat jeder Mensch in seiner einzigartigen Individualität den gleichen Anspruch auf Achtung und Würde: Frauen und Männer, Junge und Alte, Weiße und Menschen mit und ohne Behinderung, Schlaue und Dumme, und ich sage, auch heterosexuelle und homosexuelle Menschen – alle sind nach christlicher Überzeugung Geschöpfe Gottes."

"Eigentlich" könne er es als Außenstehender nur begrüßen, wenn der Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion fordere, die Union müsse künftig das C wieder mehr betonen, so Jürgens weiter. "Keine unchristlichen Wahlkämpfe auf Kosten von Minderheiten mehr, keine Lügen über erfundene jüdische Vermächtnisse – nichts anderes als ein Verstoß gegen das achte Gebot (…) – dies alles müsste dann endgültig der Vergangenheit angehören", so Jürgens in der Aktuellen Stunde.

CDU weist Vorwürfe zurück

Der CDU-Landtagsabgeordnete Rolf Müller reagierte mit Unverständnis auf die Kritik der Grünen. "Offensichtlich gibt es in den Reihen der Grünen-Abgeordneten, die Probleme mit der christlichen Botschaft haben und in ehrverletzender Weise auf gläubige Christen reagieren. Seltsamerweise sind das aber immer genau die Abgeordneten, die am lautesten nach Toleranz rufen. Ihnen sei gesagt: Toleranz ist keine Einbahnstraße. Die Verhöhnung der christlichen Einstellung ist unerträglich", sagte Müller. Christliche Werte seien für Christdemokraten zudem "nicht nur aktuell, sondern grundlegend". Das Gesellschaftsbild der Union basiere auf einem christlichen Wertefundament. Dies schließe niemanden aus, sondern biete Schutz vor Diskriminierung für alle Bürgerinnen und Bürger.

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