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In den Händen von Gurus und Sekten

Um Sekten, Gurus und darum, wie sie ihre Anhänger manipulieren, ging es in der Talkrunde von „Menschen bei Maischberger“ am Dienstag. Auch nach enttäuschenden Erfahrungen mit Sekten könne der Mensch die Sinnsuche nicht aufgeben, berichteten Betroffene.
Von PRO
„Die Psychotricks der Gurus: Glauben, Glück, Gehirnwäsche?“ war am Dienstag Thema bei Sandra Maischberger im Ersten

Foto: WDR/Max Kohr

„Die Psychotricks der Gurus: Glauben, Glück, Gehirnwäsche?“ war am Dienstag Thema bei Sandra Maischberger im Ersten

Einer der Gäste war das ehemalige Model und Playmate Gitta Saxx. Sie kam über ihren Freundeskreis zu einem Guru, der sich selber als Reiki-Meister ausgab. Mittels Energien durch Handauflegen sollten ihre Schmerzen behandelt werden. Heute sagt sie, dass sie vergleichsweise seltener krank sei als in dem damaligen Zeitraum. Auch verlangte Saxx‘ Guru immer höher werdende „Spenden“, damit er ihr Schutz geben könne und Blockaden löse. Erst als sie ihre Wohnung verlor, sei ihr klar geworden, dass sie die Verantwortung für sich abgegeben hatte. Daraufhin löste sie sich vom Guru.

In der Sekte aufgewachsen

Ebenfalls eingeladen waren Judith Mühlbacher und Sascha Erdmann, die beide in einer Sekte aufgewachsen sind. Judith Mühlbacher kam durch ihre Eltern mit zwei Jahren in eine Sekte, die sich die „Neuoffenbarer“ nennt. In dieser wird gelehrt, dass die Bibel über die Jahrhunderte verfälscht wurde. Deswegen sei ein neuer Prophet im 19. Jahrhundert erschienen, der diese Gemeinschaft gründete und die Bibel neuinterpretiert. Jesus wird darin als alleiniger und nicht dreieiniger Gott angesehen. Obwohl Mühlbacher immer wieder gesagt bekam, dass alle außerhalb der Gemeinschaft zu dem Reich Satans gehörten und deswegen sterben würden, trat sie mit 22 Jahren aus. „Das ist die erste eigene Entscheidung für mich und meine Bedürfnisse gewesen.“
Sascha Erdmann wurde in einer Sekte geboren, in der das Leiterehepaar vorgibt, direkte Kontakt zu Gott zu haben. Mittels Briefen, die angeblich das Wort Gottes waren, wurden die Mitglieder der Sekte persönlich angesprochen. Freundschaften zu Außenstehenden wurden nicht gerne gesehen, obwohl die Sekte selber ein erfolgreiches Medienunternehmen leitet. Als Erdmann unter anderem erfuhr, dass der Leiter mit den Frauen der Gruppe sexuelle Beziehungen hatte, stieg er aus. Einen Kontakt zu seinen Eltern, die immer noch in der Sekte sind, hat er heute nicht mehr.

„Großer Idee wird alles unter geordnet“

Sektenführer und Gurus wendeten Bewusstseinskontrolle an, sagte der Sektenexperte Dieter Rohmann in der Sendung. „Alles wird kontrolliert und nichts den Zufall überlassen.“ Außerdem definierten Sekten ihren Status darin, auserwählt zu sein. Dies trifft auch auf die Gemeinschaft um den Aktionskünstler Otto Muehl in den 70er Jahren zu. In dieser Gesellschaft waren Zweierbeziehungen verboten. Kinder sollten nicht erfahren, wer ihre Väter waren, und wurden der Gemeinschaft zur Erziehung übergeben.
Maria Diedrich blieb bis zu deren Auflösung in der Gemeinschaft. Obwohl Muehl Zwänge brechen wollte, herrschte in der Gemeinschaft eine strenge Hierarchie. Otto Muehl wurde als derjenige angesehen, durch den die Gemeinschaft zusammenhält. „Der großen Idee wurde alles untergeordnet“, sagt Diedrich heute über die Gemeinschaft. Als sie sich in den Mann verliebte, den sie später heiratete, wurde sie zwangsversetzt. Auf die Frage, ob sie etwas von dem Missbrauch an Minderjährigen durch Otto Muehl mitbekommen habe, antwortete sie: „In einer geschlossenen Gemeinschaft sieht man nur das, was man sehen soll.“ Nachdem Muehl wegen Vergewaltigung und Missbrauchs an Minderjährigen verurteilt wurde, löste sich die Gruppe auf.
Erkennbar seien Sekten dadurch, dass sie „überall das Licht ausknipsen und dann anfangen Kerzen anzuzünden“, sagt Rohmann. Daher bemerkten viele nicht, dass sie sich in die Hände von Sekten begeben. „Die Sinnsuche sollte man dennoch nicht aufgeben“, so Gitta Saxx am Ende der Gesprächsrunde. (pro)

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