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In aller Freundschaft… Die Kirchen und Israel

Es ist ein schwieriges Verhältnis: Geht es um den Nahen Osten, wird in den Kirchen oft laviert. Das Existenzrecht Israels darf nicht in Frage gestellt werden, die gegenwärtige Politik der israelischen Regierung aber schon, und antisemitisch wirken will man auf keinen Fall. "Die christlichen Kirchen und der Staat Israel" – so hatten die Konrad-Adenauer-Stiftung und der deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit deswegen eine Fachtagung überschrieben, die am Dienstag in Berlin stattfand.
Von PRO

Foto: Ahoova (CC-BY-NC-SA)

Im Zentrum stand dabei das 2009 von palästinensischen Christen verfasste Kairos-Papier. Es kritisiert die israelische Besetzung Palästinas und beinhaltet unter anderem einen Boykott-Aufruf gegen israelische Produkte. Zwar verdiene die schwierige Lage der Palästinenser Aufmerksamkeit und Empathie, sagte der württembergische Pfarrer für das Gespräch zwischen Christen und Juden, Michael Volkmann. Aber es stilisiere die Palästinenser als hilflose Opfer, vermeide jede Aussage, die Israel mit seinem Land verbinde, löse Jesus aus dem Judentum heraus und differenziere nicht zwischen Terrorismus und legitimem Widerstand. Deutlicher noch wurde der als Kritiker des Papiers bekannte Berliner Theologieprofessor Rolf Schieder. Er bezeichnete die Erinnerung an die Shoah als ein "negatives Dogma der deutschen Zivilreligion der Nachkriegszeit." Die Deutschen fühlten sich wegen des Holocaust schuldig – und fänden Entlastung dafür in Israelkritik und Solidarität mit den christlichen Palästinensern. "Aus der Solidarität mit den getöteten Juden erwächst so eine Solidarität mit den Palästinensern", so Schieder.

Kritik am Kairos-Papier äußerte auch der katholische Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff. Es entspreche theologisch in keiner Weise der Lehre der katholischen Kirche: Für die katholische Kirche stehe "das Existenzrecht Israels als eines jüdischen Staates außer Frage", sagte Mussinghoff. Dazu gehöre auch "das Recht auf sichere und international anerkannte Grenzen und ein Ende der Bedrohung durch Terroranschläge." Da auch das palästinensische Volk das Recht auf einen unabhängigen und wirtschaftlich lebensfähigen Staat habe, sei eine Zwei-Staaten-Lösung nötig. Dem schloss sich auch der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, an: Lösen könnten den Nahostkonflikt nur die Konfliktparteien selbst. Besserwisserei sei überflüssig. Unter den Bedingungen der Gegenwart sei die "die staatliche Verfasstheit Israels" die einzige "realistische Möglichkeit" für das jüdische Volk, seine Verbindung zum Land Israel "selbstbestimmt verwirklichen zu können"."Solange dies der Fall ist, stehen wir als Christinnen und Christen in Solidarität mit dem Staat Israel, für dessen Existenz wir einzutreten haben", betonte der EKD-Ratsvorsitzende.

Allerdings wandte sich Schneider gegen eine von christlichen Israelfreunden häufig vorgenommene religiöse Überhöhung des Staates Israel. Dies gefährde die Bemühungen um einen friedlichen Interessenausgleich zwischen den Bürgern Israels und seinen arabischen Nachbarn. Und das Engagement von Christen an der Seite Israels dürfe auch notwendige Kritik einschließen – etwa den Hinweis auf "gesellschaftliche Fehlentwicklungen und alltägliche Diskriminierungen; den Widerspruch gegen politische Entscheidungen, die zu Ungerechtigkeiten und Unfrieden führen." (pro)

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