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In der Kritik: Respekts-Preis für Bushido

Dem Rapper Bushido soll am heutigen Donnerstag ein Bambi in der Kategorie Integration verliehen werden. Frauenrechtler, Schwulen- und Lesbenverbände und auch die Politik protestieren lautstark gegen die Auszeichnung.

Von PRO

Foto: Constantin-Film

Der Mediengigant "Hubert Burda Media" verlegt in Deutschland nicht nur Dutzende Zeitschriften, darunter die "Bunte", "Focus" oder der "Playboy", er ist zudem an diversen Radio- und TV-Sendern beteiligt. Alljährlich vergibt der Konzern auch den Medien- und Fernsehpreis "Bambi". Am heutigen Abend soll im hessischen Wiesbaden der Rapper Bushido mit der Trophäe für seinen Integrations-Einsatz geehrt werden. "Der in Bonn geborene und in Berlin aufgewachsene Deutsch-Tunesier richtet seinen Appell für ein respektvolles Miteinander an seine Fans ebenso wie an Politik und Öffentlichkeit. Er leistet einen wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln", teilt das Medien-Unternehmen zur Begründung mit. Die Jury betont, Bushido sei ein "hervorragendes Beispiel für gelungene Integration". Bushido setze sich gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft ein.

"Krasser Missgriff"

Das sehen Verbände und Politiker anders. Die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" etwa richtete einen öffentlichen Appell an die Bambi-Jury: "Wie kann ein Mann, der derart menschenverachtend über Frauen schreibt, als Vorbild für Integration gelten? (…) Wir fordern Sie auf, Ihre Nominierung nochmal zu überdenken und Bushido den Preis nicht zu verleihen!?"

Auch der "Lesben- und Schwulenverband Deutschland" beschwert sich über die Auszeichnung. "Burda leistet sich damit einen krassen Missgriff. Bushido hetzt seit Jahren gegen Homosexuelle und ruft in Liedtexten unverblümt zur Gewalt gegen Schwule auf. Ist Burda blind gegenüber Hasstexten und Gewaltaufrufe, wenn sie sich gegen Schwule richten?" Ähnlich sieht es die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth. Sie teilt mit: "Die Preisverleihung an Bushido ist wohl eher seinem kommerziellen Erfolg, denn seinem Engagement ‘gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander’, wie es der Burda-Verlag in seiner Begründung schreibt, geschuldet. Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht. Dass er dabei Frauen nur als ‘Schlampen’ bezeichnet und Botschaften wie ‘Schwuchteln verkloppen’ rappt, scheint den Burda-Verlag nicht zu stören."

Brückenbauer oder Rüpel?

Im "Hessischen Rundfunk" haben sich auch Politiker aus dem Bundesland geäußert, in dem der Bambi in diesem Jahr verliehen wird. Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel etwa findet die Auszeichnung Bushidos schlicht "absurd". Man könne kaum von einer Integrationsleistung sprechen, wenn sich jemand auf dem Rücken anderer profiliere. Deshalb will er dem Musiker am Abend in Wiesbaden den Applaus verweigern: "Bei mir wird sich keine Hand rühren." Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) stimmte auf Nachfrage von "hr-online" mildere Töne an. Bushido sei eine umstrittene Person. "Er bedient üble Klischees, aber er nutzt auch seine Popularität, um gute Botschaften zu verbreiten." Als Beispiel nannte der Minister Integrationsprojekte in Schulen. "Der Preis sollte ihm Ansporn sein", so Hahn. "Er hat jetzt den Auftrag, sich als Brückenbauer zu profilieren."

"Burda" selbst teilte zur Kritik mit: "Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps." Es ist nicht das erste Mal, dass eine Bambi-Preisverleihung öffentlich kritisiert wird. 2007 erhielt der Schauspieler und Scientologe Tom Cruise das goldene Rehkitz. Er wurde in der Kategorie "Courage" ausgezeichnet, weil er die künstlerische Herausforderung suche und dafür auch Risiken eingehe. (pro)

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